Damit sahen die VAE eine neue Eskalationsstufe erreicht: Zuvor hatte Abu Dhabi Iran bereits für Angriffe auf mindestens drei ADNOC-nahe Schiffe verantwortlich gemacht, die die Straße von Hormus durchquerten. Dazu gehörten ein mutmaßlicher Raketenangriff sowie später gemeldete Drohnenangriffe auf zwei Tanker. Bei den berichteten ADNOC-Vorfällen wurden keine Verletzten gemeldet.
Aus Sicht der emiratischen Regierung ging es daher nicht mehr nur um die Gefährdung kommerzieller Schiffe in der strategischen Meerenge, sondern um eine behauptete direkte Bedrohung in oder nahe emiratischer Gewässer. Der Handelsstopp ist vor diesem Hintergrund sowohl eine Strafmaßnahme als auch ein politisches Signal: Ein normaler wirtschaftlicher Austausch mit Iran sei aus Sicht Abu Dhabis nicht aufrechtzuerhalten, solange die Schifffahrt unter Beschuss stehe.
Der Vorfall ereignete sich während eines seit fünf Monaten andauernden Kriegs zwischen den USA und Iran und einer schweren Unterbrechung des Verkehrs durch die Straße von Hormus. Ein im Juni unterzeichnetes Memorandum aus Islamabad hatte zwar eine vorübergehende Entspannung vorgesehen: Die US-Seeblockade sollte aufgehoben und eine sichere, kostenfreie Passage für Handelsschiffe für 60 Tage ermöglicht werden. Das Abkommen war jedoch kein dauerhafter politischer Vergleich.
Iran und Oman verhandelten anschließend über neue Fahrtrassen durch die Meerenge. Teheran betonte jedoch, ein Abkommen mit Oman allein werde die Wasserstraße nicht automatisch wieder öffnen. Iran verlangte unter anderem die Aufhebung der US-Seeblockade und der Sanktionen, den Abzug US-amerikanischer Truppen aus der Region sowie eine Entschädigung für Kriegsschäden.
Der mutmaßliche Raketenstart fiel damit in eine Phase, in der Deeskalationsbemühungen feststeckten. Washington erklärte, es liefen keine Gespräche zwischen den USA und Iran. Zugleich warnte Iran die Golfstaaten, jede Unterstützung oder Erleichterung US-amerikanischer Militäroperationen könne sie zu Beteiligten des Konflikts machen.
Oman nahm eine besonders heikle Rolle ein: Das Land vermittelte zwischen Iran und anderen Akteuren, stimmte sich zugleich aber mit den VAE über Sicherheitsfragen ab. Saudi-Arabien und weitere sunnitisch geprägte Staaten arbeiteten außerdem an gemeinsamen maritimen Verteidigungsvereinbarungen. Dahinter stand die Sorge, dass einzelne Angriffe auf Tanker zu einer umfassenden Sicherheitskrise am Golf anwachsen könnten.
Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus ist enorm. Sie ist die wichtigste Ausfahrt für einen großen Teil der Öl- und Flüssiggasexporte aus der Golfregion. Der starke Rückgang des Schiffsverkehrs – an einzelnen Tagen sollen nur wenige Schiffe die Meerenge passiert haben – zeigte, dass die faktische Blockade nicht allein durch offizielle Beschränkungen entstand. Auch Versicherer, Besatzungen und Reedereien mieden die Route aus Angst vor Angriffen.
Gesichert ist, dass die VAE den Handel und die Finanzbeziehungen mit Iran am 18. August 2026 bis auf Weiteres aussetzten und dies mit der regionalen Eskalation sowie mutmaßlichen Angriffen auf den Seeverkehr begründeten.
Nicht unabhängig durch die stärksten verfügbaren Quellen bestätigt sind dagegen einzelne Angaben wie bis zu 19 angeblich anvisierte Schiffe, ein exakter Vergleich von sechs Schiffen pro Tag, Todesfälle oder Verletzte auf anderen Schiffen sowie Einzelheiten zur Festsetzung eines Tankers vor Qeschm. Diese Angaben sollten daher als berichtete Behauptungen und nicht als gesicherte Tatsachen behandelt werden.