Auch aus Teheran kommen differenzierte Signale. Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baqaei bestritt direkte Verhandlungen mit den USA und sagte, die Kommunikation beschränke sich auf den Austausch von Nachrichten über Vermittler. Der Schwerpunkt liege auf Gesprächen mit Oman über die Durchfahrt durch Hormus.
Damit stehen sich nicht nur unterschiedliche Forderungen, sondern auch zwei kaum vereinbare Darstellungen des Verhandlungsprozesses gegenüber: Washington präsentiert Iran als zögernden Gesprächspartner, während Teheran direkte Gespräche bestreitet und den USA die Verantwortung für den Stillstand zuschiebt.
Ähnlich widersprüchlich sind die Aussagen über die Schifffahrt. Trump behauptet, die USA hätten die Wasserstraße vollständig unter Kontrolle und Hormus sei offen. Iran erklärt dagegen, die Passage bleibe geschlossen, solange Washington die Seeblockade iranischer Häfen, Sanktionen und militärische Drohungen nicht beendet. Berichte über den Schiffsverkehr beschreiben die Meerenge weiterhin als faktisch oder nahezu vollständig blockiert.
Die Straße von Hormus ist ein entscheidender Transportweg für den weltweiten Ölhandel. Deshalb geht es in dem Streit nicht nur um militärische Kontrolle, sondern auch um Versicherungen, Tankerrouten, Lieferzeiten und die Preisbildung an den Energiemärkten. Die USA lehnen zudem jede Vereinbarung ab, die Iran die Kontrolle über die Zufahrt zum Persischen Golf geben würde.
Ein hochrangiger iranischer Vertreter drohte, das Land werde zu einer vollständig offensiven militärischen Haltung übergehen, falls keine Übergangsvereinbarung umgesetzt werde. Damit steigt das Risiko, dass aus dem derzeitigen Patt ein neuer militärischer Zusammenstoß wird.
Zusätzlichen wirtschaftlichen Druck erzeugt die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate, sämtliche Handels-, Wirtschafts- und Finanzgeschäfte mit Iran bis auf Weiteres auszusetzen. Abu Dhabi begründete den Schritt mit der Behauptung, Iran habe ballistische Raketen abgefeuert. Teheran weist die Verantwortung zurück.
Die Emirate waren für Iran trotz der US-Sanktionen ein wichtiger Handels- und Finanzkanal. Werden diese Verbindungen unterbrochen, kann das den Zugang zu Importen, Zahlungswegen, Devisen und Re-Export-Geschäften weiter erschweren. Die Maßnahme trifft Iran damit an einer Stelle, an der der Druck bereits hoch ist: Das Land leidet unter schwerer Inflation und steigenden Lebensmittelpreisen.
Die Folgen könnten über wirtschaftliche Kennzahlen hinausgehen. Wenn Importgüter knapper und Zahlungen schwieriger werden, kann sich die Belastung für Haushalte und Unternehmen verschärfen. Das wiederum erhöht den innenpolitischen Druck auf die iranische Führung – ohne dass daraus automatisch eine Bereitschaft zu US-amerikanischen Bedingungen folgt.
Die aktuelle Lage ist nur in einem begrenzten Sinn stabil: Keine Seite hat die Bedingungen der anderen akzeptiert. Washington kann den wirtschaftlichen Druck weiter erhöhen und behält die Möglichkeit neuer Luft- oder Raketenangriffe. Iran kann die Schifffahrt weiter behindern, mit Raketen drohen und die Eskalation schrittweise erhöhen.
Das ist kein belastbarer Waffenstillstand, sondern ein instabiler Schwebezustand. Je länger die Frist ohne politische Perspektive verstreicht, desto größer wird die Gefahr, dass eine einzelne Attacke, ein Zwischenfall auf See oder eine Fehlkalkulation die nächste Eskalationsrunde auslöst.
Zudem dauert der Krieg inzwischen rund 24 Wochen – deutlich länger als Trumps ursprüngliche Erwartung von vier bis fünf Wochen. Der Konflikt nähert sich damit der Marke von sechs Monaten, obwohl die Regierung zunächst einen schnellen Abschluss in Aussicht gestellt hatte.
Die Unsicherheit über Hormus schlägt inzwischen auf die globalen Märkte durch. Der Ölmarkt beginnt, eine länger anhaltende Unterbrechung einzupreisen, nicht nur einen vorübergehenden Preisschock. Brent-Rohöl stieg zeitweise auf rund 91 US-Dollar je Barrel und bewegte sich anschließend weiterhin in der Nähe von 90 US-Dollar.
Höhere Energiepreise nähren wiederum Inflationsängste. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg, während die Rendite der 30-jährigen US-Treasuries mit 5,327 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreichte. Neben dem Krieg spielten dabei auch Sorgen über die US-Finanzen und das hohe Angebot an neuen Staatsanleihen eine Rolle.
Auch Aktienmärkte reagieren empfindlich auf die Kombination aus teurer Energie, höheren Transportkosten und unsicherer Nachfrage. Eine geringere Hoffnung auf eine baldige Öffnung von Hormus belastete unter anderem US-Chipwerte und asiatische Märkte mit hoher Abhängigkeit vom Halbleitersektor. Für die Weltwirtschaft bedeutet das: Je länger die Krise anhält, desto größer wird das Risiko, dass Energie- und Inflationsdruck die Produktion, den Konsum und die Finanzierungsbedingungen bremsen.
Der Strategiewechsel der Trump-Regierung besteht somit weniger in einem klaren neuen Friedensplan als in der Entscheidung, auf Zeit und Belastbarkeit zu setzen. Washington glaubt offenbar, dass die wirtschaftliche Waage zu seinen Gunsten ausschlagen kann. Doch solange Iran über militärische und maritime Eskalationsmöglichkeiten verfügt und Hormus nicht verlässlich geöffnet ist, bleibt diese Strategie ein riskantes Spiel – mit Folgen weit über den Nahen Osten hinaus.