Was Zelensky am 25. August mitteilte
Bei einer Pressekonferenz in Kiew mit Estlands Präsident Alar Karis meldete Wolodymyr Zelensky zusätzliche Lieferungen für die ukrainische Luftverteidigung. Eingetroffen sei eine kleine, nicht näher bezifferte Menge an Patriot-Abfangraketen. Außerdem habe die Ukraine AIM-Luft-Luft-Raketen erhalten, die sie nach seinen Angaben zur Abwehr feindlicher Flugkörper einsetzt.
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Frankreich habe darüber hinaus die Lieferung mehrerer Crotale-Luftabwehrsysteme und der dazugehörigen Munition bestätigt. Zelensky nannte weder die genaue Zahl der Systeme noch einen konkreten Liefertermin. Die Zusagen seien wichtig, reichten aber bei Weitem nicht aus, um den unmittelbaren Bedarf der Ukraine zu decken.
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Neue Zusagen der Unterstützer
Die Ankündigungen stehen im Zusammenhang mit den Beratungen der sogenannten Coalition of the Willing, eines informellen Zusammenschlusses von Unterstützerstaaten der Ukraine:
- Großbritannien und Frankreich: London will der Ukraine Zugang zu klassifizierter Technologie für britische Komponenten der Langstreckenmarschflugkörper Storm Shadow gewähren. Frankreich soll Beschränkungen für SCALP-Lieferungen und die entsprechenden Lizenzen aufheben. Damit könnte die Ukraine perspektivisch an einer eigenen Produktion dieser Waffen arbeiten.
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- Norwegen: Oslo plant für das Haushaltsjahr 2027 weitere 85 Milliarden norwegische Kronen – umgerechnet etwa 9,2 Milliarden US-Dollar – für militärische und zivile Unterstützung.
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- Deutschland: Berlin hat laut Zelensky 600 PAC-2-Abfangraketen für Patriot-Systeme in den Jahren 2027 und 2028 zugesagt. Diese Lieferung ist daher eine wichtige Perspektive, löst aber den Engpass vor dem nächsten Winter nicht.
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- FREYJA: Die europäische Kooperation zur Entwicklung einer ballistischen Abwehr soll bereits aktiv sein. Zelensky erwartet konkrete Ergebnisse um den Jahreswechsel 2026/27. Das Projekt ist als längerfristige europäische Ergänzung zu Patriot gedacht – nicht als sofort verfügbarer Ersatz.
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Warum Kiew schon jetzt mehr Patriot-Raketen fordert
Für die bevorstehende Wintersaison will Zelensky ein Paket mit 300 Patriot-Raketen sichern. Die ukrainische Luftwaffe veranschlagt den Bedarf sogar auf 360 Abfangraketen. Der Präsident verwies zugleich darauf, dass weltweit nur begrenzte Produktionskapazitäten zur Verfügung stehen – eine einzelne Jahresproduktion von rund 600 Raketen reicht nicht aus, um den ukrainischen Bedarf und weitere Anforderungen gleichzeitig zu bedienen.
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Besonders problematisch ist für Kiew die Entwicklung des russischen Raketenarsenals. Nach Zelenskys Einschätzung verfügt Russland derzeit über etwa 600 bis 630 ballistische Raketen und könnte seine Produktion auf bis zu 1.300 pro Jahr steigern – langfristig ungefähr 100 pro Monat. Diese Zahlen sind ukrainische Einschätzungen, zeigen aber den von Zelensky beschriebenen möglichen Wettlauf zwischen russischer Produktion und westlicher Lieferung von Abfangraketen.
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Der Handlungsdruck wird durch die zivilen Opfer der russischen Angriffe verschärft. Nach Angaben der UN wurden im Juli in der Ukraine mindestens 437 Zivilisten getötet und 2.610 verletzt – der höchste monatliche Wert bei den zivilen Opfern seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion im Jahr 2022. Bei einem Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih wurden Medienberichten zufolge mindestens 15 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt.
Luftabwehr, Geld und Drohnenproduktion als Gesamtstrategie
Zelensky stellte die Luftverteidigung nicht isoliert dar. Er verknüpfte sie mit der Finanzierung der ukrainischen Streitkräfte, der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte und einer stärkeren eigenen Rüstungsproduktion. Die Ukraine stehe nach seinen Angaben vor einer Lücke von rund 27 Milliarden US-Dollar im Verteidigungshaushalt und dränge ihre Partner, blockierte russische Vermögenswerte stärker für die Unterstützung einzusetzen.
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Auch bei Drohnen sieht Zelensky einen erheblichen Produktionsrückstand. Die ukrainische Tagesproduktion müsse von ungefähr 200 bis 300 Drohnen in Richtung der von Russland gemeldeten Kapazität von bis zu 1.000 Drohnen pro Tag wachsen. Mehr eigene Drohnen sollen dabei nicht nur die Verteidigung stärken, sondern auch den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau erhöhen – in der Hoffnung, Russland zu ernsthaften Friedensverhandlungen zu bewegen.
Für die konkreten Produktionszahlen bei Drohnen und die genaue Forderung zur Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte lag in den vorliegenden Quellen jedoch keine ausreichende unabhängige Bestätigung vor. Fest steht aus den verfügbaren Berichten vor allem: Die kurzfristige ukrainische Bitte um Patriot-Raketen bleibt deutlich größer als die Lieferung, die Zelensky am 25. August bekannt gab.