Binance erklärte, seine Mitarbeiter seien weder Ziel noch Gegenstand der Ermittlungen gewesen und „umgehend entlastet und freigelassen“ worden.
Die verfügbaren Berichte deuten darauf hin, dass die Festhaltungen die Belegschaft verunsicherten. Unklar ist weiterhin, ob die emiratische Polizei die zugrunde liegenden Ermittlungen abgeschlossen, Verdächtige identifiziert oder Binance selbst ein Fehlverhalten vorgeworfen hat.
Im April 2025 änderte Binance Berichten zufolge den Umgang mit ausländischen Anfragen von Strafverfolgungsbehörden. Die meisten solcher Ersuchen werden seither über Behörden der VAE und formelle Rechtshilfewege geleitet, anstatt direkt von Binance beantwortet zu werden.
Europäische Ermittler kritisieren, dass dieses Verfahren den Zugriff auf Daten der Kryptobörse erheblich verlangsamen kann. Das erschwere insbesondere zeitkritische Ermittlungen zu Betrug, Anlagebetrug und Geldwäsche. Binance stellt die Vorgehensweise dagegen als angemessen für ein Unternehmen dar, das in den VAE reguliert wird.
Binances rechtliche Vorgeschichte erhöht den Druck zusätzlich. Im Rahmen einer strafrechtlichen Einigung in den USA aus dem Jahr 2023 erklärte sich das Unternehmen bereit, 2,51065 Milliarden US-Dollar einzuziehen beziehungsweise abzuführen und eine Strafzahlung von 1,80548 Milliarden US-Dollar zu leisten – insgesamt 4,31613 Milliarden US-Dollar. US-Behörden erklärten, der Fall habe vorsätzliche Verstöße gegen den Bank Secrecy Act betroffen, das zentrale US-Gesetz zur Bekämpfung von Geldwäsche und zur Meldepflicht von Finanzinstituten. Das US-Finanzministerium teilte außerdem mit, Binance habe zwischen August 2017 und Oktober 2022 mehr als 1,67 Millionen Geschäfte zwischen US-Personen und Nutzern in sanktionierten Rechtsräumen oder gesperrten Personen abgewickelt.
Im Dezember 2025 erhielt Binance drei Lizenzen vom Abu Dhabi Global Market (ADGM), dem internationalen Finanzzentrum Abu Dhabis. Sie decken den Börsenbetrieb, Clearing und Verwahrung sowie Makleraktivitäten ab.
In den VAE arbeiten Berichten zufolge ungefähr 1.000 Binance-Beschäftigte. Das Land ist damit nicht nur ein wichtiger operativer Standort, sondern zugleich Sitz des wichtigsten Regulators des Unternehmens.
Die Festhaltungen sind für sich genommen kein Beleg für einen regulatorischen Verstoß oder ein Strafverfahren gegen Binance. Sie zeigen jedoch, dass die emiratischen Behörden trotz der lokalen Lizenzen und der strategischen Präsenz des Unternehmens direkt gegen Mitarbeiter vorgehen können. Das dürfte die interne Unsicherheit verstärken und die Beziehung zu einem Regulierungsumfeld belasten, das für Binances weltweites Geschäftsmodell eine zentrale Rolle spielt.