Die Zahl ist hoch, ihre Aussagekraft aber begrenzt: Am 22. September 2026 erklärte Robert „Madyar“ Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, seine Einheiten hätten während der Operation MoLoChKa 300 Schiffe mit Verbindungen zu Russlands sogenannter Schattenflotte außerstande gesetzt, aus eigener Kraft zu fahren. Gemeint sind Schiffe, die mit Russlands Bemühungen zur Umgehung von Sanktionen in Verbindung gebracht werden. Die Bilanz stammt vom ukrainischen Militär und wurde nicht unabhängig überprüft.
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Von 218 auf 300: die ukrainische Bilanz
Laut Brovdi begann die Drohnenoperation am 6. Juli und richtete sich gegen Schiffe im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer. Für den 22. September nannte er 166 betroffene Schiffe im Schwarzen Meer und 134 im Asowschen Meer. Der Schiffsverkehr im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch sei dadurch stark eingeschränkt, behauptete er ebenfalls. Auch diese Einschätzung ist nicht unabhängig bestätigt.
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Die gemeldete Zahl wuchs schrittweise: Anfang August sprach Brovdi von 218 betroffenen Schiffen, nach zehn Wochen von 285 und nach elf Wochen von 300. Das zeigt, wie sich die ukrainische Darstellung entwickelte – nicht, ob jedes einzelne Schiff tatsächlich getroffen wurde oder in welchem Zustand es sich befindet.
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Warum Washington das Thema anspricht
Am selben Tag sagte US-Außenminister Marco Rubio, die Ukraine habe in den vergangenen Monaten mehrfach Schiffe und Öllieferungen mit US-Bezug ins Visier genommen – vermutlich nicht absichtlich. Das müsse geklärt werden. Rubio ordnete die von ihm angesprochenen Vorfälle jedoch nicht der Operation MoLoChKa zu. Die vorliegenden Berichte belegen auch nicht, dass wiederholt Schiffe unter US-Flagge oder in US-Besitz getroffen wurden.
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Washington und Kiew hatten zuvor darüber gesprochen, Angriffe auf nicht-russische Tanker und auf Energieinfrastruktur mit Verbindungen zu US-Interessen zu vermeiden. Für die Gespräche war damit eine Unterscheidung wichtig: Druck auf Schiffe mit Russland-Bezug auszuüben ist nicht dasselbe, wie andere Handelsschiffe zu gefährden. Dass Rubios Warnung und Brovdis Bilanz dieselben Vorfälle betreffen, ist nicht belegt.
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Vorschlag für eine Pause bei Energieangriffen
Rubio befürwortete zudem eine gegenseitige Feuerpause bei Angriffen auf Energieziele: Russland sollte ukrainische Infrastruktur verschonen, die Ukraine russische Energieversorgung. Eine solche Vereinbarung war zu diesem Zeitpunkt nicht in Kraft.
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Nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Generalversammlung am 22. September sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, beide hätten über eine mögliche Energie-Waffenruhe gesprochen. Die Ukraine sei bereit, Angriffe auf russische Energieanlagen einzustellen, wenn Moskau dasselbe tue. Die Drohnenoperation gegen Schiffe und der Vorschlag für eine Energie-Waffenruhe sind getrennte Themen. Zusammen verdeutlichen sie jedoch die diplomatische Frage, wie Kiew den Druck auf Russland aufrechterhalten und zugleich US-Bedenken zum Schiffsverkehr und zu Energieangriffen begegnen kann.
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