Die Angaben dürfen nicht einfach addiert werden. Sie beziehen sich auf unterschiedliche geografische und zeitliche Kategorien. Aus den verfügbaren Berichten geht zudem nicht hervor, in welchem Umfang sich die Zahlen überschneiden.
Aus dem Moskauer Umland wurden Brände, Stromausfälle und Schäden an einem Lager- oder Verteilzentrum des Onlinehändlers Wildberries gemeldet. Das Unternehmen ist einer der größten russischen Onlinehändler; der Standort ist seinem unmittelbaren Zweck nach also zivilwirtschaftlich. Ukrainische Stellen und externe Analysten ordnen große Logistikzentren dennoch einem umfassenderen Netz dual nutzbarer Infrastruktur zu, das auch die russische Kriegswirtschaft unterstützen kann.
Wildberries-Einrichtungen stehen bereits seit Wochen wiederholt im Fokus. Nach einer Auswertung des Institute for the Study of War (ISW) wurden seit Juli laut ukrainischen Angaben sieben der zehn größten Logistikzentren des Unternehmens getroffen. Das deutet auf den Versuch hin, Russlands Verteilungs- und Transportkapazitäten systematisch zu stören – und nicht ausschließlich auf klassische Militärbasen zu zielen.
In Ufa, der Hauptstadt der russischen Republik Baschkortostan, meldeten regionale Behörden Drohnenangriffe auf Industrieanlagen. Eine Drohne sei in einem Industriegebiet niedergegangen und habe einen Brand ausgelöst. Eine weitere habe ein Wohngebäude beschädigt und einen Menschen verletzt, berichtete Meduza unter Berufung auf Behördenangaben. Außerdem geriet demnach eine Einheit einer Ölraffinerie in Brand, die sich bereits in Reparatur befand.
Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS bestätigte den Raffineriebrand und verwies auf die Angabe des Verteidigungsministeriums, wonach in der Nacht 453 Drohnen abgefangen worden seien. Die Berichte belegen, dass es zu einem Brand kam. Sie erlauben jedoch keine unabhängige Einschätzung des gesamten Produktionsausfalls oder der Dauer einer möglichen Unterbrechung.
Auch aus Dserschinsk in der Region Nischni Nowgorod wurden Drohnenaktivität und Rauchentwicklung gemeldet. Open-Source-Analysen identifizierten das Sprengstoffwerk Swerdlow aufgrund des Rauchorts und verfügbarer Videoaufnahmen als mögliches Ziel.
Das Werk ist dem russischen militärisch-industriellen Komplex zuzurechnen. Das genaue Ausmaß der Schäden durch den Vorfall vom 19. August war in den verfügbaren Berichten jedoch nicht unabhängig bestätigt. Auch ein nahe gelegenes Wohngebäude soll beschädigt worden sein.
Für die Drohnenwelle vom 18. und 19. August gibt es keine verlässliche, zusammengefasste Opferbilanz. Bei früheren Angriffen im Rahmen derselben Eskalation Mitte August wurden in Russland mindestens sechs Tote gemeldet. Diese Todesfälle dürfen jedoch nicht automatisch den Angriffen vom 18. und 19. August zugerechnet werden.
Parallel dazu töteten russische Angriffe auf die ukrainische Region Charkiw am 18. August nach Angaben ukrainischer Behörden zehn Menschen. Die zeitgleichen Angriffe verdeutlichen, dass sich der Konflikt zunehmend als Austausch weitreichender Schläge entwickelt – mit Zivilisten auf beiden Seiten im Gefahrenbereich.
Drohnenwarnungen beeinträchtigten während benachbarter Angriffswellen zudem den Flugverkehr rund um Moskau. Für den Zeitraum vom 18. und 19. August lässt sich anhand der verfügbaren Quellen jedoch keine genaue Zahl von Ausfällen oder Verspätungen feststellen. Berichte über andere groß angelegte Angriffe nennen vorübergehende Einschränkungen an Flughäfen und Flugstörungen; Aussagen zu diesem konkreten Vorfall sollten daher vorsichtig formuliert werden.
Die ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne scheint darauf abzuzielen, die Kosten des Krieges in mehreren Bereichen gleichzeitig zu erhöhen:
Ein zentrales Merkmal ist die Reichweite. Frühere Berichte beschrieben ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, Rüstungsbetriebe, Luftwaffenstützpunkte und Logistikzentren Hunderte oder sogar Tausende Kilometer hinter der Grenze. Die Raffinerie in Ufa liegt nach AP-Angaben mehr als 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt und zählt zu den wichtigen russischen Produzenten von Schmierstoffen.
Die Ukraine greift russische Öl-Infrastruktur wiederholt an, um Einnahmen zu verringern, Treibstoffversorgung und Produktion zu stören und die Kosten für die Fortsetzung der Invasion zu erhöhen. Berichte verknüpften solche Angriffe mit Unterbrechungen in Raffinerien und Engpässen an einzelnen Tankstellen. Schätzungen zum landesweiten Verlust an Verarbeitungskapazität schwanken jedoch und verändern sich, sobald Anlagen den Betrieb wieder aufnehmen oder erneut aussetzen.
