Strukturelle Geldentwertung, nicht kurzfristige Inflation, ist laut Dunkley die dominierende Kraft hinter dem langfristigen Goldbullenmarkt. Die Politik habe Rezessionen oder längere wirtschaftliche Abschwünge faktisch aufgegeben und setze auf negative Realzinsen, um die steigende Staatsverschuldung zu managen .
Geopolitische Fragmentierung ist die zweite strukturelle Säule. Neben der Geldpolitik sorgt die zunehmende geopolitische Spaltung für anhaltende Goldnachfrage .
Waratah untermauert seine Überzeugung mit Kapital. Bereits im September 2025 kaufte die Firma massiv Goldminenaktien und erwartete, dass die Rallye „gerade erst begonnen hat“ . Dunkley hob dabei insbesondere Goliath Resources Ltd. als einen Kandidaten hervor, der zur Bullen-These passt . Die Flaggschiff-Fonds des Unternehmens verzeichneten zwar Anfang 2025 vorübergehende Rückschläge – der Waratah One Fund lag im Q1 2025 bei -3,3 %, der Waratah 1x bei -5 % – doch Portfoliomanager Jason Lindal betonte, dass diese kurzfristigen Verluste die übliche Volatilität widerspiegelten und keine strategische Kehrtwende darstellten .
| Institut | Jahresende/Durchschnitt 2026 | Wichtige Anmerkung |
|---|---|---|
| J.P. Morgan | ~6.000 $/oz (Q4-Schnitt), 6.300 $ möglich in 2027 | Senkte den Jahresschnitt im Juni auf 5.243 $ von 5.708 $, sieht aber weiterhin einen Jahresendanstieg auf 6.000 $ |
| Goldman Sachs | 4.900 $/oz (Jahresende) | Im Juni von 5.400 $ gesenkt, da für 2026 keine Fed-Zinssenkungen erwartet werden |
| Bank of America | 5.000 $/oz (Schnitt 2026 ~4.400 $) | Bleibt optimistisch, räumt aber Korrekturrisiko ein |
| Wells Fargo | 6.100–6.300 $/oz (Jahresende) | Einer der bullischsten Ausblicke |
| UBS | 5.500 $/oz | Mittelklasse-Bullenausblick |
| TD Securities | Kurzfristig unter 3.900 $, dann Erholung auf 5.300 $ in 2027 | Sieht vor der Erholung einen tieferen Rücksetzer |
| Standard Chartered | 4.500 $/oz (12-Monatsziel) | Bezeichnet den Rücksetzer als „gesund“; strukturell bullisch wegen Entdollarisierung |
| World Gold Council | Seitwärts, –5 % bis +5 % im Basisszenario | Warnt im Bären-Szenario vor einem Absturzrisiko von 5–20 %, falls sich die ETF-Positionierung umkehrt |
Bis Ende Juni 2026 senkten mehrere Banken ihre kurzfristigen Prognosen, da die anhaltend hohen US-Leitzinsen und ein starker Dollar die Stimmung belasteten. Business Insider berichtete, dass „die einst bullischen 6.000 $-Rufe verblassen“ und Gold bei etwa 4.000 $ notierte – 30 % unter dem Höchststand . Die meisten Institute halten jedoch trotz der Kürzungen ihrer kurzfristigen Durchschnittswerte an ihren höheren Jahresendzielen fest . J.P. Morgan senkte den Jahresschnitt 2026 auf 5.243 $ (von 5.708 $) und bezeichnete die kurzfristige Anlegernachfrage als „versiegt“, behielt aber das Basis-Jahresendziel von rund 6.000 $/oz bei, da man für die zweite Jahreshälfte 2026 eine Wiederbelebung der Nachfrage erwartet .
Die 29-prozentige Korrektur vom Januar-Allzeithoch hat die Überzeugung der Anleger auf die Probe gestellt. Das Gewicht der institutionellen Meinung – von Waratah Capitals aktiven Käufen bis zu J.P. Morgans Jahresendziel von 6.000 $ – deutet jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Rücksetzer um einen mittelfristigen Schock und nicht um das Ende des Bullenmarktes handelt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind bekannt: eine anhaltend restriktive Fed, ein stärkerer Dollar und die Gefahr von ETF-Liquidationen. Für langfristige Goldanleger lautet die Kernfrage, ob strukturelle Kräfte (Entdollarisierung, fiskalische Dominanz, geopolitische Fragmentierung) die konjunkturellen Gegenwinde überwältigen werden – und die Konsensantwort lautet derzeit: Ja.