Der stärkste Hinweis auf einen spielbaren Build folgte später: Die Person, die Jason steuert, schießt in einer Szene auf eine Wand und formt dabei „LEEK“. Das spricht für eine Live-Interaktion mit der Spielwelt und unterscheidet sich deutlich vom erneuten Hochladen einer vorab produzierten Sequenz aus Rockstars geplanter Marketingkampagne.
Das Material stammt offenbar aus einer älteren oder noch unfertigen Version. Selbst scheinbar alltägliche Details können sich bis zur Veröffentlichung daher noch ändern.
Die Berichte beschreiben typische Freeroam-Szenen mit Jason: Er fährt durch die Spielwelt, kämpft, hört Radio und fliegt ein Propellerflugzeug. Andere Clips und Bilder sollen Vice City sowie eine deutlich größere Weltkarte zeigen.
Zuschauer haben außerdem Interface-Elemente entdeckt, die bislang nicht ausführlich dokumentiert waren. Dazu gehören offenbar:
Dabei handelt es sich um Beobachtungen aus geleaktem, unfertigem Material – nicht um offiziell bestätigte Funktionen. Die Elemente könnten noch in Entwicklung sein, lediglich als Testwerkzeuge dienen oder bis zum Launch verändert beziehungsweise entfernt werden.
CyberLeek stellte das Material über eigene Online-Kanäle bereit. Anschließend verbreiteten soziale Netzwerke, Foren und Reupload-Accounts die Clips weiter. Einige Videos trugen ein Wasserzeichen mit QR-Code und Werbung für Kryptowährungen, was der Aktion eine zusätzliche Werbe- und möglicherweise auch Betrugskomponente verlieh.
Die Gruppe stellte ihre Veröffentlichungen als Protest gegen eine angebliche digitale Verkaufsstrategie von Rockstar und Take-Two dar – unter anderem gegen das mutmaßliche Fehlen einer physischen Disc sowie gegen bereits mögliche Vorbestellungen. Das ist die von CyberLeek genannte Begründung und kein unabhängig bestätigter Beleg für Rockstars konkrete Veröffentlichungspläne.
Rockstar und Take-Two haben bislang keine ausführliche öffentliche Stellungnahme zu dem Vorfall veröffentlicht. Sichtbar reagierten die Unternehmen vor allem mit Copyright-Löschanträgen, um unerlaubte Clips von Online-Plattformen entfernen zu lassen.
Take-Two hat die Suche nach der Quelle zudem rechtlich verschärft. Berichten zufolge beantragte der Publisher Vorladungen gegen Microsoft und Discord, um Unterlagen zu erhalten, die bei der Identifizierung der Person oder Gruppe hinter den CyberLeek-Konten und den Verbreitungskanälen helfen könnten. Die Anfragen sollen unter anderem Konto- und technische Daten umfassen. Die Vorladungen zeigen, dass ermittelt wird – sie bedeuten nicht, dass CyberLeek bereits identifiziert wurde.
Microsoft erklärte, man arbeite mit Rockstar und Take-Two zusammen, um die Quelle zurückzuverfolgen.
Der neue Vorfall folgt auf Rockstars gravierenden Sicherheitsbruch im Jahr 2022. Damals verschaffte sich eine unbefugte Partei Zugriff auf umfangreiches frühes Entwicklungsmaterial zu GTA 6 und veröffentlichte es. Take-Two bestätigte damals, dass vertrauliche Informationen einschließlich frühem Bildmaterial aus den Systemen von Rockstar gestohlen worden waren.
Rockstar führte anschließend strengere Arbeits- und Sicherheitsmaßnahmen ein. 2024 kündigte das Unternehmen an, dass Beschäftigte künftig wieder an fünf Tagen pro Woche ins Büro kommen sollten. Als Gründe nannte Rockstar Sicherheit und Produktivität; Berichte brachten die Entscheidung auch mit dem Schutz der GTA-6-Entwicklung in Verbindung.
