Saudi-Arabien sucht nach Berichten dringend zusätzliche Luftabwehrunterstützung, weil anhaltende Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi auf Städte, Militärziele und Energieanlagen die Vorräte an Abfangraketen belasten. Riad wandte sich demnach an Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Ägypten. Dabei geht es um die Stationierung von Luftabwehrkapazitäten oder andere Hilfe bei der Abwehr von Drohnen und Raketen. Auch die USA, wichtigster Partner und Rüstungslieferant des Königreichs, verfügen laut Berichten nur noch über begrenztere Bestände an Abfangsystemen und zögern, direkt in die Kämpfe einzugreifen.
6
7
Warum der Vorfall bei Mekka die Krise verschärfte
Saudi-Arabiens Luftabwehr fing am 16. September eine Drohne südlich von Mekka ab und zerstörte sie, bevor sie in den gesperrten Luftraum über der Stadt eindringen konnte. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition bezeichnete die Sicherheit der heiligen Stätten des Islam und der Pilger als „rote Linie“.
19
Die Huthi weisen jedoch zurück, Mekka ins Visier genommen zu haben. Nach ihrer Darstellung richten sich ihre Operationen gegen militärische Einrichtungen und Ölanlagen, nicht gegen heilige Stätten.
15 Unabhängig vom umstrittenen Ziel steigert der Zwischenfall die Gefahr einer breiteren religiösen und regionalen Eskalation erheblich: Die Bedrohungswahrnehmung reicht damit über Grenzregionen und militärische Ziele hinaus.
Ölroute und Bab al-Mandab als strategische Brennpunkte
Besonders folgenreich sind die Risiken für die Energie- und Handelswege. Die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens, die Rohöl von der Golfküste zum Roten Meer transportieren kann, wurde nach einem Drohnenangriff vorsorglich stillgelegt. Nach Angaben regionaler Vertreter dürfte sie wegen Reparaturen über Wochen größtenteils außer Betrieb bleiben.
16
18
Zugleich erhöht der Druck der Huthi rund um die Meerenge Bab al-Mandab die Risiken für die Schifffahrt im Roten Meer. Die Passage am südlichen Zugang zum Roten Meer ist eine zentrale Route zwischen Asien, Europa und dem Mittelmeer. Berichte über einen Vorstoß der Huthi auf die Insel Perim beziehungsweise Mayun unterstreichen die strategische Bedeutung des Konflikts.
14
Sollten Schiffe die Meerenge meiden müssen oder saudische Ölexporte länger eingeschränkt bleiben, wären Umwege, höhere Versicherungs- und Frachtkosten sowie Verzögerungen bei Lieferungen wahrscheinliche Folgen. Das könnte die Energiepreise zusätzlich unter Aufwärtsdruck setzen und ihre Schwankungen verstärken.
1
18
Großbritannien signalisiert Unterstützung – aber keine Kampftruppen
London hat die Angriffe der Huthi im UN-Sicherheitsrat scharf verurteilt und ihnen die Verantwortung für die Eskalation zugeschrieben. Die britische Regierung erklärte ihre Solidarität mit Saudi-Arabien und der jemenitischen Regierung.
Medienberichten zufolge hat Großbritannien die Entsendung militärischer Berater zugesagt. Darüber hinaus prüft London saudische Wünsche nach operativer Unterstützung gegen den Huthi-Vorstoß Richtung Bab al-Mandab sowie beim Schutz der Öl-Infrastruktur. Eine Zusage für die Entsendung von Kampftruppen wurde nicht berichtet.
Der Verteidigungspakt von Mekka zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan bietet zwar einen politischen Rahmen: Ein Angriff auf einen Unterzeichner soll als Angriff auf alle gelten. Doch nach Einschätzung von Fachleuten besteht bislang weder ein öffentlich ausgearbeitetes Abkommen noch ein integriertes, unmittelbar einsatzfähiges Luftabwehrkommando. Der Pakt ersetzt daher keine kurzfristig verfügbaren Abfangraketen oder bilateral vereinbarte Einsatzhilfe.
3
Diplomatie unter wachsendem Sicherheitsdruck
Die Krise zeigt sich auch in den Reisehinweisen der USA: Für Saudi-Arabien gilt Stufe 3 („Reconsider Travel“ beziehungsweise Reise überdenken), unter anderem wegen bewaffneter Konflikte sowie der Gefahr iranischer Drohnen- und Raketenangriffe auf amerikanische Interessen. Auch für Oman gilt Stufe 3; das US-Außenministerium verweist dort auf Terrorismus und bewaffnete Konflikte.
Oman bleibt ein wichtiger möglicher Vermittlungskanal, während China nach Berichten direkte Kontakte zu den Huthi aufgebaut hat. Diese diplomatischen Ansätze zeigen die Suche nach einem Ausweg, belegen aber noch keine tragfähige politische Einigung.
11 Solange Luftangriffe, Drohnenattacken und der Kampf um Seewege anhalten, bleibt der Konflikt im Jemen ein Sicherheitsrisiko weit über die Region hinaus.