Der Ansatz passt zu einem breiteren Muster des Krieges: Drohnen sollen nicht nur militärische Ziele treffen, sondern auch wirtschaftliche und politische Kosten weit hinter der Front erzeugen. Die Ukraine führt weiterhin Langstreckenangriffe auf Ziele in und um Moskau sowie in anderen Teilen Russlands durch.
Die Logik hinter „M&Ms“ wäre laut den zitierten Quellen vor allem erpresserischer beziehungsweise politischer Natur gewesen. Wenn Moskaus Flughäfen über längere Zeit geschlossen blieben, könnten wohlhabendere Russinnen und Russen, die für Auslandsreisen auf internationale Umsteigeverbindungen angewiesen sind, das Land schwerer verlassen oder erreichen. Dadurch sollte der Eindruck erschüttert werden, Russlands Elite könne sich vom Krieg abschotten. Der entstehende Unmut sollte letztlich den Druck auf Präsident Wladimir Putin erhöhen und Verhandlungen begünstigen.
Eine solche Strategie wäre allerdings politisch und humanitär hochriskant gewesen. Die Folgen hätten nicht nur russische Entscheidungsträger getroffen, sondern auch Passagiere, Flugbesatzungen, Flughafenpersonal und Reisende aus Staaten, die nicht unmittelbar am Krieg beteiligt sind. Der behauptete politische Nutzen hätte daher auf einer extrem schmalen Grenze beruht: möglichst große Störung, ohne einen Absturz oder ein Ereignis mit zahlreichen Todesopfern zu verursachen.
Autonome Systeme sind nicht allein aufgrund ihrer technischen Funktionsweise automatisch völkerrechtswidrig. Entscheidend wäre unter anderem, wie sie eingesetzt werden, welche Ziele sie erfassen sollen, wie zuverlässig sie militärische Ziele von zivilen Objekten unterscheiden können und welche zumutbaren Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung ziviler Schäden vorgesehen sind.
Ein autonomer Schwarm im Umfeld stark frequentierter Flughäfen würde in einer besonders unübersichtlichen Umgebung operieren. Dort könnten Passagierflugzeuge, Terminals, Start- und Landebahnen, Fahrzeuge und Menschen gleichzeitig in Bewegung sein. Eine Drohne, die sich anhand visueller Merkmale orientiert, könnte ihre Umgebung falsch einordnen, ein Objekt verwechseln oder nach dem Start nicht mehr rechtzeitig umgelenkt werden, wenn keine kontinuierliche menschliche Kontrolle besteht.
Damit wären zentrale Grundsätze des humanitären Völkerrechts berührt: die Unterscheidung zwischen militärischen Zielen und Zivilpersonen beziehungsweise zivilen Objekten, die Verhältnismäßigkeit und die Pflicht zu möglichen Vorsichtsmaßnahmen. Selbst wenn eine militärische oder sicherheitsbezogene Funktion eines Flughafens als Ziel betrachtet würde, müsste eine Operation, die den zivilen Luftverkehr erwartbar gefährlich macht, die absehbaren Risiken für Menschen und zivile Infrastruktur berücksichtigen. Die geplante Größenordnung würde diese Bewertung noch schwieriger machen.
Den Quellen von The Atlantic zufolge befürchtete Selenskyj, eine der Drohnen könnte ein ziviles Verkehrsflugzeug treffen und Passagiere, Besatzungsmitglieder oder Flughafenpersonal töten. Er soll Sorge gehabt haben, ein solcher Vorfall könne als „Piraterie“ dargestellt werden. Trotzdem sei die Planung wegen der erhofften diplomatischen Wirkung monatelang fortgesetzt worden.
Die Darstellung ist umstritten. Ein Sprecher des Präsidenten lehnte eine Stellungnahme ab. Ein anderer Vertreter aus Selenskyjs Umfeld bestritt den Bericht und erklärte, die Ukraine verfüge nicht über ausreichend präzise und zuverlässige Langstreckenwaffen, um Moskauer Flughäfen anzugreifen, ohne unvertretbare Risiken für Zivilpersonen zu schaffen.
