Italien will seine Handelsschiffe am Bab al-Mandab notfalls mit eigenen Marinekräften schützen. Verteidigungsminister Guido Crosetto und der Generalstabschef ordneten an, die Marine auf alle erforderlichen Maßnahmen für eine sichere Durchfahrt italienischer Schiffe vorzubereiten. Rom will damit nicht erst auf einen gemeinsamen Beschluss der EU-Mission Aspides warten. Crosetto begründete den Schritt mit den möglichen Folgen einer Verzögerung für Wirtschaft, Lieferketten und Verbraucher.
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Warum diese Meerenge so wichtig ist
Der Bab al-Mandab ist an seiner engsten Stelle etwa 29 Kilometer breit. Die Insel Perim, auf Arabisch Mayyun, teilt die Schifffahrtswege. Die Meerenge verbindet den Golf von Aden und den Indischen Ozean mit dem Roten Meer; über den Suezkanal führt die Route weiter ins Mittelmeer und nach Europa. Für den Verkehr zwischen Asien und Europa ist sie damit das südliche Eingangstor zur Suezroute.
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Besonders bedeutend ist der Korridor für Energie- und Warenströme. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA entfielen auf die Routen über Rotes Meer, Suezkanal und SUMED-Pipeline rund 11 bis 12 Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls; beim Flüssigerdgas (LNG) lag der Anteil bei etwa 8 Prozent des Welthandels. Wird die Passage zu riskant, müssen Schiffe das Kap der Guten Hoffnung umrunden – mit längeren Laufzeiten, höherem Treibstoffverbrauch und steigenden Frachtkosten.
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Huthi-Vorstöße erhöhen den Druck
Auslöser für die italienische Entscheidung sind vor allem die schnellen Geländegewinne der mit Iran verbündeten Huthi an Jemens Westküste. Berichten zufolge nahmen sie die Hafenstadt Mokha ein, rückten entlang der Küste vor und erreichten Perim/Mayyun sowie die Hanish-Inseln. Solche Positionen liegen nahe an den engen Fahrwassern und können die Beobachtung oder potenziell auch Angriffe auf die Schifffahrt erleichtern.
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Die Lage ist zudem mit der Krise an der Straße von Hormus verknüpft. Weil Störungen dort saudische Ölströme stärker auf Ausfuhrhäfen am Roten Meer gelenkt haben, wird der Bab al-Mandab zu einem zweiten möglichen Engpass für Energieexporte aus der Golfregion. Eine Bedrohung dieser Passage betrifft daher nicht nur Handelsschiffe, sondern auch Saudi-Arabiens Ausweichmöglichkeiten beim Ölexport.
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Mehr als ein Schifffahrtsrisiko
Die Eskalation hat bereits eine breitere regionale Dimension angenommen: Saudi-Arabien und die Huthi tauschten grenzüberschreitend Angriffe aus, während Menschen aus dem Jemen mit Booten über das Rote Meer vor den Kämpfen flohen. Damit wächst neben dem Risiko für Energieversorgung und Handel auch die humanitäre Belastung.
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Die internationalen Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Saudi-Arabien muss höhere Sicherheits- und Exportkosten abfedern oder eine politische Verständigung mit Teheran suchen. Washington signalisierte zunächst Geheimdienstunterstützung statt eines direkten Eingreifens; zugleich gab es laut Berichten Kontakte US-amerikanischer Vertreter mit Huthi-Repräsentanten in Oman. Italien setzt dagegen auf nationale Vorsorge außerhalb des langsameren EU-Konsensverfahrens.
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Crosettos Entscheidung ist somit sowohl eine Sicherheits- als auch eine Wirtschaftsmaßnahme: Italien will die Passage für seine Schiffe offen halten, bevor die militärische Lage an der jemenitischen Küste und der weitere Konflikt mit Iran die Durchfahrt unpassierbar oder wirtschaftlich unvertretbar machen.
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