Ein neuer Leak, der offenbar sogar einen spielbaren Build betrifft, hat deshalb Folgen, die über einzelne Spoiler hinausgehen. Er wirft die Frage auf, wie das Material nach außen gelangen konnte – und ob die nach 2022 eingeführten Sicherheits- und Arbeitsmaßnahmen die Art von Vorfall verhindert haben, die sie verhindern sollten. Die bisherige Berichterstattung klärt den Angriffsweg allerdings noch nicht und belegt nicht, dass dieselbe Schwachstelle erneut ausgenutzt wurde.
Berichte unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen beschreiben die Führung von Rockstar und viele Beschäftigte als wütend, frustriert und erschöpft. Das Management soll erhebliche Ressourcen darauf verwenden, sowohl die Quelle des Leaks als auch den Weg des Materials aus dem Unternehmen zu ermitteln.
Die Reaktion kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Der Leak tauchte kurz vor einem sorgfältig geplanten offiziellen Marketing-Termin auf. Gleichzeitig befindet sich das Spiel weiterhin in Entwicklung. Ausschnitte aus einem älteren Build können leicht als Vorschau auf das fertige Produkt missverstanden werden, obwohl sie aus ihrem Produktionskontext gerissen sind.
Nach aktuellem Stand: nein.
Rockstar plant Berichten zufolge weiterhin, Grand Theft Auto VI: An Extended Look am 27. August 2026 auf Netflix zu zeigen. Auch die übrige Marketingplanung soll wegen der CyberLeek-Veröffentlichungen nicht geändert worden sein.
Take-Two führt außerdem weiterhin den 19. November 2026 als Veröffentlichungstermin für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Version wurde in der vorliegenden Berichterstattung nicht offiziell angekündigt.
Das ist keine Garantie dafür, dass sich der Zeitplan später nicht doch ändern kann. Es bedeutet lediglich, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kein mit diesem Vorfall begründeter Aufschub gemeldet wurde.
Bisher gibt es keine veröffentlichten Belege für finanzielle oder terminliche Auswirkungen. Vor dem jüngsten Leak bezeichnete Take-Two die Vorbestellungen für GTA VI als beispiellos. Das Unternehmen hielt zugleich an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2027 von 8,0 bis 8,2 Milliarden US-Dollar Net Bookings fest und bestätigte den November-Launch.
Diese Zahlen sind eine Unternehmensprognose und kein Beweis dafür, dass der Leak wirtschaftlich folgenlos bleibt. Sie zeigen jedoch, dass Take-Two seine öffentliche Prognose bislang nicht wegen des Vorfalls angepasst hat. Die unmittelbar erkennbaren Folgen liegen eher bei den Kosten für Ermittlungen und Löschmaßnahmen, dem Verlust der Kontrolle über die Marketingabfolge und der Belastung des Rockstar-Teams.
Die jüngsten CyberLeek-Veröffentlichungen scheinen direkten Zugriff auf einen spielbaren, unfertigen PC-Build von GTA 6 zu belegen. Damit ist der Vorfall deutlich folgenreicher als ein gewöhnlicher Trailer-Leak. Die Clips liefern Eindrücke vom Freeroam-Gameplay, von der Größe der Spielwelt und von möglicherweise experimentellen Interface-Systemen – sie sind aber keine verlässliche Vorschau auf die fertige Version.
Take-Two versucht, die Quelle mithilfe von Plattformdaten und rechtlichen Schritten zu identifizieren, während Rockstar den Vorfall intern untersucht. Die derzeit bekannte operative Antwort fällt deshalb enger aus als der Leak selbst: Die Netflix-Präsentation am 27. August und der Konsolen-Launch am 19. November bleiben öffentlich auf Kurs. Auch eine Änderung der Geschäftsprognose hat Take-Two bislang nicht bekannt gegeben.