Die Reaktion aus Südkorea, Japan und Taiwan ist bislang kein offener Widerstand, sondern der Versuch, bereits verhandelte Zusagen in Washington geltend zu machen. Der Knackpunkt: Handelsminister Howard Lutnick stellt Zollentlastungen offenbar vor allem für einzelne Unternehmen in Aussicht, die in den USA produzieren oder neue Fertigung zusagen. Damit könnten nationale Vereinbarungen praktisch durch firmenbezogene Ausnahmen und Quoten ergänzt – oder in ihrer Wirkung geschwächt – werden.
5
6
Was Washington plant
Die Trump-Regierung arbeitet an gezielten Zöllen auf importierte Halbleiter. Im Gespräch ist ein breiter Anwendungsbereich: Nicht nur einzelne Chips, sondern auch chip-haltige Produkte wie Server, Laptops und Spielkonsolen könnten erfasst werden.
13
14
Lutnick hat das Grundprinzip deutlich formuliert: Wer in den USA produziert, soll keine Zölle zahlen; wer dort nicht produziert, müsse beim Zugang zum US-Markt mit Abgaben rechnen.
5
19
Wie genau das umgesetzt werden soll, ist jedoch noch offen. Ungeklärt sind insbesondere:
- die Zollhöhe,
- die erfassten Waren und Komponenten,
- mögliche zollfreie Importkontingente,
- die Frage, wie US-Investitionen angerechnet werden,
- sowie Zeitplan und Rechtsgrundlage.
Südkorea: Gleichbehandlung statt Nachteil für Samsung und SK hynix
Seoul verhandelt mit den USA über zusätzliche Investitionen im Chipsektor. Zugleich verweist die Regierung auf die Zusage, koreanische Halbleiter nicht schlechter zu behandeln als die Produkte konkurrierender Länder.
16
22
Das schützt allerdings nicht zwingend vor einem neuen, für alle geltenden Zoll. Und es löst nicht die Sorge, dass Unternehmen je nach eigener US-Fertigung unterschiedlich behandelt werden könnten. Für Samsung Electronics und SK hynix wäre das besonders relevant, falls sich Ausnahmen oder Einfuhrquoten nach dem individuellen Baufortschritt, der Produktionskapazität oder dem Investitionsvolumen in den USA richten.
17
20
Südkoreas umfassenderes Handelspaket umfasste zwar eine Investitionszusage von 350 Milliarden US-Dollar für die USA. Das ist aber nicht automatisch ein klar definierter, unternehmensbezogener Schwellenwert für neue Chipfabriken.
21
Japan: Verweis auf das 550-Milliarden-Dollar-Rahmenwerk
Tokio setzt auf das strategische Handels- und Investitionsabkommen mit den USA vom Juli 2025. Japan sagte darin Investitionen von bis zu 550 Milliarden US-Dollar in strategischen US-Sektoren zu; im Gegenzug wurde der allgemeine US-Zollsatz für die meisten japanischen Importe auf 15 Prozent festgelegt.
1
4
Japan will nun vermeiden, dass mögliche Halbleitermaßnahmen als zusätzliche, nach Unternehmen gestaffelte Belastung neben diesem Rahmenwerk wirken. Entscheidend bleibt, wie künftige Halbleiterzölle nach Section 232 – einem US-Instrument für Handelsbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit – auf das Abkommen angewendet werden.
1
3
Die Details der 550-Milliarden-Dollar-Initiative sind zudem für die konkrete Halbleiterpolitik wichtig: Japanische Mittel könnten nach Angaben von Regierungsvertretern auch den Aufbau von Halbleiterfertigung in den USA unterstützen.
12
18
Taiwan und TSMC: Der am besten passende Fall für Washingtons Modell
Taiwan verfügt über ein Handelsabkommen mit den USA, das Zollzugeständnisse mit Investitionen in die amerikanische Technologieproduktion verknüpft. Taiwanische Chiphersteller, die ihre US-Produktion ausbauen, sollen niedrigere Zölle auf Halbleiter, Fertigungsausrüstung und damit verbundene Produkte erhalten; teilweise sind auch zollfreie Einfuhren vorgesehen.
9
TSMC passt damit am deutlichsten in das von Washington skizzierte Modell. Der weltgrößte Auftragsfertiger für Chips hat einen umfangreichen Ausbau in Arizona angekündigt, einschließlich neuer Fabriken, Advanced Packaging und Forschungskapazitäten.
9
17
Warum eine firmenspezifische Regelung die Lage verändert
Eine staatliche Zusage wie die koreanische „nicht weniger günstige“ Behandlung kann formal eingehalten werden – und dennoch sehr unterschiedliche Folgen für einzelne Unternehmen haben. Je nachdem, welche US-Fabrik gebaut wird, wann sie ans Netz geht, welche Chips sie herstellt und wie groß die Investition ist, könnten Samsung, SK hynix, TSMC oder japanische Zulieferer jeweils andere Ausnahmen oder Importquoten erhalten.
16
17
20
Damit würde sich das Gewicht von zwischenstaatlichen Handelsabkommen zu Entscheidungen über einzelne Konzerne verschieben. Für Seoul und Tokio ist das heikel: Beide haben breite Investitions- und Handelszusagen gerade im Austausch für planbarere Zollbedingungen gemacht.
1
4
21
Unterm Strich setzen alle drei Seiten auf Kooperation, aber mit unterschiedlichen Hebeln: Südkorea spricht über weitere Chipinvestitionen, Japan verweist auf sein 550-Milliarden-Dollar-Rahmenwerk, und Taiwan sowie TSMC stellen den Ausbau der US-Kapazitäten in den Mittelpunkt. Ob diese Schritte tatsächlich eine vollständige Ausnahme sichern oder nur eine relativ günstigere Behandlung, bleibt vorerst offen.
5
6
9