Eine einzelne belastbare Prozentzahl für die landesweite Raffineriekapazität lässt sich daher aus den Berichten zum 18. und 19. August nicht ableiten. Besonders hohe Reduktionen, die in ukrainischen oder anderen sekundären Berichten genannt werden, sollten als Schätzungen und nicht als abschließend geklärte Fakten verstanden werden.
Moskau warf Großbritannien vor, die ukrainische Kampagne für Angriffe tief im russischen Hinterland zu unterstützen oder zu ermöglichen. Anlass waren Berichte, wonach in Russland britische Drohnen eingesetzt worden seien. Russische Vertreter drohten mit nicht näher bezeichneten „Konsequenzen“. Die britische Regierung wies den Druck zurück und erklärte, das Vereinigte Königreich werde die Ukraine weiter unterstützen.
Die vorliegenden Berichte belegen weder, dass bei allen Angriffen vom 18. und 19. August britisch gelieferte Drohnen verwendet wurden, noch eine direkte operative Kontrolle Großbritanniens über die Kampagne. Der Streit steht vielmehr für Moskaus breiteren Versuch, westliche Militärhilfe als Eskalation des Krieges darzustellen.
Kiews mutmaßliche Strategie lautet: Wenn Öleinnahmen, Waffenproduktion, Transport und die innere Sicherheitslage Russlands dauerhaft unter Druck geraten, schrumpft Moskaus Handlungsspielraum und die Kosten des Krieges werden im eigenen Land sichtbarer. Das ist ein plausibles strategisches Ziel – aber kein Beleg dafür, dass die Angriffe im August Russlands Verhandlungsposition bereits verändert haben.
Kurzfristig führten sie zu einer weiteren Ausweitung des wechselseitigen Fernkampfs: Ukrainische Drohnen erreichten Ziele tief in Russland, während russische Angriffe weiterhin Zivilisten töteten und Infrastruktur in der Ukraine beschädigten. Die Operation vom 18. und 19. August steht damit für eine größere Reichweite und wachsenden Druck. Ihre politische Wirkung hängt jedoch davon ab, ob die kumulierten wirtschaftlichen, militärischen und innenpolitischen Kosten groß genug werden, um Entscheidungen im Kreml zu beeinflussen.
Die Angaben dürfen nicht einfach addiert werden. Sie beziehen sich auf unterschiedliche geografische und zeitliche Kategorien. Aus den verfügbaren Berichten geht zudem nicht hervor, in welchem Umfang sich die Zahlen überschneiden.
Aus dem Moskauer Umland wurden Brände, Stromausfälle und Schäden an einem Lager- oder Verteilzentrum des Onlinehändlers Wildberries gemeldet. Das Unternehmen ist einer der größten russischen Onlinehändler; der Standort ist seinem unmittelbaren Zweck nach also zivilwirtschaftlich. Ukrainische Stellen und externe Analysten ordnen große Logistikzentren dennoch einem umfassenderen Netz dual nutzbarer Infrastruktur zu, das auch die russische Kriegswirtschaft unterstützen kann.
Wildberries-Einrichtungen stehen bereits seit Wochen wiederholt im Fokus. Nach einer Auswertung des Institute for the Study of War (ISW) wurden seit Juli laut ukrainischen Angaben sieben der zehn größten Logistikzentren des Unternehmens getroffen. Das deutet auf den Versuch hin, Russlands Verteilungs- und Transportkapazitäten systematisch zu stören – und nicht ausschließlich auf klassische Militärbasen zu zielen.
In Ufa, der Hauptstadt der russischen Republik Baschkortostan, meldeten regionale Behörden Drohnenangriffe auf Industrieanlagen. Eine Drohne sei in einem Industriegebiet niedergegangen und habe einen Brand ausgelöst. Eine weitere habe ein Wohngebäude beschädigt und einen Menschen verletzt, berichtete Meduza unter Berufung auf Behördenangaben. Außerdem geriet demnach eine Einheit einer Ölraffinerie in Brand, die sich bereits in Reparatur befand.
Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS bestätigte den Raffineriebrand und verwies auf die Angabe des Verteidigungsministeriums, wonach in der Nacht 453 Drohnen abgefangen worden seien. Die Berichte belegen, dass es zu einem Brand kam. Sie erlauben jedoch keine unabhängige Einschätzung des gesamten Produktionsausfalls oder der Dauer einer möglichen Unterbrechung.
Auch aus Dserschinsk in der Region Nischni Nowgorod wurden Drohnenaktivität und Rauchentwicklung gemeldet. Open-Source-Analysen identifizierten das Sprengstoffwerk Swerdlow aufgrund des Rauchorts und verfügbarer Videoaufnahmen als mögliches Ziel.
