Nvidias jüngste Geschäftszahlen und seine Börsenbewertung erzählen auf den ersten Blick unterschiedliche Geschichten. Im September 2026 wurde die Aktie zeitweise mit weniger als dem 17-Fachen des für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinns gehandelt. Das lag nahe dem niedrigsten Niveau seit mehr als einem Jahrzehnt und entsprach ungefähr der Hälfte des Bewertungsniveaus von 2025.
9 Der Widerspruch löst sich auf, sobald man zwischen heutigen Umsätzen und künftig erwarteten Gewinnen unterscheidet.
Warum starkes Wachstum das KGV nicht hochhalten muss
Im zweiten Quartal des Nvidia-Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 106 Prozent auf rund 96,2 Milliarden US-Dollar. Etwa 89 Milliarden US-Dollar kamen aus dem Rechenzentrumsgeschäft.
6 Beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis – kurz KGV – wird der Aktienkurs durch einen geschätzten künftigen Gewinn je Aktie geteilt. Steigen die Gewinnschätzungen schneller als der Kurs, sinkt das KGV auch dann, wenn das Unternehmen rasant wächst.
Die veröffentlichten Bewertungszahlen sind allerdings keine einheitliche Momentaufnahme: Berichte aus dem September nennen weniger als das 17-Fache des Gewinns für die kommenden zwölf Monate, rund das 23-Fache des für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Gewinns sowie ein KGV von 28,1.
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5 Unterschiedliche Stichtage und Gewinnbezugsgrößen können solche Abweichungen erklären. Die Zahlen sollten deshalb nicht als unmittelbar vergleichbare aktuelle Forward-KGVs gelesen werden. Klar ist: Gegenüber 2025 ist die Bewertung nach der Zwölfmonats-Prognose deutlich gefallen.
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Was für Optimismus spricht
Nvidia erwartet für sein Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent. Vor der Prognose hatten Analysten laut Reuters im Mittel mit etwa 44 Prozent gerechnet.
17 Konzernchef Jensen Huang rechnet zudem damit, dass die weltweiten jährlichen Ausgaben für KI-Infrastruktur bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen US-Dollar steigen.
4 Das ist eine Prognose für den gesamten Markt, nicht für Nvidias eigenen Umsatz.
Wer an dauerhaft hohe Investitionen in KI-Rechenzentren glaubt, kann die niedrigere Bewertung daher als Chance sehen. Ein von CNBC zitiertes Halbleiter-Analyseteam setzte ein Kursziel von 400 US-Dollar für die Nvidia-Aktie an – rund 75 Prozent über dem Kurs von etwa 229 US-Dollar, den es für seinen Vergleich vom 22. September verwendete.
1 Ein Kursziel ist jedoch eine Einschätzung, keine zugesicherte Rendite. Andere veröffentlichte Ziele und Durchschnittswerte weichen je nach Quelle und Zeitpunkt ab.
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Warum Anleger trotzdem vorsichtig bleiben
Für die Gewinne der kommenden Jahre zählt nicht allein, wie viele Chips Nvidia verkauft, sondern auch, was davon übrig bleibt. Im zweiten Quartal lag die Bruttomarge bei etwa 75 Prozent. Ein Bericht vom September erwartete für das vierte Quartal einen Rückgang auf unter 72 Prozent und verwies dabei auf höhere Speicherkosten sowie auf Kunden, die eigene Chips entwickeln.
10 Reuters berichtete ebenfalls, dass Engpässe bei Speicherkomponenten und höhere Bauteilkosten die Expansion bremsen könnten.
17 Das sind Risiken für künftige Gewinne, keine Widerlegung der starken Quartalszahlen.
Auch der Vergleich mit Apple hilft nur begrenzt: Nvidia verkauft Infrastruktur, mit der KI-Anwendungen entwickelt und betrieben werden; Apple integriert KI in seine Geräte.
7 Ein schneller wachsendes Unternehmen muss an der Börse nicht automatisch ein höheres KGV erhalten. Für einen belastbaren Bewertungsvergleich bräuchte man Gewinnprognosen für denselben Zeitraum und denselben Stichtag – das leisten die hier vorliegenden Angaben nicht.
Der Kern der Debatte ist somit die Dauerhaftigkeit: Nvidia wächst außergewöhnlich schnell und stellt weiteres starkes Wachstum in Aussicht.
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17 Die niedrigere Bewertung zeigt zugleich, dass Anleger für diese erwarteten Gewinne weniger zu zahlen bereit sind, solange Margen, Lieferkosten und die eigenen Chips großer Kunden Fragen für die kommenden Jahre aufwerfen.
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