Besser abgesichert ist ein separater Bericht, wonach mindestens 60 Personen aus der VR-Entwicklung, der Apple Vision Group und verwandten Bereichen entlassen wurden. Apple hat weder diese Zahl noch die genaue Struktur der Maßnahmen öffentlich bestätigt.
Apple erklärte laut 9to5Mac, das Unternehmen verändere sein Geschäft, um bessere Nutzererlebnisse zu schaffen. Im Zuge der Umstrukturierung sollten zugleich neue Stellen entstehen. Betroffene Mitarbeiter konnten sich demnach auf andere interne Positionen bewerben.
Bei einer Headset-Plattform sind Spiele und Videoinhalte kein Nebenschauplatz. Sie liefern Gründe, das Gerät auch nach dem ersten Ausprobieren regelmäßig zu verwenden. Dass ausgerechnet diese Bereiche zusammengestrichen werden, spricht dafür, dass Apple weniger in das Content-Ökosystem investieren will, das die Vision Pro zu einer breiteren Verbraucherplattform machen sollte. Die Berichte beschreiben die Gaming-Einheit als weitgehend beendet und das Team für immersive Videos als deutlich verkleinert.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Apple visionOS oder die bestehende Vision Pro aufgegeben hat. Es deutet vielmehr darauf hin, dass der Konzern die Entwicklung schwerer, abgeschotteter VR-Headsets nicht mehr im bisherigen Umfang vorantreiben möchte – insbesondere während er leichtere und alltagstauglichere Geräteformen prüft.
Die Kürzungen fallen in eine Phase des Führungswechsels. Berichten zufolge will der künftige Apple-Chef John Ternus Teile der VR-Strategie ausbremsen und Ressourcen auf Siri, Apple Intelligence und smarte Brillen verlagern. Bloomberg ordnet die jüngsten Maßnahmen in einen größeren Fokus auf neue Geräte und künstliche Intelligenz ein.
Separate Berichte behaupten, Ternus habe eine weitreichende Überarbeitung der Vision-Produktplanung gebilligt. Dazu sollen die Streichung einer zweiten Vision Pro und einer leichteren Vision Air gehören. Diese Angaben beruhen auf Analysten- und Medienberichten, nicht auf einer offiziellen Apple-Ankündigung. Sie zeigen daher eine gemeldete strategische Richtung, bestätigen aber nicht jedes einzelne angeblich gestrichene Produkt.
Der entscheidende Unterschied: Apple könnte bei klobigen, geschlossenen VR-Headsets auf die Bremse treten, ohne räumliches Computing vollständig aufzugeben. Smarte Brillen wären eine weniger isolierende Geräteklasse für KI-Funktionen. Zugleich könnte Apple dort auf Software, Computer-Vision und Displaytechnologien aus der Vision-Entwicklung zurückgreifen.
Zusätzlichen Druck erzeugt der Verlust eines hochrangigen Managers. Paul Meade, Apples Vizepräsident für die Entwicklung der Vision Pro und der Smart-Glasses-Projekte, soll im Juni zu OpenAIs Hardware-Sparte gewechselt sein.
MacRumors berichtete, dass Fletcher Rothkopf, der für das Produktdesign von Vision Pro und smarten Brillen verantwortlich ist, Meades Aufgaben übernehmen soll. Der Abgang beweist nicht, dass Apple die Vision Pro eingestellt hat. Er nimmt dem Projekt jedoch einen erfahrenen Manager, der sowohl mit dem aktuellen Headset als auch mit Apples künftigen Wearables verbunden war.
Die aktuellen Maßnahmen unterscheiden sich in ihrer strategischen Bedeutung von Apples jüngsten Personalreduzierungen:
Aus diesem Vergleich lässt sich kein konzernweites Abbauprogramm ableiten. Er zeigt eher eine Reihe selektiver Umstrukturierungen, bei denen Apple Personal zwischen verschiedenen Produktwetten verschiebt.
Die derzeit verfügbaren Hinweise erlauben eine vorsichtige Schlussfolgerung: Apple scheint seine Pläne für räumliches Computing zu verkleinern und neu zu ordnen, hat Vision Pro oder visionOS aber nicht nachweislich aufgegeben. Berichten zufolge wurde die größere Vision-Organisation nicht vollständig aufgelöst, obwohl VR-bezogene Stellen gestrichen wurden.
Offen bleibt vor allem die Hardware-Roadmap. Die vorliegenden Berichte reichen nicht aus, um zu bestätigen, dass jeder zuvor gemeldete Vision-Pro-Nachfolger weiterentwickelt wird. Die Behauptung, Apple habe eine zweite Generation und die Vision Air gestrichen, steht zudem neben der zurückhaltenderen Einschätzung, der Konzern habe die Kategorie lediglich auf Eis gelegt. Keine dieser Aussagen wurde offiziell von Apple bestätigt.
Die belastbarste Einordnung lautet deshalb:
Apples Botschaft lautet damit vorerst weniger „Vision ist vorbei“ als vielmehr: Die Vision-Strategie wird kleiner, selektiver und enger mit künstlicher Intelligenz und smarten Brillen verknüpft.