Das Werk ist dem russischen militärisch-industriellen Komplex zuzurechnen. Das genaue Ausmaß der Schäden durch den Vorfall vom 19. August war in den verfügbaren Berichten jedoch nicht unabhängig bestätigt. Auch ein nahe gelegenes Wohngebäude soll beschädigt worden sein.
Für die Drohnenwelle vom 18. und 19. August gibt es keine verlässliche, zusammengefasste Opferbilanz. Bei früheren Angriffen im Rahmen derselben Eskalation Mitte August wurden in Russland mindestens sechs Tote gemeldet. Diese Todesfälle dürfen jedoch nicht automatisch den Angriffen vom 18. und 19. August zugerechnet werden.
Parallel dazu töteten russische Angriffe auf die ukrainische Region Charkiw am 18. August nach Angaben ukrainischer Behörden zehn Menschen. Die zeitgleichen Angriffe verdeutlichen, dass sich der Konflikt zunehmend als Austausch weitreichender Schläge entwickelt – mit Zivilisten auf beiden Seiten im Gefahrenbereich.
Drohnenwarnungen beeinträchtigten während benachbarter Angriffswellen zudem den Flugverkehr rund um Moskau. Für den Zeitraum vom 18. und 19. August lässt sich anhand der verfügbaren Quellen jedoch keine genaue Zahl von Ausfällen oder Verspätungen feststellen. Berichte über andere groß angelegte Angriffe nennen vorübergehende Einschränkungen an Flughäfen und Flugstörungen; Aussagen zu diesem konkreten Vorfall sollten daher vorsichtig formuliert werden.
Die ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne scheint darauf abzuzielen, die Kosten des Krieges in mehreren Bereichen gleichzeitig zu erhöhen:
Ein zentrales Merkmal ist die Reichweite. Frühere Berichte beschrieben ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, Rüstungsbetriebe, Luftwaffenstützpunkte und Logistikzentren Hunderte oder sogar Tausende Kilometer hinter der Grenze. Die Raffinerie in Ufa liegt nach AP-Angaben mehr als 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt und zählt zu den wichtigen russischen Produzenten von Schmierstoffen.
Die Ukraine greift russische Öl-Infrastruktur wiederholt an, um Einnahmen zu verringern, Treibstoffversorgung und Produktion zu stören und die Kosten für die Fortsetzung der Invasion zu erhöhen. Berichte verknüpften solche Angriffe mit Unterbrechungen in Raffinerien und Engpässen an einzelnen Tankstellen. Schätzungen zum landesweiten Verlust an Verarbeitungskapazität schwanken jedoch und verändern sich, sobald Anlagen den Betrieb wieder aufnehmen oder erneut aussetzen.
Eine einzelne belastbare Prozentzahl für die landesweite Raffineriekapazität lässt sich daher aus den Berichten zum 18. und 19. August nicht ableiten. Besonders hohe Reduktionen, die in ukrainischen oder anderen sekundären Berichten genannt werden, sollten als Schätzungen und nicht als abschließend geklärte Fakten verstanden werden.
Moskau warf Großbritannien vor, die ukrainische Kampagne für Angriffe tief im russischen Hinterland zu unterstützen oder zu ermöglichen. Anlass waren Berichte, wonach in Russland britische Drohnen eingesetzt worden seien. Russische Vertreter drohten mit nicht näher bezeichneten „Konsequenzen“. Die britische Regierung wies den Druck zurück und erklärte, das Vereinigte Königreich werde die Ukraine weiter unterstützen.
Die vorliegenden Berichte belegen weder, dass bei allen Angriffen vom 18. und 19. August britisch gelieferte Drohnen verwendet wurden, noch eine direkte operative Kontrolle Großbritanniens über die Kampagne. Der Streit steht vielmehr für Moskaus breiteren Versuch, westliche Militärhilfe als Eskalation des Krieges darzustellen.
Kiews mutmaßliche Strategie lautet: Wenn Öleinnahmen, Waffenproduktion, Transport und die innere Sicherheitslage Russlands dauerhaft unter Druck geraten, schrumpft Moskaus Handlungsspielraum und die Kosten des Krieges werden im eigenen Land sichtbarer. Das ist ein plausibles strategisches Ziel – aber kein Beleg dafür, dass die Angriffe im August Russlands Verhandlungsposition bereits verändert haben.
Kurzfristig führten sie zu einer weiteren Ausweitung des wechselseitigen Fernkampfs: Ukrainische Drohnen erreichten Ziele tief in Russland, während russische Angriffe weiterhin Zivilisten töteten und Infrastruktur in der Ukraine beschädigten. Die Operation vom 18. und 19. August steht damit für eine größere Reichweite und wachsenden Druck. Ihre politische Wirkung hängt jedoch davon ab, ob die kumulierten wirtschaftlichen, militärischen und innenpolitischen Kosten groß genug werden, um Entscheidungen im Kreml zu beeinflussen.