Ein Radfahrer, der bei Rot in die Kreuzung fährt, oder ein Tier, das plötzlich hinter einer Ecke auf die Fahrbahn läuft: Solche seltenen Situationen lassen sich im echten Straßenverkehr nur schwer und nicht ohne Risiko gezielt testen. Baidu will seine Robotaxis deshalb in einer virtuellen Umgebung darauf vorbereiten. Das System heißt Apollo World und erzeugt interaktive Fahrszenarien, statt bloß aufgezeichnete Straßenbilder abzuspielen.
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Eine virtuelle Fahrt, die auf das Fahrzeug reagiert
Apollo World kann Straßen, Wetter und Verkehrsteilnehmer in einer sich verändernden Umgebung zusammenführen. Das Fahrsystem soll damit eine vollständige Robotaxi-Fahrt absolvieren können – nicht nur einen kurzen, isolierten Testabschnitt.
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Entscheidend ist, dass die virtuelle Welt auf das Fahrzeug reagiert: KI-gesteuerte Fahrzeuge und Fußgänger können ihre Verhaltensweisen an dessen Entscheidungen anpassen. Bremst das Robotaxi oder weicht es aus, verändert sich die Verkehrssituation; anschließend muss das System erneut reagieren. So entsteht eine Rückkopplung zwischen Fahrzeug und Simulation.
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Apollo World erzeugt außerdem in Echtzeit simulierte Kamera- und Lidar-Daten. Das autonome Fahrsystem soll dadurch die virtuelle Umgebung mit Sensorinformationen erfassen und darin navigieren – statt lediglich ein künstlich erzeugtes Video anzusehen.
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Seltene Gefahren beliebig oft durchspielen
In der Simulation lassen sich schwierige Szenarien gezielt wiederholen und variieren. Dazu zählen etwa Radfahrer, die eine rote Ampel missachten, oder Tiere, die unvermittelt in den Verkehr laufen. Entwickler können so prüfen, wie das Fahrsystem auf solche Situationen reagiert, und verschiedene Softwarestände miteinander vergleichen, ohne eine entsprechende Gefahr im Straßenverkehr herbeizuführen.
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Baidu sagt, Apollo World könne täglich bis zu 100.000 Kilometer simulierte Fahrt erzeugen. Das entspreche ungefähr drei Jahren realer Testfahrten eines autonomen Fahrzeugs mit Sicherheitsfahrer an Bord. Nach Unternehmensangaben unterstützt das System bereits die Entwicklung von Apollo Go, Baidus Robotaxi-Dienst, für verschiedene Märkte.
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Mehr Tempo – aber kein Sicherheitsbeweis
Der mögliche Vorteil für Baidu liegt auf der Hand: Wenn sich viele Szenarien virtuell erzeugen und wiederholen lassen, kann das Training und die Überprüfung der Fahrsoftware schneller und weniger aufwendig werden. Das könnte Baidu helfen, Apollo Go weiterzuentwickeln, während der Wettbewerb um Robotaxis zunimmt.
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Die Zahl von 100.000 Kilometern und der Vergleich mit drei Jahren Tests stammen jedoch von Baidu. Simulierte Kilometer belegen nicht automatisch dieselbe Sicherheit wie reale Fahrpraxis. Aus den vorliegenden Angaben geht auch nicht hervor, dass Apollo World bereits Unfälle verringert oder Baidu einen messbaren Vorsprung gegenüber Wettbewerbern verschafft hat.