AI Lab and Applications: Qwens Modelllabor, verbrauchernahe KI-Aktivitäten und Bürosoftware werden als eigenständige Einheit organisiert. Dadurch wird der Weg von der Entwicklung eines KI-Modells bis zu seiner Vermarktung als Anwendung sichtbarer.
In der Praxis bedeutet der Schritt eine Abkehr von Alibabas 2023 eingeführtem „1+6+N“-Ansatz. Damals sollten einzelne Geschäftsbereiche stärker autonom agieren und sich potenziell separat an den Kapitalmarkt bringen lassen. Nun integriert Alibaba zentrale Aktivitäten wieder – diesmal entlang der KI-Wertschöpfungskette.
Der geplante Börsengang des Cloud-Geschäfts war zuvor aufgegeben worden, nachdem US-Exportbeschränkungen für fortschrittliche Chips die Versorgungslage und die Zukunftsplanung des Bereichs unsicher gemacht hatten.
Die Neuausrichtung folgt auf eine Reihe deutlicher Wachstumssignale:
Alibaba meldete für das jüngste Geschäftsquartal einen Konzernumsatz von 268,95 Milliarden RMB, umgerechnet 39,64 Milliarden US-Dollar. Damit lag der Umsatz über der Analystenschätzung von 38,63 Milliarden US-Dollar. Diese Schätzung bezog sich auf den Gesamtumsatz des Konzerns, nicht auf den Cloud-Umsatz.
Der externe Umsatz von Alibaba Cloud stieg im jüngsten Quartal um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umsätze mit KI-bezogenen Produkten wuchsen weiterhin im dreistelligen Prozentbereich.
Die häufig genannte Wachstumsrate von 40 Prozent bezieht sich auf den davor gemeldeten Berichtszeitraum. Damals erklärte Alibaba Cloud, dass KI-Produkte bereits 30 Prozent des externen Umsatzes ausmachten.
Qwen, Alibabas Familie von KI-Modellen, überschritt innerhalb von sechs Monaten weltweit drei Milliarden Downloads. Diese Reichweite und die wachsende Entwicklerbasis bieten Alibaba eine breite Grundlage für spätere Monetarisierung.
Berichten zufolge prüft Alibaba für eine künftige Qwen-Version ein Modell, bei dem große kommerzielle Nutzer einen Teil ihrer Umsätze teilen müssten. Das würde eine Verschiebung von einer weitgehend frei verfügbaren Open-Weight-Strategie hin zu einem Freemium- oder Lizenzmodell bedeuten. Die genauen Bedingungen waren jedoch noch nicht festgelegt.
Der Umbau ist allerdings kapitalintensiv. Alibaba investierte im Quartal 67,7 Milliarden RMB in Sachanlagen und Infrastruktur, vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbau der KI-Kapazitäten. Gleichzeitig sank das bereinigte EBITDA im Jahresvergleich um 30 Prozent.
Zwar beschleunigten sich sowohl das Cloud-Wachstum als auch das Cloud-EBITDA deutlich, doch die konzernweiten Investitionen setzen den kurzfristigen Gewinnen zu. Alibaba signalisiert damit, dass der Konzern vorerst höhere Kosten akzeptiert, um wiederkehrende Erlöse aus Unternehmenskunden der Cloud, KI-Diensten, Verbraucher-Abonnements und möglicherweise kommerziellen Qwen-Lizenzen aufzubauen.
Die neue Struktur ist deshalb mehr als eine organisatorische Änderung: Alibaba versucht, seine starke KI-Nachfrage enger mit den Geschäftsbereichen zu verbinden, die daraus langfristig Umsatz machen können.