Frankreichs Proteste am 17. Oktober gingen aus wochenlangen, von Schülerinnen und Schülern getragenen Aktionen für bessere Schulen hervor. Mit Gewerkschaften und Aktivistinnen und Aktivisten der Gelbwesten-Bewegung schlossen sich weitere Gruppen an; die Forderungen richteten sich zunehmend auch gegen hohe Lebenshaltungskosten und den Rückgang öffentlicher Dienstleistungen. Bei der Teilnehmerzahl lagen die Schätzungen weit auseinander: Innenminister Laurent Nuñez nannte rund 550.000 Menschen, die Organisatoren 800.000.
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Von Schulblockaden zu breiteren Forderungen
Am 8. Oktober befanden sich die Proteste bereits in ihrer dritten Woche. Jugendliche blockierten Gymnasien und demonstrierten gegen fehlende Lehrkräfte und den schlechten Zustand von Schulgebäuden. Die Regierung hatte angekündigt, auf die Beschwerden einzugehen.
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Bildungsminister Édouard Geffray stellte einen Notfallplan vor, um ausgefallenen Unterricht durch Vertretungslehrkräfte abzudecken. Ein Bericht zu seinen Äußerungen vom 8. Oktober zufolge sah der Plan 3.000 zusätzliche Vertretungslehrkräfte vor. Die Ankündigung beendete die Proteste jedoch nicht: Die von Schülerinnen und Schülern getragenen Aktionen gingen weiter und griffen über die konkreten Probleme an Schulen hinaus.
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Am 17. Oktober beschrieben Berichte eine breitere Allianz aus Schülerinnen und Schülern, Gewerkschaften – darunter die CGT – und Aktivistinnen und Aktivisten der Gelbwesten-Bewegung. Im Mittelpunkt standen nun auch die Kaufkraft und der Zustand öffentlicher Dienste.
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550.000 oder 800.000 Teilnehmende?
Nuñez bezifferte die Beteiligung an 110 Demonstrationszügen auf rund 550.000 Menschen. Organisatoren, darunter die Gewerkschaft CGT und Studierendenorganisationen, gingen von 800.000 aus. Die Differenz beträgt 250.000 – die Schätzung der Organisatoren liegt damit etwa 45 Prozent über der des Innenministers. Die vorliegenden Berichte erlauben keine unabhängige Klärung, welche Zahl näher an der tatsächlichen Beteiligung liegt.
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Für Paris nannte ein Bericht unter Berufung auf Nuñez rund 110.000 Teilnehmende.
5 Es handelt sich um Schätzungen verschiedener Seiten, nicht um eine einheitliche, unabhängig bestätigte Zählung.
Weitgehend friedliche Märsche, schwere Ausschreitungen an manchen Orten
Die Größe der Proteste bedeutet nicht, dass alle Demonstrationen gewaltsam verliefen. Die Pariser Polizeipräfektur erklärte, eine sehr große Mehrheit der Demonstrierenden verhalte sich friedlich. Reuters berichtete zugleich von Zusammenstößen mit der Polizei in mehreren Städten und bezeichnete die Unruhen als eine der schwersten Gewalteskalationen in Frankreich seit Jahren.
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Berichte schilderten außerdem Brände, Plünderungen und Schäden an öffentlichen Gebäuden und Geschäften. Nachdem Lyons Tourismusbüro in Brand gesetzt worden war, verurteilte Bürgermeister Grégory Doucet die Gewalt und bezeichnete das Gebäude als gemeinschaftliches öffentliches Gut.
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Auch die Angaben zu den Festnahmen änderten sich im Laufe der Berichterstattung: Reuters meldete zunächst mindestens 272 Festnahmen, spätere Berichte von AP und Xinhua nannten rund 400. Ein späterer BBC-Livebericht führte die Zahl 1.200 an; die vorliegenden Berichte erklären diese Abweichung nicht. Xinhua zitierte Nuñez zudem mit der Angabe, 60 Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden.
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Politische Reaktionen – und was sich daraus nicht ableiten lässt
Präsident Emmanuel Macron erklärte, Gewalt habe „keinen Platz“. Premierminister Sébastien Lecornu sagte laut einem frühen Reuters-Bericht, die Regierung lasse sich nicht einschüchtern.
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Politische Akteure deuteten die Unruhen unterschiedlich. Jean-Luc Mélenchon kritisierte die mediale Konzentration auf Gewalttaten und die Polizeistrategie. Marine Le Pen warf linken Politikerinnen und Politikern vor, berechtigte soziale Anliegen für sich zu vereinnahmen. Das sind politische Einschätzungen – sie belegen nicht, wer die Gewalt organisiert hat.
Die Behörden schrieben Teile der Unruhen der „Ultralinken“ zu. Diese offizielle Zuschreibung ist für sich genommen jedoch kein Beweis für die Verantwortung bestimmter Gruppen. Am klarsten lässt sich anhand der vorliegenden Berichte festhalten: Eine Bewegung, die sich zunächst auf Schulen konzentrierte, weitete sich zu landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und den Zustand öffentlicher Dienste aus. Schwere Ausschreitungen ereigneten sich neben Märschen, die nach Angaben der Behörden überwiegend friedlich verliefen.
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