Lithografieanlagen übertragen die Strukturen eines Chips auf Siliziumwafer. DUV steht für „Deep Ultraviolet“, also tiefes Ultraviolett. Immersionssysteme dieser Art werden in vielen Fertigungsschritten eingesetzt. Sie sind jedoch nicht mit EUV-Anlagen gleichzusetzen – der Extrem-Ultraviolett-Technologie für besonders fortschrittliche Chipstrukturen.
Der chinesische Vorstoß stellt daher vor allem einen Teil von ASMLs Produktportfolio infrage, der stärker durch lokale Konkurrenz ersetzbar sein könnte. Die zentrale Position des Unternehmens bei EUV wird dadurch nicht unmittelbar entkräftet.
Besonders heikel ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der Exportkontrollen. Die Niederlande und die USA haben den Verkauf bestimmter fortschrittlicher Lithografieanlagen nach China eingeschränkt. Diese Beschränkungen könnten zugleich den Anreiz für chinesische Ausrüster und Chipproduzenten erhöhen, eine eigenständigere Lieferkette aufzubauen. Reuters beschrieb ASML deshalb als Unternehmen, das zwischen den Technologieauflagen der USA und Chinas Streben nach weniger Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten steht.
Für Anleger ergeben sich daraus zwei miteinander verbundene Risiken:
Die Kursreaktion war daher vorwegnehmend. Die verfügbaren Berichte belegen nicht, dass ASML bereits in großem Umfang Aufträge verloren hat. Analysten verwiesen vielmehr auf offene Fragen zur Leistung, Produktionskapazität und Vergleichbarkeit der chinesischen Maschinen.
ASMLs Zahlen für das zweite Quartal waren überzeugend. Das Unternehmen meldete 9,3 Milliarden Euro Umsatz und eine Bruttomarge von 54 Prozent. Zugleich hob ASML die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 36 bis 40 Milliarden auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Die erwartete Bruttomarge liegt nun bei 54 bis 56 Prozent.
Hinter dem besseren Ausblick steht die starke Nachfrage von Kunden, die ihre Kapazitäten für moderne Logik- und Speicherchips ausbauen – auch im Zusammenhang mit Investitionen in KI-Chips.
Diese Zahlen stützen ASMLs kurzfristige Gewinnperspektive. Sie schließen jedoch ein mögliches Verdrängungsrisiko in einigen Jahren nicht aus. Ein Unternehmen kann aktuelle Aufträge und steigende Prognosen vorweisen, während seine Aktie fällt, wenn der Markt künftig mit mehr Wettbewerb oder einem schlechter zugänglichen Kernmarkt rechnet.
Der entscheidende Unterschied lautet daher:
ASML war nach einer kräftigen Rally bereits hoch bewertet. Eine neue Wettbewerbsnachricht kann Anleger dazu bringen, Gewinne mitzunehmen, Positionen zu verkleinern oder für künftiges Wachstum ein niedrigeres Bewertungsniveau zu akzeptieren.
Zusätzlichen Druck könnte die Schwäche bei anderen Halbleiter- und Ausrüsteraktien ausgelöst haben. Am 18. August gaben unter anderem ASM International und Applied Materials nach. Die verfügbaren Quellen erlauben jedoch keine eindeutige Aufteilung, welcher Anteil des Rückgangs auf China-Sorgen, Gewinnmitnahmen, Umschichtungen oder die allgemeine Sektorschwäche entfiel.
Diese Faktoren sollten deshalb eher als mögliche Verstärker betrachtet werden – nicht als präzise ermittelte Einzelursachen.
Die Meldung über chinesische DUV-Anlagen ist bedeutsam. „Massenproduktion“ allein bedeutet aber noch nicht, dass eine wettbewerbsfähige Alternative für den breiten kommerziellen Einsatz bereitsteht. Entscheidend ist, ob die Systeme eine vergleichbare Überlagerungsgenauigkeit, Verfügbarkeit, Ausbeute und Servicequalität erreichen. Ebenso wichtig ist, ob die Produktion über eine erste begrenzte Serie hinaus skaliert werden kann. Analysten nannten gerade Leistung und Produktionsumfang als wesentliche Unsicherheiten.
Für ASML sind vor allem diese Punkte relevant:
Der Ausverkauf der ASML-Aktie am 18. August lässt sich am besten als Neubewertung der langfristigen Wachstums- und Bewertungsprämie verstehen – nicht als direkte Zurückweisung der Quartalszahlen. Chinas gemeldete Fortschritte bei Immersions-DUV-Anlagen weckten die Sorge, dass heimische Chipproduzenten künftig einen Teil der ASML-Systeme ersetzen könnten. Die Exportkontrollen verstärken diesen Anreiz zusätzlich.
Gleichzeitig zeigten 9,3 Milliarden Euro Quartalsumsatz, eine Bruttomarge von 54 Prozent und die auf 43 bis 45 Milliarden Euro angehobene Umsatzprognose für 2026, dass die kurzfristige Nachfrage weiterhin stark ist.
Genau diese Spannung erklärt die Marktreaktion: Die Geschäftszahlen sprechen für ASMLs Stärke heute – Chinas DUV-Ambitionen stellen jedoch einen Teil des Wachstumsaufschlags infrage, den Anleger dem Unternehmen für die Zukunft zugeschrieben hatten.