Das Kernstück des Events waren die neuen Finanzziele. Qualcomm hob das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2029 außerhalb des Handygeschäfts (QCT) auf 40 Milliarden Dollar an – fast doppelt so viel wie das nur 18 Monate zuvor gesteckte Ziel von 22 Milliarden Dollar . Davon entfallen auf das Datencenter-Segment mehr als 15 Milliarden Dollar . Für die nahe Zukunft prognostizierte das Management für das Geschäftsjahr 2027 Datencenter-Erlöse von rund 5 Milliarden Dollar, inklusive einer Milliarde Dollar von neu akquirierten Kunden für kundenspezifische Chips .
Diese Zahlen sind ein deutlicher Hinweis auf eine massive Beschleunigung der Diversifizierung. Qualcomm gab zudem einen detaillierten Überblick über die aktualisierten QCT-Ziele für 2029. Die Aufschlüsselung im Einzelnen:
Insgesamt beziffert Qualcomm seinen adressierbaren Gesamtmarkt (Total Addressable Market, TAM) nun auf rund 1,7 Billionen Dollar bis 2030 – fast doppelt so viel wie die zuvor genannten 900 Milliarden Dollar. Allein der Markt für Datencenter wird dabei auf über eine Billion Dollar geschätzt .
Die wichtigste Produktankündigung war der Qualcomm Dragonfly C1000, ein Server-Prozessor für Rechenzentren. Er basiert auf einer Chiplet-Architektur mit über 250 Kernen, unterstützt PCIe Gen7, CXL-Speicher und kann optional mit einer High-Bandwidth-Compute-Einheit (HBC) gekoppelt werden . Qualcomm gibt an, dass der Chip im Vergleich zu konkurrierenden Architekturen die doppelte Leistung pro Watt bietet . Die Serienproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2028 anlaufen .
Doch die Hardware war nur die halbe Geschichte. Qualcomm stellte auch die AI300 Inferenzbeschleuniger-Serie und die High Bandwidth Compute (HBC) Gen2 Speichertechnologie als Teil eines kompletten Portfolios für Datencenter vor . Das Unternehmen bestätigte zudem, dass es neben Meta von zwei weiteren Hyperscalern (großen Cloud-Anbietern) substanzielle Aufträge erhalten habe .
Ein strategischer Schachzug, der Qualcomms Ambitionen im Rechenzentrum untermauerte: Meta wurde als erster namentlich genannter Kunde für den Dragonfly C1000 im Rahmen einer mehrjährigen Liefervereinbarung bekannt gegeben . Der gemeinsamen Ankündigung zufolge wird Qualcomm die Dragonfly C1000 CPUs für die nächste Server-Generation von Meta liefern . Finanzielle Details wie konkrete Abnahmemengen oder Preise wurden nicht genannt .
Die Vereinbarung mit Meta war nicht die einzige strategische Partnerschaft, die Qualcomm an diesem Tag vorstellte. Das Unternehmen gab auch eine vertiefte Zusammenarbeit mit Hugging Face und die Übernahme des KI-Software-Startups Modular für rund 3,9 Milliarden Dollar in Aktien bekannt . Zudem wurde bekannt, dass Microsoft Azure den hauseigenen HBC-Speicherchip von Qualcomm einsetzen wird .
Die Reaktion des Marktes war unmittelbar und deutlich. Die Qualcomm-Aktie schoss am Abend des 24. Juni um 12 bis 15 Prozent im nachbörslichen Handel in die Höhe . (Der Aktienkurs war im regulären Handel zuvor noch gefallen – bedingt durch Bedenken bezüglich der Modular-Übernahme und einer Bestätigung des 'Underperform'-Ratings durch die Bank of America ).)
Der Kurssprung löste eine Welle von Analystenrevisionen aus, von denen die dramatischste von Morgan Stanley kam.
Moore verzichtete auf ein 'Overweight'-Rating mit der Begründung, die Bank bevorzuge weiterhin etabliertere Wettbewerber im Datencenter-Bereich. Die Hochstufung war dennoch eine bemerkenswerte Kehrtwende .
Die Bank of America erhöhte das Kursziel nach dem Event später sogar auf 220 Dollar, hielt aber am 'Underperform'-Rating fest .
Der Investor Day war mehr als nur die Präsentation neuer Produkte und höherer Ziele – es war das Signal, dass Qualcomm sich von einem Smartphone-Chip-Unternehmen in eine diversifizierte KI-Computing-Plattform verwandeln will, die Edge, Auto, IoT und Rechenzentren umspannt . CEO Cristiano Amon und CFO Akash Palkhiwala skizzierten eine Vision für agentische KI, Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab, industrielle KI und physische KI .
Dennoch ist der Wandel nicht ohne Risiken. Die anhaltende Vorsicht der Bank of America unterstreicht die Gegenwinde, denen Qualcomm ausgesetzt ist: der Verlust von Apple als Modem-Kunde, ein sich abschwächender Smartphone-Markt und der intensive Wettbewerb durch etablierte Datencenter-Spieler wie NVIDIA, AMD und Intel . Der Dragonfly C1000 wird erst in der zweiten Jahreshälfte 2028 in Produktion gehen – eine lange Zeitspanne zwischen Ankündigung und nennenswerten Umsätzen .
Trotz dieser Einschränkungen war die Botschaft der Wall Street klar: Qualcomm ist jetzt Teil der KI-Infrastruktur-Diskussion. Ob das Unternehmen sein ehrgeiziges Ziel von 15 Milliarden Dollar Umsatz im Rechenzentrum erreichen kann, bleibt abzuwarten. Aber der Markt hat dem Unternehmen den Vertrauensvorschuss gegeben – zumindest vorerst.