Damit wird Schaeffler zugleich zum Anwender und zum Zulieferer der Roboter. Die eigenen Werke sollen nicht nur zeigen, ob AEON grundsätzlich funktioniert. Sie sollen auch die Daten liefern, die für einen zuverlässigeren Einsatz in weiteren Produktionsumgebungen nötig sind.
Im früheren Pilotprojekt bewältigte AEON nach Angaben der Partner eine Station mit mehreren Maschinen. Der Roboter lud Teile ein, entnahm sie wieder und prüfte sie anschließend. Entscheidend daran ist, dass ein solcher Ablauf mehrere bestehende Anlagen verbindet – und nicht nur eine einzelne, speziell für eine Vorführung eingerichtete Aufgabe demonstriert.
Als nächste Anwendung steht die automatisierte Inspektion im Mittelpunkt. Weitere mögliche Tätigkeiten sind das Bestücken von Maschinen, das Greifen und Bewegen von Bauteilen sowie Assistenzaufgaben für Beschäftigte.
Auch bei BMW wird AEON in einem industriellen Umfeld erprobt. Im BMW Group Werk Leipzig begann der Roboter, Produktionsaufgaben auszuführen und gleichzeitig für künftige Anwendungen trainiert zu werden. Als mögliche Einsatzfelder nennt BMW unter anderem die Montage von Hochvoltbatterien und die Komponentenfertigung.
Strain-Wave-Getriebe, auch als Wellgetriebe bekannt, werden dort eingesetzt, wo ein Roboter präzise Bewegungen, hohes Drehmoment und eine starke Untersetzung auf engem Raum benötigt. Das macht sie besonders für die Gelenke humanoider Roboter interessant – etwa in Armen und Beinen, wo Gewicht, Bauraum und Bewegungsgenauigkeit zusammenkommen.
Schaeffler hat dafür ein sogenanntes geformtes Strain-Wave-Getriebe vorgestellt. Das Unternehmen zielt auf eine Serienproduktion in Deutschland ab 2027. Nach Angaben von Schaeffler werden die Bauteile dabei nicht vor allem durch langsame Präzisionszerspanung hergestellt. Stattdessen formt ein Verfahren mit hohen Kräften die Komponenten innerhalb weniger Sekunden. Bei herkömmlicher Präzisionsbearbeitung dauert dieser Schritt demnach mehrere Minuten.
Schaeffler beziffert die möglichen Einsparungen auf mehr als 25 Prozent bei den Komponentenkosten und mehr als 75 Prozent beim Materialverbrauch. Diese Werte sind als Angaben beziehungsweise Zielgrößen des Unternehmens einzuordnen, nicht als unabhängig auditierte Ergebnisse. Sollten sie sich in der Serienproduktion bestätigen, könnte das Verfahren gleich zwei Engpässe entschärfen: die hohen Kosten der Aktuatoren und die begrenzte Fertigungskapazität für größere Stückzahlen.
Hexagon beschreibt AEON als industriellen humanoiden Roboter für Manipulation, Inspektion, Logistik und Aufgaben, bei denen räumliche Wahrnehmung eine zentrale Rolle spielt. Das System ist laut den vorliegenden Angaben 165 Zentimeter groß und 60 Kilogramm schwer. Es erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 2,5 Metern pro Sekunde und kann eine Last von bis zu 15 Kilogramm bewegen.
AEON nutzt eine fahrbare Plattform und sensorbasierte Steuerung. Dadurch kann der Roboter zwischen mehreren Arbeitsstationen wechseln, statt dauerhaft an einem einzigen Platz zu stehen. In der Praxis hängt der Nutzen allerdings davon ab, ob er seine Umgebung zuverlässig erkennt, Bauteile sicher handhabt und die geforderten Taktzeiten einhält.
Die World Robot Conference 2026 in Peking zeigte, wie sich der Schwerpunkt der Branche verschiebt: Weg von reinen Showeinlagen, hin zu Sortier-, Verpackungs-, Fabrik- und Logistikaufgaben. Aussteller präsentierten unter anderem humanoide Roboter beim Sortieren von Paketen und beim Verpacken von Mobiltelefonen.
Sichtbarkeit bedeutet jedoch noch keine bewiesene Wirtschaftlichkeit. Nach Einschätzung von Reuters bleibt der großflächige Einsatz über Pilotprojekte und Nischenanwendungen hinaus bislang begrenzt. In vielen aktuellen Anwendungsfällen sind humanoide Roboter zudem weniger effizient als spezialisierte Automatisierungslösungen.
Das macht Schaefflers Vorhaben strategisch interessant, aber noch nicht zum Beweis für einen Durchbruch. Eine geplante Flotte von mindestens 1.000 Robotern kann echte Betriebsdaten erzeugen und Hexagon mehr Möglichkeiten geben, AEON für konkrete Produktionsaufgaben zu trainieren. Die neue Getriebefertigung adressiert zugleich die Hardwareseite der Skalierung.
Schaeffler und Hexagon verfolgen einen industriellen Kreislauf: AEON soll in realen Fabriken eingesetzt werden, die dabei gesammelten Daten sollen seine Fähigkeiten verbessern, und Schaeffler will die benötigten Präzisionsaktuatoren sowie Getriebe in größeren Stückzahlen bereitstellen.
Die für 2027 geplante Produktion der geformten Strain-Wave-Getriebe soll diesen Kreislauf durch kürzere Fertigungszeiten, geringeren Materialeinsatz und niedrigere Komponentenkosten skalierbarer machen. Die Zusage von mindestens 1.000 AEON-Robotern bis 2032 ist deshalb vor allem ein Praxistest für das gesamte Ökosystem humanoider Robotik. Entscheidend wird nicht sein, ob die Roboter sich bewegen oder einzelne Teile prüfen können, sondern ob sie dauerhaft zuverlässig und wirtschaftlich in der Produktion arbeiten.