Trump verband die Entscheidung außerdem mit seinem Unmut über Südkorea. Seoul hatte sich nicht an den von Washington geführten militärischen Aktionen gegen Iran beteiligt.
Damit hatte die Anordnung zwei erkennbare politische Ebenen: Sie sollte den Weg für einen neuen Kontakt zu Pjöngjang ebnen und zugleich Druck auf den US-Verbündeten Südkorea ausüben.
Südkoreas Generalstab erklärte, die USA hätten die Anpassung angeregt. Die Verbündeten einigten sich darauf, die Dauer und den Umfang der Übung zu verkürzen; einige gemeinsame Feldmanöver wurden ebenfalls reduziert.
Nach Berichten südkoreanischer Medien konzentrierte sich die erste Phase auf die Abwehr eines Angriffs. Eine spätere Phase mit Gegenoffensivoperationen sollte demnach abgesagt oder verschoben werden. Diese Darstellung beruhte auf Medienberichten; ein vollständiger, abschließender Ablaufplan lag in der verfügbaren Berichterstattung nicht vor.
Das Pentagon teilte mit, dass auch verbundene Übungen mit scharfer Munition reduziert worden seien. Einige Veranstaltungen seien abgesagt oder in Simulationen umgewandelt worden. Das Verteidigungsministerium betonte jedoch, die Änderungen würden die vorgesehenen Ausbildungsziele nicht beeinträchtigen und die „wesentliche Einsatzbereitschaft“ der Verbündeten erhalten.
Südkoreanische Regierungsvertreter und Militärangehörige waren Berichten zufolge von Trumps Anordnung überrascht. Sie erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen waren und die Übung bereits begonnen hatte. In Seoul weckte das Fragen darüber, wie sich die kurzfristigen Änderungen auf die gemeinsame Verteidigungsplanung auswirken würden.
Der Kommandeur der US-Streitkräfte in Südkorea, General Xavier Brunson, besuchte anschließend das südkoreanische Verteidigungsministerium, um die Pläne zur Verkleinerung zu besprechen. Das Treffen zeigte, dass wichtige praktische Einzelheiten nach der politischen Anweisung noch geklärt werden mussten.
Südkoreas öffentliche Reaktion fiel entsprechend vorsichtig aus. Präsident Lee Jae Myung betonte, eine stabile Allianz mit den USA sei für die nationale Sicherheit unverzichtbar. Gleichzeitig äußerte Seoul die Hoffnung, erneute Kontakte zwischen Washington und Pjöngjang könnten die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verringern.
„Ulchi Freedom Shield“ ist eines der wichtigsten jährlichen gemeinsamen Verteidigungsmanöver der USA und Südkoreas. Für 2026 war die Übung an neue Bedingungen auf dem Gefechtsfeld angepasst worden. Vorgesehen war unter anderem die Beteiligung von rund 18.000 südkoreanischen Soldaten. Die Szenarien umfassten Drohnen, Störungen von GPS-Signalen und Cyberangriffe. Neben Gefechtsübungen gehörten auch Führungs- und Stabsanteile dazu.
Solche Manöver sind mehr als eine symbolische Machtdemonstration. Sie prüfen, ob beide Streitkräfte in einer Krise Informationen austauschen, Befehle koordinieren, Truppen und Nachschub bewegen sowie gemeinsam operieren können. US-amerikanische und südkoreanische Vertreter bezeichnen die Übungen als defensiv. Nordkorea stellt sie dagegen regelmäßig als Vorbereitung auf eine Invasion dar.
Die USA unterhalten zudem rund 28.500 Soldaten in Südkorea. Ihre dauerhafte Präsenz ist ein wichtiger Bestandteil des militärischen Gleichgewichts auf der Halbinsel. Gemeinsame Übungen sollen zeigen, wie diese Truppen im Krisenfall mit südkoreanischen Einheiten zusammenarbeiten würden.
Noch vor der Kürzung hatte Nordkorea die geplanten Manöver als provokativer als im Vorjahr verurteilt und als Vorbereitung auf eine militärische Konfrontation bezeichnet. Pjöngjang warnte außerdem, die Zusammenarbeit zwischen den USA, Südkorea und Japan entwickle sich zu einer „Nuklearallianz“. Darauf werde Nordkorea mit einer stärkeren Abschreckung reagieren.
