Nach der weitgehenden Unterbrechung des Handelsverkehrs durch die Straße von Hormus sind auch Düngemittel Lieferketten betroffen – nicht nur Öl und Gasexporte. Laut FAO können rund 1,3 Millionen Tonnen Düngemittel pro Monat die Meerenge nicht mehr passieren; eine realistische Landroute als Ersatz gibt es nicht.
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Forschungsantwort

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Die Störung in der Straße von Hormus ist längst nicht mehr nur eine Geschichte über Öl, Gas und Schifffahrt. Sie erschwert auch den Transport von Ausgangsstoffen für Düngemittel – und verteuert Energie, Fracht und die landwirtschaftliche Produktion. Damit droht aus dem heutigen Lieferkettenproblem ein späterer Preisdruck bei Lebensmitteln zu werden.
Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran am 28. Februar erklärte Iran die Meerenge für geschlossen; Reedereien setzten Fahrten aus. Am 4. September passierten nur vier Frachtschiffe mit Rohstoffen die Wasserstraße. Vor dem Konflikt waren es rund 125 große Handelsschiffe täglich. Einzelne Durchfahrten bedeuten daher keine Rückkehr zum normalen Warenverkehr.
Die Meerenge ist ein zentraler Ausfuhrweg für Energie und Düngemittelrohstoffe aus den Golfstaaten. Nach Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) können rund 1,3 Millionen Tonnen Düngemittel pro Monat den Korridor nicht mehr passieren. Für diese Transporte gebe es keine praktikablen Alternativen über Land. Besonders gefährdet seien große asiatische Importländer wie China, Indien, Japan und Südkorea, die von knapperen Brennstoffmengen und höheren Energiepreisen betroffen sind. 18
Die Folgen für die Landwirtschaft verlaufen über mehrere Kanäle:
Der Effekt auf Lebensmittelpreise tritt meist nicht sofort ein. Entscheidend ist, ob Betriebe vor der Aussaat oder während der Wachstumsphase weniger Dünger kaufen und ausbringen. Das kann zunächst die Margen belasten und später die Erträge beeinträchtigen.
Beim Schwefel zeigt sich der Preisschock besonders deutlich. Marktberichte bezifferten Spotpreise im September auf mehr als 1.000 US-Dollar je Tonne – über 300 Prozent mehr als im August 2025. Die genaue Veränderung hängt allerdings vom jeweiligen Preismaßstab und Standort ab. 4 Argus bewertete Ende August die Fracht für eine größere Schwefellieferung an Indiens Ostküste mit 140 bis 142 US-Dollar je Tonne. Daraus ergab sich ein gelieferter Preis von rund 1.100 US-Dollar je Tonne.
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Schwefel ist für Phosphatproduzenten kein Nebenprodukt. Steigen seine Kosten, verteuert sich die Herstellung von Phosphorsäure – und damit von Phosphatdüngern. Der indische Referenz-Vertragspreis für Phosphorsäure lag für Juli bis September bei 1.700 US-Dollar je Tonne P₂O₅ frei Bestimmungshafen (CFR), 25 Prozent über dem Vorquartal. 11
Noch gravierender als der Preis ist die physische Verfügbarkeit: Wer mehr bezahlt, kann eine Fracht möglicherweise erwerben. Doch Lieferungen, die nicht sicher oder wirtschaftlich durch die übliche Route transportiert werden können, lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen.
Wie schwierig die Beschaffung geworden ist, zeigt Indien. India Potash Limited schrieb im Namen von acht Unternehmen gemeinsam 593.500 Tonnen Schwefel zur Lieferung zwischen Juni und August aus: 527.500 Tonnen für die Ostküste und 66.000 Tonnen für die Westküste. 7 Die Ausschreibung wurde später zurückgezogen. Die Angebote für die Ostküste waren teuer, für die Westküste wurden keine vollständigen Schiffsladungen angeboten.
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Das beweist nicht, dass die gesamte ausgeschriebene Menge über sämtliche Kanäle hinweg nicht verfügbar gewesen wäre. Es zeigt aber, dass Preisfindung und Lieferplanung für einen großen Importeur erheblich gestört waren.
