Bei einer vorab geplanten Zwischenanalyse erklärten Merck und Moderna, dass die Kombination beide relevanten Studienziele erreicht habe. Das rezidivfreie Überleben misst, wie lange Patientinnen und Patienten ohne ein Wiederauftreten des Melanoms und ohne Tod bleiben. Das Fernmetastasen-freie Überleben berücksichtigt insbesondere, ob sich der Krebs in entfernte Organe ausbreitet oder zum Tod führt.
Nach Angaben der Unternehmen ist es die erste Kombination in diesem adjuvanten Behandlungskontext, die gegenüber Keytruda allein sowohl beim RFS als auch beim DMFS eine signifikante Verbesserung gezeigt hat.
Intismeran autogene, auch unter den Bezeichnungen V940 und mRNA-4157 bekannt, ist eine individualisierte Neoantigen-Therapie. Anders als bei einer herkömmlichen Impfung wird nicht für alle Patienten dasselbe Präparat verwendet. Stattdessen wird die Behandlung aus den Mutationen im jeweiligen Tumor entwickelt.
Die mRNA soll den Immunzellen Anweisungen geben, tumorspezifische Neoantigene zu erkennen. Dabei handelt es sich um ungewöhnliche Merkmale, die durch krebsbedingte Mutationen entstehen. Die Therapie ist darauf ausgelegt, bis zu 34 Mutationen eines individuellen Tumors anzusteuern.
Damit ist Intismeran autogene weder eine universelle Melanom-Impfung noch ein zugelassenes Arzneimittel. Der mögliche Nutzen hängt nicht nur von der ausgelösten Immunreaktion ab, sondern auch davon, ob für jeden Patienten zuverlässig und schnell ein individuelles Produkt hergestellt werden kann.
Der Phase-3-Erfolg folgt auf ermutigende Fünfjahresdaten aus der randomisierten Phase-2b-Studie KEYNOTE-942/mRNA-4157-P201. In dieser kleineren Untersuchung verringerte Intismeran autogene zusammen mit Keytruda gegenüber Keytruda allein das Risiko für ein Wiederauftreten oder den Tod um 49 Prozent. Das Risiko für Fernmetastasen oder den Tod sank um 59 Prozent.
Diese Ergebnisse lieferten die Grundlage für die größere Bestätigungsstudie. Sie sagen jedoch nicht automatisch voraus, wie groß der Behandlungseffekt in INTerpath-001 ausfällt. Die Phase-3-Studie umfasst mehr Patienten und ein breiteres Spektrum von Erkrankungsstadien.
Bisher haben Merck und Moderna lediglich vorläufige Ergebnisse und Schlussfolgerungen veröffentlicht, nicht den vollständigen Datensatz. Noch fehlen unter anderem die Hazard Ratios, Konfidenzintervalle, absoluten Rückfall- und Metastasierungsraten, detaillierte Sicherheitsdaten, die Dauer der Nachbeobachtung sowie Auswertungen nach Krankheitsstadium. Die Unternehmen wollen die Daten auf einer internationalen medizinischen Fachtagung vorstellen.
Damit bleiben zentrale Fragen offen:
Die Nachbeobachtung zum Gesamtüberleben läuft noch. Die aktuelle Mitteilung belegt daher bislang keinen Vorteil bei der Lebenszeit.
Auch die Herstellung könnte über den praktischen Erfolg entscheiden. Für eine spätere Bewertung werden Angaben dazu benötigt, wie lange die Entwicklung für einen einzelnen Patienten dauert, welche Produktionskapazitäten vorhanden sind, wie zuverlässig die Fertigung funktioniert und welche Kosten entstehen.
Das positive Zwischenergebnis könnte eine spätere Einreichung bei den Zulassungsbehörden unterstützen. Eine Zulassung ist es jedoch nicht. Merck und Moderna erklärten, sie wollten mit den Behörden über mögliche Zulassungsanträge sprechen.
Einen Antrag auf ein beschleunigtes Zulassungsverfahren hatten die Unternehmen bereits früher verfolgt. Dieser Weg führte jedoch nicht zum Erfolg: Die US-Arzneimittelbehörde FDA lehnte den Antrag 2024 ab. Das neue Phase-3-Ergebnis liefert nun eine deutlich umfangreichere Grundlage für Gespräche. Die Behörden müssen aber weiterhin die vollständigen Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten prüfen.
Intismeran autogene wird außerdem in neun weiteren Studien untersucht, unter anderem bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Blasenkrebs, Nierenzellkarzinom und Melanom.
Die Ergebnisse sind deshalb bedeutsam, weil sie den ersten gemeldeten positiven Phase-3-Nachweis für eine personalisierte mRNA-Krebsimpfung darstellen. Sie deuten darauf hin, dass die gezielte Ansprache individueller Neoantigene die Wirkung einer Immun-Checkpoint-Therapie nach einer Operation verstärken könnte.
Sollten die vollständigen Daten einen deutlichen, dauerhaften und gut verträglichen Vorteil bestätigen und sich die individualisierte Herstellung in größerem Maßstab umsetzen lassen, könnte die Kombination die adjuvante Behandlung des Melanoms verändern. Sie könnte zudem ähnliche Ansätze bei anderen Krebsarten voranbringen.
Die derzeit belastbarste Schlussfolgerung fällt dennoch enger aus: Intismeran autogene plus Keytruda hat in der großen Phase-3-Melanomstudie INTerpath-001 die vorab festgelegten Endpunkte für RFS und DMFS erreicht. Wie hoch der konkrete klinische Nutzen ist, wie das Sicherheitsprofil aussieht, ob sich ein Überlebensvorteil zeigt und ob die Therapie wirtschaftlich umsetzbar ist, wird erst mit den noch ausstehenden Detaildaten klar.