Diese Einordnung ist entscheidend: „M&Ms“ ist kein bestätigter Bericht über eine tatsächlich durchgeführte Operation, sondern die Darstellung eines angeblichen Vorschlags, die im Wesentlichen auf anonymen Aussagen beruht und von einem Vertreter des ukrainischen Präsidialamts ausdrücklich zurückgewiesen wurde.
The Atlantic brachte den Stillstand des Vorhabens mit Selenskyjs Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Juli in Verbindung. Fedorow galt als treibende Kraft hinter dem Ausbau der ukrainischen Drohnenproduktion und der technologischen Innovation auf dem Schlachtfeld. Separate Berichte beschrieben Spannungen zwischen Fedorow und dem damaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, über die strategische Ausrichtung des Krieges und die Rolle von Technologie.
Beide Männer wurden später im Zuge einer umfassenderen Neuordnung der ukrainischen Führung aus ihren Ämtern entfernt. Jewhenij Chmara übernahm zunächst kommissarisch das Verteidigungsministerium und wurde später offiziell für das Amt nominiert und bestätigt, wie aus der zugrunde liegenden Berichterstattung hervorgeht.
Fedorows Entlassung löste politische Kontroversen und Proteste aus. Berichte aus dieser Zeit zufolge forderte er Wahlen während des Kriegs. Die verfügbaren Quellen belegen jedoch nicht, dass die Personalentscheidungen speziell getroffen wurden, um „M&Ms“ zu stoppen. Sie stellen lediglich einen Zusammenhang zwischen dem berichteten Stillstand des Plans und Fedorows Entlassung her.
The Atlantic beschrieb „M&Ms“ als ins Stocken geraten beziehungsweise auf Eis gelegt – nicht als dauerhaft aufgegeben. Theoretisch könnte ein verändertes Konzept unter einer anderen Führung oder bei veränderten Umständen erneut geprüft werden. In der vorliegenden Berichterstattung gibt es jedoch keinen Beleg dafür, dass der Plan wieder aufgenommen oder umgesetzt wurde.
Davon zu unterscheiden ist die reale und andauernde ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne. Am 16. August behaupteten russische Behörden, landesweit 822 ukrainische Drohnen zerstört zu haben; Hunderte davon seien in Richtung der Region Moskau unterwegs gewesen. Reuters und NPR berichteten über diese russischen Angaben sowie Tote und Schäden im Großraum Moskau. Die Gesamtzahl der tatsächlich gestarteten Drohnen und die abgefangenen Fluggeräte lassen sich jedoch nur schwer unabhängig überprüfen.
Die Geschichte über „M&Ms“ beschreibt eine angeblich geplante, aber nicht ausgeführte Strategie der Sättigung: Mit einer großen Zahl billiger, visuell gesteuerter autonomer Drohnen sollte der zivile Flugbetrieb in Moskau so unsicher werden, dass Flughäfen über längere Zeit geschlossen bleiben müssten. Der politische Hebel sollte über die internationale Reisefreiheit der wohlhabenden russischen Bevölkerung wirken und letztlich Druck auf Putin erzeugen.
Gerade die Eigenschaft, die den Plan strategisch wirkungsvoll gemacht hätte – autonome Waffen in einem von Passagierflugzeugen und Menschen bevölkerten Luftraum –, wäre zugleich seine größte Schwachstelle gewesen. Die ukrainische Drohnenkampagne insgesamt ist durch mehrere Berichte dokumentiert. Der konkrete „M&Ms“-Plan bleibt dagegen eine unbestätigte Darstellung anonymer Quellen, die von einem Vertreter aus Selenskyjs Präsidialamt als „völliger Unsinn“ zurückgewiesen wurde.