Auch der fiskalische Druck wächst. Indien hatte in den ersten viereinhalb Monaten des Finanzjahres 2026/27 rund 99.000 Crore Rupien ausgegeben – etwa 56 Prozent seines jährlichen Düngemittelsubventionsbudgets. Hohe Preise für Düngemittel und Flüssigerdgas (LNG) waren ein wesentlicher Faktor. Die Regierung hatte bereits die Sätze ihres Nährstoff-Subventionssystems für Phosphat- und Kalidünger in der Kharif-Saison 2026 beschlossen, um die Produkte für Landwirte verfügbar und bezahlbar zu halten.
Gemeldete zusätzliche Nothilfen für Düngemittelhersteller müssen davon getrennt betrachtet werden: Ein Entwurf für Unterstützung ist noch keine beschlossene Maßnahme. 1
Am stärksten exponiert sind importabhängige Länder und Produzenten. Höhere Kosten für Betriebsmittel treffen zunächst die Gewinnspannen der Betriebe, besonders dort, wo wenig Liquidität vorhanden ist oder Kosten nicht rasch weitergegeben werden können. Werden Düngerkäufe verschoben, gekürzt oder durch ungeeignete Produkte ersetzt, kann sich dies erst in späteren Ernten bemerkbar machen.
Für Südostasien kommt eine doppelte Belastung zusammen: eine angespanntere Düngerbeschaffung und höhere Energiekosten für Produktion, Transport und landwirtschaftliche Arbeit. Eine Analyse zur Nahrungsmittelresilienz in ASEAN beschreibt diesen Effekt als „double whammy“. Singapur ist vollständig auf importierte Düngemittel angewiesen; zugleich hängen die regionalen Ernährungssysteme stark von grenzüberschreitendem Handel und Seeverkehr ab.
Die Krise sollte jedoch nicht als alleinige Erklärung für jede Lebensmittelverteuerung verstanden werden. Wetterextreme, weitere maritime Störungen, Transportkosten, Wechselkurse und nationale Politik beeinflussen die Preise ebenfalls. Hormus wirkt vor allem als Verstärker: Bestehende Schwachstellen in der Landwirtschaft werden kostspieliger und schwieriger zu bewältigen.
Die Staats- und Regierungschefs der ASEAN haben angesichts der anhaltenden Störung einen regionalen Brennstoffvorrat sowie eine Bereitschaftsvereinbarung zur Ernährungssicherheit vorgeschlagen. Das kann helfen. Lebensmittelreserven allein lösen aber keinen Mangel an Betriebsmitteln, der Monate früher auf den Feldern und in den Düngerfabriken beginnt.
Eine belastbarere Zusammenarbeit zwischen ASEAN und Indien sollte deshalb entlang der Lieferkette ansetzen:
Die Hormus-Störung zeigt, wie stark die weltweite Nahrungsmittelproduktion von einer engen Meeresstraße abhängt. Eingeschränkte Schifffahrt verzögert oder verhindert Energie- und Düngemittellieferungen, hat Schwefel auf außergewöhnlich hohe Preisniveaus getrieben und erhöht den Beschaffungs- sowie Subventionsdruck in Indien. 4
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Die schwerwiegendsten Folgen könnten zeitversetzt eintreten. Wenn teurer oder nicht verfügbarer Dünger zu geringerer Ausbringung führt oder die Finanzen der Erzeuger schwächt, verlagert sich die Krise von Häfen und Rohstoffmärkten auf Ernten – und schließlich auf die Lebensmittelrechnungen der Haushalte. Entscheidend ist daher, Düngemittel-Lieferketten funktionsfähig zu halten, statt erst nach einem Preisschock allein Lebensmittelbestände zu verwalten.
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Nach der weitgehenden Unterbrechung des Handelsverkehrs durch die Straße von Hormus sind auch Düngemittel Lieferketten betroffen – nicht nur Öl und Gasexporte.
Nach der weitgehenden Unterbrechung des Handelsverkehrs durch die Straße von Hormus sind auch Düngemittel Lieferketten betroffen – nicht nur Öl und Gasexporte. Laut FAO können rund 1,3 Millionen Tonnen Düngemittel pro Monat die Meerenge nicht mehr passieren; eine realistische Landroute als Ersatz gibt es nicht.
Indiens gescheiterte Ausschreibung über 593.500 Tonnen Schwefel und die rasch steigenden Subventionsausgaben zeigen den Druck auf Beschaffung und öffentliche Haushalte.