Anschließend feuerten die Houthis nach eigenen Angaben als Vergeltung Raketen in Richtung Saudi-Arabiens – unter anderem auf den Flughafen von Abha. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition erklärte, ihre Luftabwehr habe die Raketen abgefangen; es habe dabei keine gemeldeten Opfer gegeben.
Aus einem Streit über den Zugang zu den von den Houthis kontrollierten Gebieten im Jemen entwickelte sich so erneut ein direkter Schlagabtausch zwischen Riyadh und der mit Iran verbündeten Bewegung.
Am 20. Juli kündigten die Houthis eine sogenannte „Seeblockade“ gegen Saudi-Arabien an. Die Gruppe begründete den Schritt mit saudischen Einschränkungen für Häfen und Flughäfen in den von ihr kontrollierten Gebieten im Nordwesten des Jemens. Houthi-Erklärungen warnten mit Saudi-Arabien verbundene Schiffe vor der Passage durch die Straße von Bab al-Mandab und vor saudischen Häfen am Roten Meer.
Damit reichte die Krise über die unmittelbaren Kämpfe hinaus. Der Bab al-Mandab ist das südliche Tor zum Roten Meer. Drohungen gegen die Schifffahrt können deshalb Handels- und Energierouten weit über das eigentliche Kampfgebiet hinaus beeinträchtigen. In der Folge wurden Angriffe oder Angriffsversuche auf saudische Tanker, Ölanlagen und andere Schiffe gemeldet.
Es entstand eine miteinander verbundene maritime Krise: Die Unsicherheit im Roten Meer erschwert eine Ausweichroute für Schiffe, während die Störungen rund um die Straße von Hormus die Bedeutung des Roten Meeres zusätzlich erhöhen. Nach BBC-Angaben war die Gefahr für Öltanker damit so groß wie seit Beginn des Iran-Krieges nicht mehr. Der Schiffsverkehr durch Hormus sei im Vergleich zum Vorkriegsniveau stark zurückgegangen.
Die strategische Bedeutung von Mohebis Warnung liegt auch darin, dass Irans regionale Partner Kosten für Saudi-Arabien und die internationale Schifffahrt verursachen könnten, ohne dass Iran jeden Schritt offen selbst ausführt.
Ein von Reuters zitierter ranghoher saudischer Regierungsvertreter erklärte, Geheimdienstinformationen aus Saudi-Arabien, den USA und weiteren Ländern deuteten auf mögliche koordinierte Angriffe irakischer bewaffneter Gruppen und der Houthis hin. Diese könnten unter mutmaßlicher Aufsicht der IRGC zivile und wirtschaftliche Ziele wie Energieanlagen, Häfen und Flughäfen treffen.
Separate Berichte, die sich auf abgefangene Kommunikation und weitere Geheimdienstinformationen stützen, behaupteten zudem, die IRGC habe Kommandeure in von den Houthis kontrollierte Gebiete entsandt. Dort habe sie Informationen und Zielangaben geliefert sowie die Stationierung von Raketen, Seewaffen und Drohnenstartrampen mit Blick auf das Rote Meer überwacht.
Diese Vorwürfe sind ernst, müssen aber als berichtete Geheimdiensteinschätzungen und nicht als lückenlos unabhängig belegte Tatsachen verstanden werden. Die verfügbaren Quellen belegen auch nicht, dass die Houthis unmittelbar vor einer Eroberung von Gebieten am Bab al-Mandab standen. Ebenso wenig sind genaue Angaben zu Unterbrechungen saudischer Ölverladungen bestätigt.
Mohebis Äußerungen fielen in einen Konflikt, der zunehmend mehrere Fronten miteinander verbindet:
Genau darin liegt die Bedeutung der Erklärung eines iranischen Militärsprechers: Sie stellt die Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und den Houthis als Teil eines größeren regionalen Machtkampfs dar. Angriffe auf Infrastruktur, Häfen und Schiffe können dadurch politischen und wirtschaftlichen Druck weit über den Jemen hinaus erzeugen.
Riyadh kombiniert militärische Abschreckung mit einer regionalen Initiative für die Seesicherheit. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition zur Unterstützung der international anerkannten jemenitischen Regierung hatte zuvor angekündigt, auf Bedrohungen des Königreichs mit „beispielloser Entschlossenheit und Härte“ zu reagieren.
Am 30. Juli stellte Saudi-Arabien anschließend Pläne für einen multinationalen Rahmen zur maritimen Verteidigung vor. Er soll die Sicherheit auf See stärken, die freie Schifffahrt sichern und internationale Handels- und Energierouten im Roten Meer sowie im Golf von Aden schützen.
Die geplante Koalition zeigt, dass die Reaktion nicht mehr auf saudische Luftabwehr oder Einsätze im Jemen beschränkt ist. Sie umfasst nun auch internationale Bemühungen, die Handelswege offen zu halten und gemeinsame maritime Interessen zu schützen.
Mohebis Warnung besagt, dass Saudi-Arabien die Houthis weder wirksam eindämmen noch sich zuverlässig vor deren Vergeltungsangriffen schützen könne. Sie folgte auf eine klar dokumentierte Eskalationskette: den Angriff auf die Startbahn des Flughafens von Sanaa am 13. Juli, Houthi-Raketenangriffe und die am 20. Juli verkündete Seeblockade. Dadurch verlagerte sich der Konflikt zunehmend auf saudische Energieanlagen und die Schifffahrt im Roten Meer.
Die größere Gefahr besteht daher nicht nur in einem weiteren saudisch-houthischen Schlagabtausch. Werden die verschiedenen Krisenherde im Jemen, im Roten Meer und im Golf dauerhaft miteinander verknüpft, könnte aus einer zunächst regional begrenzten Konfrontation eine anhaltende Bedrohung für Sicherheit, Energieversorgung und den Welthandel werden. Die verfügbare Berichterstattung stützt diese Risikoeinschätzung. Konkrete Operationspläne, genaue Angaben zu Ölverladungen und das Ausmaß einer direkten IRGC-Steuerung bleiben jedoch unbestätigt.