Der Ansatz passt zu einem breiteren Muster des Krieges: Drohnen sollen nicht nur militärische Ziele treffen, sondern auch wirtschaftliche und politische Kosten weit hinter der Front erzeugen. Die Ukraine führt weiterhin Langstreckenangriffe auf Ziele in und um Moskau sowie in anderen Teilen Russlands durch.
Die Logik hinter „M&Ms“ wäre laut den zitierten Quellen vor allem erpresserischer beziehungsweise politischer Natur gewesen. Wenn Moskaus Flughäfen über längere Zeit geschlossen blieben, könnten wohlhabendere Russinnen und Russen, die für Auslandsreisen auf internationale Umsteigeverbindungen angewiesen sind, das Land schwerer verlassen oder erreichen. Dadurch sollte der Eindruck erschüttert werden, Russlands Elite könne sich vom Krieg abschotten. Der entstehende Unmut sollte letztlich den Druck auf Präsident Wladimir Putin erhöhen und Verhandlungen begünstigen.
Eine solche Strategie wäre allerdings politisch und humanitär hochriskant gewesen. Die Folgen hätten nicht nur russische Entscheidungsträger getroffen, sondern auch Passagiere, Flugbesatzungen, Flughafenpersonal und Reisende aus Staaten, die nicht unmittelbar am Krieg beteiligt sind. Der behauptete politische Nutzen hätte daher auf einer extrem schmalen Grenze beruht: möglichst große Störung, ohne einen Absturz oder ein Ereignis mit zahlreichen Todesopfern zu verursachen.
Autonome Systeme sind nicht allein aufgrund ihrer technischen Funktionsweise automatisch völkerrechtswidrig. Entscheidend wäre unter anderem, wie sie eingesetzt werden, welche Ziele sie erfassen sollen, wie zuverlässig sie militärische Ziele von zivilen Objekten unterscheiden können und welche zumutbaren Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung ziviler Schäden vorgesehen sind.
Ein autonomer Schwarm im Umfeld stark frequentierter Flughäfen würde in einer besonders unübersichtlichen Umgebung operieren. Dort könnten Passagierflugzeuge, Terminals, Start- und Landebahnen, Fahrzeuge und Menschen gleichzeitig in Bewegung sein. Eine Drohne, die sich anhand visueller Merkmale orientiert, könnte ihre Umgebung falsch einordnen, ein Objekt verwechseln oder nach dem Start nicht mehr rechtzeitig umgelenkt werden, wenn keine kontinuierliche menschliche Kontrolle besteht.
Damit wären zentrale Grundsätze des humanitären Völkerrechts berührt: die Unterscheidung zwischen militärischen Zielen und Zivilpersonen beziehungsweise zivilen Objekten, die Verhältnismäßigkeit und die Pflicht zu möglichen Vorsichtsmaßnahmen. Selbst wenn eine militärische oder sicherheitsbezogene Funktion eines Flughafens als Ziel betrachtet würde, müsste eine Operation, die den zivilen Luftverkehr erwartbar gefährlich macht, die absehbaren Risiken für Menschen und zivile Infrastruktur berücksichtigen. Die geplante Größenordnung würde diese Bewertung noch schwieriger machen.
Den Quellen von The Atlantic zufolge befürchtete Selenskyj, eine der Drohnen könnte ein ziviles Verkehrsflugzeug treffen und Passagiere, Besatzungsmitglieder oder Flughafenpersonal töten. Er soll Sorge gehabt haben, ein solcher Vorfall könne als „Piraterie“ dargestellt werden. Trotzdem sei die Planung wegen der erhofften diplomatischen Wirkung monatelang fortgesetzt worden.
Die Darstellung ist umstritten. Ein Sprecher des Präsidenten lehnte eine Stellungnahme ab. Ein anderer Vertreter aus Selenskyjs Umfeld bestritt den Bericht und erklärte, die Ukraine verfüge nicht über ausreichend präzise und zuverlässige Langstreckenwaffen, um Moskauer Flughäfen anzugreifen, ohne unvertretbare Risiken für Zivilpersonen zu schaffen.
