Das chinesische Handelsministerium hat gemeinsam mit acht weiteren Regierungsstellen einen Leitfaden veröffentlicht, der den Konsum in Landkreisen, Gemeinden und kleineren Städten beleben soll. Der Plan umfasst fünf große Handlungsfelder:
Der Vorstoß ist damit mehr als ein Programm zum Bau neuer Geschäfte. Er verbindet die Modernisierung von Verkaufsflächen mit besseren Lieferwegen, einem vielfältigeren Angebot und Maßnahmen, die Einkommen, Vertrauen und Bereitschaft zum Ausgeben stärken sollen.
Peking richtet den Blick auf Märkte, die im Vergleich zu den Metropolen noch weniger gesättigt sind. In Landkreisen und Gemeinden gibt es häufig eine geringere Auswahl an Geschäften, Marken und Dienstleistungen. Bessere Handelsstrukturen könnten den Menschen dort Zugang zu Produkten und Angeboten verschaffen, die in den großen Städten längst üblich sind – und so bisher nicht erfüllte Nachfrage in tatsächliche Ausgaben verwandeln.
Der Ansatz passt zum längerfristigen Ziel der Regierung, den privaten Konsum zu einer wichtigeren Wachstumssäule zu machen. Im zweiten Quartal stand eine schwache Nachfrage der privaten Haushalte einer robusteren Entwicklung von Produktion und Exporten gegenüber. Diese Unwucht gehört zu den zentralen Problemen, die Peking korrigieren will.
Eine sofortige Konsumwelle auf dem Land lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Ob der Plan wirkt, hängt davon ab, ob neue Geschäfte, Dienstleistungen und Logistikangebote den örtlichen Bedarf tatsächlich treffen – und ob die Haushalte über genügend Einkommen und Zuversicht verfügen, um mehr auszugeben. Die Regierung beschreibt die Märkte auf Kreisebene daher als strategisches zusätzliches Potenzial für die Binnennachfrage, nicht als garantiertes kurzfristiges Heilmittel.
Die bisherigen Signale sprechen für eine schrittweise Unterstützung. Bei einem Treffen Ende Juli plädierten Chinas führende Politiker dafür, die bereits budgetierten Infrastrukturprojekte schneller umzusetzen, statt ein umfangreiches neues Konjunkturprogramm aufzulegen. Auch Analysten rechnen eher mit maßgeschneiderten Maßnahmen. Dahinter stehen Sorgen über eine zu hohe Verschuldung, ineffiziente Investitionen und die Nachteile einer Rückkehr zu breit angelegten, kreditgetriebenen Stimuli.
Das bedeutet nicht, dass Peking untätig bleibt. Eine schnellere Umsetzung genehmigter Projekte, gezielte Konsumanreize und Unterstützung für private Investitionen können die Wirtschaft stabilisieren, ohne ein landesweites Paket von historischer Größenordnung zu beschließen. Der Plan für Landkreise passt zu dieser Linie: Er soll konkrete Engpässe bei Vertrieb und Konsum beseitigen, statt allein auf einen neuen Kredit- oder Immobilienboom zu setzen.
Auch bei der Geldpolitik zeichnet sich Vorsicht ab. In einer Reuters-Umfrage erwarteten alle 25 Befragten, dass Chinas einjähriger und fünfjähriger Loan Prime Rate (LPR) im August unverändert bei 3,00 beziehungsweise 3,50 Prozent bleiben.
Der entscheidende Test wird die Umsetzung sein. Beobachter werden darauf achten, ob lokale Regierungen bestehende Handelsstandorte tatsächlich modernisieren, Händler und Marken anziehen, Liefernetzwerke verbessern und Dienstleistungen so ausbauen, dass daraus messbare zusätzliche Ausgaben der Haushalte entstehen.
Ebenso wichtig ist, ob Peking die bereits genehmigten Infrastrukturinvestitionen beschleunigt oder weitere gezielte Maßnahmen beschließt, falls die Nachfrage schwach bleibt. Die Botschaft ist vorerst eindeutig: Li Qiang verlangt nach dem breit angelegten Abschwung im Juli mehr Unterstützung – doch China versucht zunächst, Konsumreserven in kleineren Märkten zu erschließen und vorhandene finanzpolitische Instrumente zu nutzen, bevor es zu einem deutlich größeren Stimulus greift.