Ein möglicher Aufwand von 750 Milliarden US-Dollar für Rechenkapazität – die Zahl rückt Anthropics bevorstehenden Börsengang in ein neues Licht. Sie beschreibt jedoch keine bereits bezahlte Rechnung. Und sie lässt sich anhand der vorliegenden Berichte nicht direkt mit der zuvor genannten Planung von 518 Milliarden Dollar gleichsetzen.
Die Angaben gehen auf Berichte über einen vertraulichen Entwurf des Börsenprospekts zurück. Es handelt sich damit nicht um unabhängig geprüfte Finanzberichte. Auch lassen sich nicht alle Details, die zu den Zahlen kursieren, anhand der verfügbaren Quellen bestätigen.
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750 Milliarden Dollar – einschließlich laufender Verhandlungen
Laut einem Bericht des Wall Street Journal, der unter anderem von Bloomberg aufgegriffen wurde, könnte Anthropic in den kommenden Jahren bis zu 750 Milliarden Dollar für zusätzliche Rechenkapazität ausgeben. Die Summe soll auch Vereinbarungen umfassen, über die noch verhandelt wird. Sie ist daher weder gleichbedeutend mit bereits unterschriebenen Verträgen noch mit schon getätigten Ausgaben.
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Reuters hatte zuvor berichtet, Anthropic plane Infrastrukturverpflichtungen von 518 Milliarden Dollar. Laut dem Bericht hängen diese langfristigen Verpflichtungen zu einem großen Teil an Verträgen, die sich nicht kündigen lassen.
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Die beiden Beträge sollten deshalb nicht als zwei direkt vergleichbare Schätzungen derselben Rechnung behandelt werden: Die 750-Milliarden-Dollar-Zahl bezieht sich laut Bericht auf zusätzliche Kapazität und schließt noch offene Verhandlungen ein. Die verfügbaren Auszüge erklären allerdings nicht genau, welche Posten sich überschneiden oder wie die Summen im Detail zusammenhängen.
Hohe Verluste neben rasantem Umsatzwachstum
Der Prospektentwurf weist für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar aus. Das ist deutlich mehr als die 13 Milliarden Dollar Verlust im Vorjahreszeitraum. Rund 72 Milliarden Dollar des jüngsten Verlusts sollen laut den Berichten aus buchhalterischen Bewertungseffekten bei Wandelanleihen und anderen Finanzinstrumenten stammen. Der ausgewiesene Nettoverlust ist deshalb nicht gleichzusetzen mit dem Geld, das Anthropic im laufenden Betrieb ausgegeben hat.
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Gleichzeitig soll der Umsatz in den ersten sechs Monaten 2026 auf 16,3 Milliarden Dollar gestiegen sein, gegenüber 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspräche etwa dem Fünfzehnfachen.
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Die offene Frage vor dem Börsengang
Für Anleger zählt nicht nur, wie schnell Anthropic wächst, sondern auch, ob dieses Wachstum die langfristigen Infrastrukturkosten tragen kann. Nicht kündbare Verpflichtungen könnten schwer wiegen, falls die Nachfrage nach Rechenleistung oder die Finanzierung des Ausbaus hinter den Erwartungen zurückbleiben.
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Reuters berichtete, einige bestehende und mögliche Investoren erwögen angesichts neuer Finanzangaben und wachsender Finanzierungskosten eine niedrigere Bewertung als zuvor erwartet. In Gesprächen sei eine Bewertung um 1,5 Billionen Dollar genannt worden – unter der zuvor diskutierten Marke von etwa 2 Billionen Dollar. Beides sind berichtete Erwartungen, kein festgelegter Ausgabepreis.
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Der Entwurf macht damit zwei Seiten derselben Wette sichtbar: Anthropic wächst schnell und will umfangreiche Rechenkapazitäten sichern. Zugleich könnten die dafür nötigen, langfristigen Verpflichtungen die Finanzierung anspruchsvoll machen. Ob der Umsatz diese Kosten dauerhaft rechtfertigen kann, ist eine zentrale Frage für einen möglichen Börsengang.