Der Mai 2026 war mit mindestens 274 getöteten und 1.763 verletzten Zivilisten der blutigste Monat seit April 2022 – ein Anstieg um 93 % im Vergleich zum Mai 2025 . Danielle Bell, Leiterin der HRMMU, erklärte: „Mit mehr als 2.000 zivilen Opfern war der Mai der Monat mit den meisten zivilen Opfern seit April 2022“ .
Die russischen Streitkräfte haben im Winter 2025/2026 systematisch und wiederholt Energieanlagen in der gesamten Ukraine angegriffen. Hunderte von Waffen kamen in koordinierten Angriffen zum Einsatz, die die bereits durch frühere Attacken geschwächte Stromerzeugungs-, Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur beschädigten [Report PDF, para 2]. Die ukrainischen Behörden sahen sich gezwungen, landesweit geplante rollierende Stromabschaltungen zu verhängen. Die Zivilisten hatten zeitweise nur für wenige Stunden am Tag Strom [Report PDF, paras 3-4]. Auch Fernwärmesysteme wurden getroffen, sodass Hunderttausende wochenlang ohne Heizung und Warmwasser auskommen mussten, als die Temperaturen im kältesten Winter seit 2010 auf bis zu -20°C fielen [Report PDF, paras 3-4].
Die Stromausfälle legten die Wasserversorgung, das Gesundheitswesen und den Schulbetrieb lahm und trieben viele Menschen zur Flucht. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass das Ausmaß, die geografische Streuung und die Art der Angriffe auf die Energieinfrastruktur darauf hindeuten, dass es sich nicht um gezielte Angriffe auf militärische Ziele handelte, sondern um den Versuch, das gesamte Energienetz des Landes lahmzulegen. Dies wertet der Bericht als wahrscheinlichen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht [Report PDF, paras 57-63]. Auch die ukrainischen Streitkräfte griffen Strom- und Heizungsinfrastruktur in der russischen Region Belgorod an, was zu regionalen Ausfällen führte [Report PDF, para 6].
Zwischen Mitte November 2025 und Januar 2026 haben russische Streitkräfte mindestens 16 gefangene ukrainische Kriegsgefangene hingerichtet[Report PDF, para 10]. Fast alle von der UN befragten freigelassenen ukrainischen Kriegsgefangenen berichteten von Folter oder anderer Misshandlung während ihrer Gefangenschaft. Einige bemerkten jedoch, dass sich die Bedingungen seit Ende 2024 allmählich verbessert hätten. Etwa die Hälfte der befragten russischen Kriegsgefangenen beschrieb Folter oder Misshandlung in der Anfangsphase ihrer Gefangenschaft durch die Ukraine [Report PDF, para 10].
Seit Beginn der groß angelegten Invasion im Februar 2022 hat das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) bis Februar 2026 insgesamt über 15.000 zivile Todesfälle und mehr als 41.000 Verletzte in der Ukraine bestätigt . Das Jahr 2025 war das tödlichste für Zivilisten seit 2022. Die HRMMU verzeichnete mindestens 2.514 getötete und 12.142 verletzte Zivilisten – ein Anstieg um 30 % im Vergleich zu 2024 –, angetrieben durch verstärkte Kämpfe an der Front und den massiven Einsatz von Langstreckenwaffen . Ein Faktenblatt vom Februar 2026 stellte fest, dass die Zahl der täglich getöteten und verletzten Zivilisten in der Ukraine deutlich zugenommen hat: Die Opferzahlen für 2025 lagen 31 % höher als 2024 und 70 % höher als 2023 .
In den von Russland besetzten Gebieten schränken die Behörden weiterhin die Meinungsfreiheit massiv ein, rekrutieren Zwangsarbeiter und schützen Personen für die russischen Streitkräfte und verweigern Kindern den Zugang zu ukrainischem Unterricht [Report PDF, para 11]. Diese Praktiken werden als anhaltende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte beschrieben.
Der Bericht beschreibt einen kontinuierlichen Trend steigender ziviler Opferzahlen Jahr für Jahr seit 2023. Der Berichtszeitraum (Dezember 2025 – Mai 2026) war der tödlichste für diesen Zeitraum seit 2022, abgesehen vom ersten Jahr der Invasion [Report PDF, para 64]. Als Haupttreiber des Anstiegs werden der massive Einsatz von Langstreckenwaffen durch Russland und die Zunahme von Angriffen mit Kurzstreckendrohnen entlang der Frontlinie identifiziert. Letztere verhinderten zudem Evakuierungen und die Lieferung von Grundversorgungsgütern in Frontgemeinden, auch in besetzten Gebieten [Report PDF, paras 8-9].
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Ausmaß, geografische Streuung und Art der Angriffe auf die Energieinfrastruktur durch Russland darauf hindeuten, dass diese nicht auf spezifische militärische Ziele gerichtet waren, sondern darauf abzielten, das gesamte Energienetz des Landes zu stören – was mit dem humanitären Völkerrecht unvereinbar wäre [Report PDF, para 63].