Diese Einordnung ist entscheidend: „M&Ms“ ist kein bestätigter Bericht über eine tatsächlich durchgeführte Operation, sondern die Darstellung eines angeblichen Vorschlags, die im Wesentlichen auf anonymen Aussagen beruht und von einem Vertreter des ukrainischen Präsidialamts ausdrücklich zurückgewiesen wurde.
The Atlantic brachte den Stillstand des Vorhabens mit Selenskyjs Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Juli in Verbindung. Fedorow galt als treibende Kraft hinter dem Ausbau der ukrainischen Drohnenproduktion und der technologischen Innovation auf dem Schlachtfeld. Separate Berichte beschrieben Spannungen zwischen Fedorow und dem damaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, über die strategische Ausrichtung des Krieges und die Rolle von Technologie.
Beide Männer wurden später im Zuge einer umfassenderen Neuordnung der ukrainischen Führung aus ihren Ämtern entfernt. Jewhenij Chmara übernahm zunächst kommissarisch das Verteidigungsministerium und wurde später offiziell für das Amt nominiert und bestätigt, wie aus der zugrunde liegenden Berichterstattung hervorgeht.
Fedorows Entlassung löste politische Kontroversen und Proteste aus. Berichte aus dieser Zeit zufolge forderte er Wahlen während des Kriegs. Die verfügbaren Quellen belegen jedoch nicht, dass die Personalentscheidungen speziell getroffen wurden, um „M&Ms“ zu stoppen. Sie stellen lediglich einen Zusammenhang zwischen dem berichteten Stillstand des Plans und Fedorows Entlassung her.
The Atlantic beschrieb „M&Ms“ als ins Stocken geraten beziehungsweise auf Eis gelegt – nicht als dauerhaft aufgegeben. Theoretisch könnte ein verändertes Konzept unter einer anderen Führung oder bei veränderten Umständen erneut geprüft werden. In der vorliegenden Berichterstattung gibt es jedoch keinen Beleg dafür, dass der Plan wieder aufgenommen oder umgesetzt wurde.
Davon zu unterscheiden ist die reale und andauernde ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne. Am 16. August behaupteten russische Behörden, landesweit 822 ukrainische Drohnen zerstört zu haben; Hunderte davon seien in Richtung der Region Moskau unterwegs gewesen. Reuters und NPR berichteten über diese russischen Angaben sowie Tote und Schäden im Großraum Moskau. Die Gesamtzahl der tatsächlich gestarteten Drohnen und die abgefangenen Fluggeräte lassen sich jedoch nur schwer unabhängig überprüfen.
Die Geschichte über „M&Ms“ beschreibt eine angeblich geplante, aber nicht ausgeführte Strategie der Sättigung: Mit einer großen Zahl billiger, visuell gesteuerter autonomer Drohnen sollte der zivile Flugbetrieb in Moskau so unsicher werden, dass Flughäfen über längere Zeit geschlossen bleiben müssten. Der politische Hebel sollte über die internationale Reisefreiheit der wohlhabenden russischen Bevölkerung wirken und letztlich Druck auf Putin erzeugen.
Gerade die Eigenschaft, die den Plan strategisch wirkungsvoll gemacht hätte – autonome Waffen in einem von Passagierflugzeugen und Menschen bevölkerten Luftraum –, wäre zugleich seine größte Schwachstelle gewesen. Die ukrainische Drohnenkampagne insgesamt ist durch mehrere Berichte dokumentiert. Der konkrete „M&Ms“-Plan bleibt dagegen eine unbestätigte Darstellung anonymer Quellen, die von einem Vertreter aus Selenskyjs Präsidialamt als „völliger Unsinn“ zurückgewiesen wurde.