Frühe Berichte sprachen von mindestens drei maskierten Eindringlingen. Spätere Darstellungen gingen von mindestens vier Beteiligten aus – offenbar waren einige von ihnen außerhalb des Museums geblieben. Die Gruppe gelangte in die Ausstellungsräume, beschädigte oder zerlegte Sicherungen und Vitrinen, nahm die Werke an sich und entkam nach verschiedenen Berichten innerhalb von etwa zwei bis fünf Minuten.
Wie genau die Sicherheitssysteme reagierten, ist noch nicht abschließend geklärt. Zunächst hieß es, die Täter hätten Alarmanlage und weitere Schutzvorkehrungen umgangen. Später berichteten italienische Medien, der Alarm sei ausgelöst worden und Überwachungskameras hätten den Vorgang aufgezeichnet. Die Wachen sollen den Alarm jedoch abgeschaltet haben, ohne die Ausstellungsräume sofort zu kontrollieren oder die Polizei zu verständigen. Museumsdirektorin Marisa Mercurio erklärte, Alarmanlage und Kameras hätten funktioniert.
Nach dem bisherigen Stand wurden folgende Werke gestohlen:
Die Täter hatten zunächst alle fünf noch erhaltenen Tafeln des Polyptychons aus dem Museum entfernt. Zwei davon ließen sie außerhalb des Gebäudes zurück, offenbar unter Zeitdruck. Beide wurden anschließend sichergestellt. Welche konkreten Tafeln dies waren, ist in den öffentlichen Berichten nicht einheitlich dokumentiert. Sicher ist daher nur: Zwei Polyptychon-Tafeln befinden sich wieder in staatlicher Verwahrung; drei Tafeln sowie das doppelseitige Bild werden weiterhin vermisst.
Der Raub hat damit nicht nur eine Museumssammlung beschädigt. Er hat einen großen Teil eines historischen Altarwerks aus seinem Zusammenhang gerissen – und die wenigen erhaltenen Zeugnisse seiner ursprünglichen Gestalt weiter voneinander getrennt.
Der Wert der fehlenden Werke wird von Behörden und Medien auf bis zu 80 Millionen Euro geschätzt, etwa 93 Millionen US-Dollar. Eine solche Zahl bleibt zwangsläufig vorläufig: Einzigartige Renaissancewerke sind keine gewöhnlichen Handelswaren, und ihre kulturelle Bedeutung lässt sich nicht auf einen Auktionspreis reduzieren.
Antonello da Messina wurde in Messina geboren und gilt als einer der bedeutendsten italienischen Maler des 15. Jahrhunderts. Seine Kunst verbindet die Bildsprache der italienischen Renaissance mit einer für die niederländische Ölmalerei typischen Detailgenauigkeit und Materialwirkung.
Für Messina besitzt das San-Gregorio-Polyptychon eine besondere Bedeutung. Es war das einzige erhaltene Werk Antonellos, das in seiner Heimatstadt geblieben war. Durch den teilweisen Diebstahl ist ein zentraler Bestandteil des städtischen und sizilianischen Kulturerbes aus der öffentlichen Sicht verschwunden.
Auch die doppelseitige Tafel gehört zu den seltenen erhaltenen Arbeiten des Malers. Gemeinsam sind die gestohlenen Werke nicht nur für Messina wichtig, sondern auch für Museen und Forschende, die die Entwicklung der Renaissancekunst in Italien und Europa untersuchen.
Ein möglicher „Job von innen“ ist bislang eine Ermittlungsthese und kein erwiesenes Ergebnis. Verdächtig wirken aus Sicht der Ermittler die außergewöhnliche Geschwindigkeit des Raubs, die offenbar genaue Kenntnis vom Aufbewahrungsort der Werke, widersprüchliche Angaben zum Sicherheitsablauf und der Vorwurf, ein ausgelöster Alarm sei abgeschaltet worden.
Die Polizei befragte die vier Wachen, die in jener Nacht Dienst hatten. Ihre Aussagen werden mit Videoaufnahmen, Alarmprotokollen und den Zugangs- und Sicherheitsabläufen des Museums abgeglichen. Untersucht wird, ob das Verhalten des Personals, technische Schwachstellen oder eine verzögerte Reaktion den Tätern den schnellen Abtransport ermöglichten. Medien berichteten außerdem, gegen die vier Wachen solle ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Das ist jedoch kein Beleg für eine strafrechtliche Verantwortung.
Ein wichtiger Unterschied bleibt: Alarmanlage und Kameras können technisch funktioniert haben, während die menschliche Reaktion auf die Warnsignale trotzdem versagte. Genau welche Erklärung durch die Beweise gestützt wird, soll die Untersuchung klären.
Die vermissten Werke sind gut dokumentiert, eindeutig mit einem berühmten Künstler, einem bestimmten Museum und einem viel beachteten Kunstraub verbunden. Ein Verkauf über ein seriöses Auktionshaus, einen etablierten Händler oder einen legitimen Sammler wäre deshalb besonders riskant und leicht nachverfolgbar.
Das bedeutet nicht, dass die Bilder sicher sind. Gestohlene Kunst kann versteckt, über illegale Netzwerke weitergegeben oder für Lösegeld- und Erpressungsversuche eingesetzt werden. Der geringe Spielraum für einen normalen Verkauf erschwert den Tätern das Geschäft, schließt einen kriminellen Markt aber nicht aus.
Der Raub in Messina folgte unmittelbar auf einen bedeutenden Fahndungserfolg in Norditalien. Am 14. August gaben die Carabinieri die Wiederbeschaffung von Gemälden von Renoir, Cézanne und Matisse bekannt, die im März aus der Magnani-Rocca-Stiftung nahe Parma gestohlen worden waren. Fünf Menschen wurden im Zusammenhang mit den Ermittlungen festgesetzt. Sichergestellt wurden Renoirs Fish, Cézannes Still Life with Cherries und Matisses Odalisque on the Terrace.
Die beiden Fälle zeigen, wie verwundbar Museen gegenüber extrem schnellen Einbrüchen sind – und welche Rolle Italiens spezialisierte Kulturgutpolizei bei der späteren Rückverfolgung gestohlener Kunst spielt. Die Rückholung der Werke bei Parma ist ein Anlass für vorsichtigen Optimismus, bedeutet aber nicht, dass die Antonello-Bilder bereits gefunden worden sind.
Antonello da Messina stand 2026 zudem verstärkt im öffentlichen Blickpunkt. Im Februar kaufte der italienische Staat über Sotheby’s für rund 14,9 Millionen US-Dollar eine Tafel mit dem Titel Ecce Homo beziehungsweise Saint Jerome in Penitence. Einige Kommentatoren und Lokalpolitiker vermuteten, der Kauf und die damit verbundene Aufmerksamkeit könnten den wirtschaftlichen Wert von Antonellos Werken stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt haben. Belege dafür, dass die Transaktion den Raub verursacht oder unmittelbar ermöglicht hat, gibt es nicht.
Die Ermittler müssen weiterhin klären, auf welchem Weg die Täter in das Museum gelangten, wie viele Personen beteiligt waren, welche Rollen sie hatten und wie genau der Sicherheitsalarm behandelt wurde. Auch die Frage, ob jemand mit Insiderwissen geholfen hat, ist offen.