Die BIZ ist weitaus alarmierter. Sie bezeichnet die Schließung der Straße von Hormus als einen ‚schweren Energieschock‘, der die Inflation ‚deutlich über die Zielmarken‘ getrieben habe . Sie warnt davor, dass ein länger anhaltender Konflikt die Inflationserwartungen destabilisieren und zu finanziellen Turbulenzen und fiskalischen Problemen führen könnte
. Die BIZ führt den Nahost-Krieg als einen von vier großen ‚Druckpunkten‘ auf, die die globale Stabilität gefährden
.
Beide Berichte sehen die Inflation als die zentrale Herausforderung, aber ihr Besorgnislevel unterscheidet sich fundamental.
J.P. Morgan erwartet, dass die Inflationsdaten kurzfristig ‚etwas heiß laufen‘, bedingt durch den Energiepreisschock und die Folgen für die Lieferketten . Mittelfristig würden höhere Zölle und geringere Einwanderung die Teuerung jedoch abkühlen; die Analysten rechnen mit zwei bis drei Zinssenkungen der US-Notenbank Fed
. Der Ton ist klebrige, aber beherrschbare Inflation.
Die BIZ zeigt sich deutlich alarmierter. Sie stellt fest, dass der Energieschock die Inflation ‚deutlich über die Zielmarken‘ getrieben hat und warnt davor, dass sich eine neue ‚Inflationspsychologie‘ breitmachen könnte, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln . Steigende Inflationsrisiken seien eine der größten Gefahren, die dringend politische Disziplin erforderten
.
Der Umgang mit KI-Investitionen ist der Bereich, in dem die beiden Ausblicke am stärksten auseinandergehen.
J.P. Morgan sieht KI überwiegend positiv. Der Mid-Year-Ausblick besagt, dass die KI-Investitionen (Capex) ‚die Wirtschaft weiterhin stützen‘ und dass die Staatsausgaben sich beschleunigen . Das ‚strukturelle KI-Argument bleibt intakt‘, aber auf Indexebene konzentriere sich das Risiko auf eine enge Gruppe von Mega-Cap-Werten
. KI wird als Wachstumsmotor gesehen, nicht als Belastung.
Die BIZ vertritt die gegenteilige Auffassung. Sie warnt davor, dass der KI-Investitionsboom ‚möglicherweise nicht nachhaltig‘ sei und dass ein KI-Einbruch schwerwiegende Folgen für Wachstum und Kreditmärkte haben könnte . Die BIZ nennt einen KI-Crash explizit als eine der alarmierendsten Bedrohungen für den globalen Wohlstand
.
Die Global-Research-Strategen von J.P. Morgan um Fabio Bassi haben ihr S&P-500-Jahresendziel für 2026 auf 7.200 Punkte gesenkt, nachdem es im März noch bei 7.500 Punkten gelegen hatte. Sie begründen dies mit dem Angebotsschock durch den Iran-Konflikt und dem geringeren Aufwärtspotenzial für risikoreiche Anlagen . Der frühere Jahresausblick 2026 des Instituts hatte noch zweistellige Zuwächse sowohl für die entwickelten als auch für die Schwellenmärkte vorhergesagt
; die Korrektur zur Jahresmitte spiegelt die Auswirkungen des Krieges wider.
Die BIZ gibt keine konkreten Aktienkursziele vor, aber ihr allgemeines Risikoframework impliziert ein erhebliches Abwärtspotenzial für risikoreiche Anlagen, falls sich einer ihrer vier Druckpunkte – der Nahost-Krieg, ein KI-Crash, finanzielle Stress oder finanzielle Fragilitäten – materialisiert .
J.P. Morgan Mid-2026-Ausblick ist vorsichtig konstruktiv. Er sieht eine widerstandsfähige Wirtschaft, die durch KI-Investitionen und den Wohlstand der Verbraucher gestützt wird, mit einer beherrschbaren (wenn auch klebrigen) Inflation, hat aber die Aktienziele aufgrund der Unsicherheit über den Iran-Krieg gekürzt. Die BIZ ist entschieden alarmierter und warnt davor, dass die Widerstandsfähigkeit mehreren akuten Druckpunkten gewichen ist – einem schweren Energieschock, möglicherweise überhitzenden/nicht nachhaltigen KI-Investitionen und steigenden fiskalischen und finanziellen Verwundbarkeiten – die dringend politische Disziplin erfordern.