Der Ölpreis fiel, weil Anleger nach dem Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen auf eine politische Deeskalation setzten. Die Demokraten gewannen die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Am Markt entstand die Erwartung, dass Präsident Donald Trump nach der Niederlage seiner Partei eher auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs hinarbeiten könnte. Ein Ausverkauf an den Aktienmärkten belastete Öl zusätzlich.
1
2
4
Am Freitag, dem 6. November, steuerte Brent laut den damaligen Marktberichten auf einen Wochenverlust von rund 16 Prozent zu – den größten seit April 2020. Die Hoffnung auf ein Kriegsende verringerte die eingepreiste Gefahr länger anhaltender Lieferausfälle aus dem Nahen Osten. Doch Angriffe auf Schiffe hielten die Sorge vor Störungen der Versorgung wach und stützten den Preis.
2
3
7
Warum die Prozentzahlen auseinandergehen können
Bei Öl-Futures bezeichnet der „Frontmonat“ den jeweils nächstfälligen Kontrakt. Nähert sich dessen Laufzeitende, wechseln Marktberichte und Preisreihen zum folgenden Kontrakt. Ein Wochenvergleich, der diesen Wechsel einschließt, kann deshalb anders ausfallen als die Veränderung eines einzelnen Kontrakts – hier des Januar-Kontrakts.
Die Quellen stützen den erwarteten Rückgang des Frontmonats um ungefähr 16 Prozent. Die im Ausgangspunkt genannten knapp 13 Prozent für den Januar-Kontrakt und die genaue Wirkung des Wechsels von Dezember auf Januar lassen sich anhand der verfügbaren Belege jedoch nicht unabhängig nachrechnen. Die Zahlen sollten daher nicht als deckungsgleiche Messgrößen behandelt werden.
2
3
8
Erholung, aber keine Entwarnung
Nach dem starken Ausverkauf legte Öl zwischenzeitlich wieder zu. Händler wägen weiterhin ab, wie wahrscheinlich eine politische Einigung ist und ob sie tatsächlich zu verlässlichen Lieferungen führen würde. Die Schiffsangriffe zeigten, dass die Risiken für den Transport nicht verschwunden waren. Ein fallender Preis bedeutete also nicht, dass die Handelswege bereits wieder normal funktionierten.
2
3
Auch die Einschätzung der Eurasia Group sprach nicht für einen sicheren Durchbruch: Sie senkte die Wahrscheinlichkeit neuer US-Angriffe von 65 auf 60 Prozent und zugleich die Chance auf eine Einigung von 20 auf 10 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Stillstands stieg in ihrer Einschätzung von 15 auf 30 Prozent. Brent-Preise von 110 bis 125 US-Dollar nannte die Gruppe als mögliches Szenario für eine Eskalation – nicht als Grundprognose.
17
Das erklärt den Gegensatz zwischen Friedenshoffnung und fortbestehender Nervosität am Markt. Citi Research sah weiteres Abwärtspotenzial, falls die Straße von Hormus vollständig wieder geöffnet und der Transport normalisiert würde. Gelber and Associates warnte dagegen davor, eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb schon einzupreisen, bevor diplomatische Fortschritte verlässliche Schifffahrt und Lieferungen ermöglichen.
15
19
Auch sinkende Lagerbestände und ein schwächerer Ölmarkt schließen einander nicht aus: Lagerdaten beschreiben den vorhandenen Puffer, während der Preis Erwartungen zu Angebot, Nachfrage und Risiken widerspiegelt. Die Internationale Energieagentur meldete für September einen Rückgang der beobachteten globalen Ölvorräte um 10 Millionen Barrel; daraus allein lässt sich jedoch nicht jede im Umlauf befindliche Aussage über historische Tiefstände ableiten.