Die Sperrung der Straße von Hormus macht die Vorbereitung auf den Winter zu einem Wettbewerb um eine kleinere LNG Menge. Das größte Risiko sind derzeit hohe Preise und ein dünner Versorgungspuffer – nicht zwingend ein unmittelbar drohender physischer Gasmangel.
Forschungsantwort

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Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus hat Europas Vorbereitung auf den Winter in einen globalen Wettbewerb um verflüssigtes Erdgas (LNG) verwandelt. Es steht weniger eine sofortige physische Knappheit im Vordergrund als das Risiko, dass Europa mit ungewöhnlich niedrigen Speichern und deutlich höheren Preisen in die Heizsaison startet. Hält die Störung bis in den Winter an oder kommt strenge Kälte hinzu, kann sich die Lage jedoch rasch verschärfen.
Durch die Straße von Hormus werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels transportiert. Die Sperrung hat damit eine wichtige Quelle flexibler Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten vom Markt genommen. Europäische und asiatische Käufer müssen um die verbleibenden LNG-Ladungen konkurrieren – und treiben dadurch die Preise nach oben.
Die europäischen Gaspreise sind inzwischen auf den höchsten Stand seit etwa fünf Monaten gestiegen. Deutschlands größter Gasimporteur Uniper erwartet, dass sich die Preise bei einer anhaltenden Sperrung in einer Größenordnung von 50 bis 60 Euro je Megawattstunde bewegen könnten. Für Deutschland ist das besonders problematisch: Nach Einschätzung von Uniper müssten die Preise wieder sinken, damit die deutschen Speicher bis November wenigstens einen Füllstand von 70 Prozent erreichen.
Die Schwachstelle ist der Füllstand der Speicher. Anfang August waren die Gasspeicher in der Europäischen Union nur zu rund 57 Prozent gefüllt – ein historischer Tiefstand für diesen Zeitpunkt der Auffüllsaison. Damit liegt Europa hinter dem üblichen Befüllungspfad.
Der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Energiekonzerns Equinor, Anders Opedal, hält selbst einen Füllstand von 80 Prozent vor dem Winter für möglicherweise unerreichbar. Deutschland steht dabei vor einer besonders schwierigen Aufgabe: Die deutschen Speicher waren am 9. August nur zu 48 Prozent gefüllt, verglichen mit 64 Prozent im Vorjahr und 59 Prozent im EU-Durchschnitt.
Das Problem ist nicht nur die verfügbare Gasmenge, sondern auch der Preis. Wenn Sommerpreise wegen der angespannten Versorgung über den Preisen für Winterkontrakte liegen, fehlt Händlern der wirtschaftliche Anreiz, Gas einzukaufen und einzulagern. So kann die Unsicherheit über kurzfristige Lieferungen den Aufbau des Winterpuffers zusätzlich bremsen.
Bereits vor der jüngsten Zuspitzung war absehbar, dass Europa für die Wiederauffüllung seiner Speicher etwa 180 LNG-Ladungen mehr als im Vorjahr benötigen würde. Nun verschärft die Konkurrenz aus Asien die Rechnung.
Mit steigenden Preisen in Asien werden flexible US-LNG-Ladungen dorthin umgeleitet. Europas Anteil an den US-LNG-Exporten fiel im Juni auf knapp 42 Prozent. Gleichzeitig importierte Ägypten eine Rekordmenge von 1,06 Millionen Tonnen US-LNG. Für Europa bedeutet das: Selbst wenn weltweit weitere LNG-Mengen verfügbar sind, kommen sie nicht automatisch auf dem europäischen Markt an.
Die Lage ist angespannt, aber ein europaweiter Versorgungsnotstand ist noch nicht unausweichlich. Europa verfügt über unterschiedliche Importwege, norwegische Pipeline-Lieferungen und Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage. Hinzu kommt, dass Wind- und Solarenergie die Stromerzeugung aus Gas zunehmend verdrängen. Die kombinierte Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen dürfte 2026 in Europa so lange wie noch nie über der Stromproduktion aus Gaskraftwerken liegen.
Eine Reuters-Analyse kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich die zentrale Frage zunehmend von der bloßen Verfügbarkeit von Gas hin zu dessen Kosten und Preisschwankungen verschiebt. Die vorhandenen Schutzmechanismen ersetzen allerdings nicht den fehlenden Speichervorrat. Sollte der LNG-Markt länger angespannt bleiben, ist Europa weiterhin stark steigenden Preisen ausgesetzt.
Kurzfristig drohen vor allem höhere Energie- und Produktionskosten. Wenn der Markt angespannt bleibt, könnten Regierungen und Versorger erneut zu Einsparungen aufrufen. Ein kalter Winter würde die Entnahmen aus den bereits niedrigen Speichern beschleunigen und heftige Preisspitzen auslösen. Ein milder Winter, ein weiter sinkender Verbrauch oder eine schnelle und verlässliche Wiederöffnung der Straße von Hormus würden das Risiko dagegen deutlich verringern.
Für deutsche Verbraucher bedeutet das nicht automatisch, dass im Winter das Gas abgestellt wird. Wahrscheinlicher ist zunächst, dass sich die angespannte Beschaffung in höheren Großhandels- und möglicherweise Endkundenpreisen niederschlägt. Besonders energieintensive Unternehmen bleiben verwundbar, wenn sie ihre Kosten nicht kurzfristig weitergeben können.
Neben dem LNG-Markt entsteht ein zweiter Belastungskanal durch extremes Wetter. Hitzewellen erhöhen die Nachfrage nach Strom, während Dürre die Stromerzeugung und den Netzbetrieb beeinträchtigen kann, wenn Kühl- oder Transportwasser fehlt.
In Rumänien führten rekordniedrige Wasserstände der Donau dazu, dass der Betreiber sein einziges laufendes Kernkraftwerk vom Netz nehmen musste. Das Land rief für August einen Energie-Notstand aus und bat Unternehmen sowie Haushalte, freiwillig weniger Strom zu verbrauchen. Solche wetterbedingten Ausfälle können die Abhängigkeit von fossiler Stromerzeugung erhöhen – genau dann, wenn Gas knapp und teuer ist.
Europa kann einen Versorgungsnotstand wahrscheinlich nur unter günstigen Bedingungen vermeiden: Die LNG-Lieferungen außerhalb der Route durch Hormus müssen stabil bleiben, das Wetter darf nicht außergewöhnlich kalt werden, die Nachfrage muss weiter sinken und zusätzliche Ausfälle müssen ausbleiben.
Die verfügbaren Daten belegen vor allem eine erhöhte Verwundbarkeit im Winter – insbesondere gegenüber Preisschocks. Einen zwangsläufigen europaweiten Gasmangel belegen sie bislang nicht. Je länger die Straße von Hormus jedoch geschlossen bleibt, desto weniger Spielraum bleibt Europa, um die verlorene Sicherheitsreserve rechtzeitig wieder aufzubauen.
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Die Sperrung der Straße von Hormus macht die Vorbereitung auf den Winter zu einem Wettbewerb um eine kleinere LNG Menge.
Die Sperrung der Straße von Hormus macht die Vorbereitung auf den Winter zu einem Wettbewerb um eine kleinere LNG Menge. Das größte Risiko sind derzeit hohe Preise und ein dünner Versorgungspuffer – nicht zwingend ein unmittelbar drohender physischer Gasmangel.
Die Straße von Hormus wickelt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten LNG Handels ab.