Die verkürzte Übung erfüllt damit eine langjährige Forderung Nordkoreas: kleinere gemeinsame Manöver der USA und Südkoreas. In der verfügbaren Berichterstattung gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass Pjöngjang im Gegenzug Zurückhaltung bei seinem Atom- oder Raketenprogramm angeboten hätte. Genau diese fehlende Gegenseitigkeit ist ein zentraler Kritikpunkt.
Die trilaterale Zusammenarbeit zwischen den USA, Südkorea und Japan ist nicht auf die koreanische Halbinsel beschränkt. Sie betrifft unter anderem die Abschreckung und die Reaktion auf nordkoreanische Raketenbedrohungen. Deshalb ist die Glaubwürdigkeit dieses Sicherheitsnetzwerks auch für die regionale Stabilität wichtig. Nordkoreas öffentliche Reaktion macht deutlich, dass Pjöngjang diese Kooperation als Teil der Bedrohung betrachtet, gegen die es sich wappnen will.
Eine kurzfristige Änderung der Übungen kann deshalb über das bilaterale Verhältnis zwischen Washington und Seoul hinaus wirken. Sie berührt auch die Frage, wie verlässlich die gemeinsame militärische Planung und Abschreckung in Ostasien wahrgenommen werden.
Die Kürzung fiel mit neuen Signalen zusammen, dass Trump wieder direkten Kontakt zu Kim Jong Un aufnehmen möchte. Berichten zufolge könnte ein Treffen während Trumps erwarteten China-Besuchs im November zur Sprache kommen. Analysten bezweifeln allerdings, dass Nordkorea derzeit einen großen Anreiz für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch sieht.
Pjöngjang kann inzwischen auf engere Beziehungen zu Russland und China sowie auf eine geringere Abhängigkeit von einer Lockerung der Sanktionen verweisen als bei den Gipfeltreffen von 2018 und 2019. Beobachter warnen zudem, Kim könnte die Anerkennung Nordkoreas als Atomwaffenstaat verlangen – eine Bedingung, die Washington nicht akzeptieren dürfte.
Auch Südkoreas eigener Kurs verändert sich. Seoul entfernt sich von der bisherigen Forderung, eine vollständige und sofortige Denuklearisierung müsse die Voraussetzung für Gespräche sein. Stattdessen erwägt die Regierung zunächst Zwischenlösungen, etwa ein Einfrieren des bestehenden nordkoreanischen Atomprogramms und gegenseitige Maßnahmen zur Verringerung von Risiken.
Das könnte Diplomatie realistischer machen. Zugleich verändert es aber die Bedeutung möglicher Zugeständnisse: Eine kleinere Militärübung kann als vertrauensbildende Maßnahme verstanden werden – oder als Beleg dafür, dass Nordkoreanischer Druck erfolgreich ist. Analysten weisen darauf hin, dass Nordkoreas Fähigkeiten gewachsen sind und seine militärischen Beziehungen zu Russland seine Verhandlungsposition seit den früheren Gipfeln gestärkt haben.
Das Pentagon und Südkoreas Generalstab halten daran fest, dass die überarbeitete Übung ihre zentralen Ziele erfüllen und die grundlegende Einsatzbereitschaft bewahren kann. Die Kritik lautet nicht zwingend, dass ein fünftägiges Manöver die Verteidigungsfähigkeit der Verbündeten beseitigt. Problematisch sei vielmehr, dass eine kurzfristige Verkürzung wertvolle Gelegenheiten nimmt, die gesamte Abfolge von Verteidigung, Führung, Logistik und Gegenoffensive zu trainieren.
Hinzu kommt ein politisches Signal: Eine zentrale Allianz-Übung wurde ohne erkennbare Gegenleistung Pjöngjangs zu einem Instrument diplomatischer Verhandlungen. Trump wollte offenbar Raum für Gespräche mit Kim schaffen und zugleich seinen Ärger über Seoul ausdrücken. Der unmittelbare Preis dafür war jedoch zusätzliche Unsicherheit bei jenem Verbündeten, dessen Streitkräfte gemeinsam mit den USA für die Verteidigung der Halbinsel verantwortlich sind.
Der Zielkonflikt bleibt damit ungelöst. Die Kürzung kann eine Spannungsquelle verringern und neue Diplomatie unterstützen. Gleichzeitig droht sie, militärische Einsatzbereitschaft zu einem Verhandlungspfand zu machen – ausgerechnet in einer Phase, in der Nordkorea selbstbewusster auftritt, enger mit Russland verbunden ist und weniger auf jene Zugeständnisse angewiesen scheint, die frühere Gespräche geprägt haben.