Die Investmentthese geht über den Robotaxi-Markt in China hinaus. Die Bank sieht Momenta als führenden unabhängigen Anbieter von Lösungen für autonomes Fahren weltweit – also als Technologiezulieferer, der nicht an einen einzigen Fahrzeughersteller gebunden ist und sowohl Fahrassistenzsysteme als auch Robotaxi-Technik liefern kann.
Für die Expansion verfügt Momenta zudem über frisches Kapital: Beim Börsengang in Hongkong nahm das Unternehmen rund 5,89 Milliarden Hongkong-Dollar ein, umgerechnet etwa 751 Millionen US-Dollar. Die Aktien wurden am oberen Ende der Preisspanne platziert. Ein Teil der Mittel soll in Forschung und Entwicklung, zusätzliche Rechenkapazität für künstliche Intelligenz und die Weiterentwicklung autonomer Mobilitätsdienste fließen.
Pony.ai verfolgt einen stärker auf den Endkunden ausgerichteten Ansatz. Das Unternehmen und Uber wollen gemeinsam mehr als 2.000 Robotaxis in Europa einsetzen. Die Vereinbarung baut auf dem bestehenden kommerziellen Dienst in Zagreb auf und soll auf vier weitere europäische Städte ausgeweitet werden. Welche Städte hinzukommen und wann der Rollout abgeschlossen sein soll, wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Die Aufgaben sind dabei aufgeteilt: Pony.ai liefert die Level-4-Technologie und das Know-how für den Betrieb autonomer Fahrzeuge. Uber stellt seine Mobilitätsplattform bereit – einschließlich Buchung, Bezahlung und Zugang zu einem großen Kundenstamm. Lokale Betreiber können zusätzlich die konkreten Flotten vor Ort führen.
Dieses Modell senkt eine der größten Hürden beim internationalen Markteintritt: Pony.ai muss nicht gleichzeitig eine eigene App, einen eigenen Kundenkanal und eine komplette lokale Betriebsstruktur aufbauen. Uber wiederum erhält Zugang zu autonomer Fahrtechnologie, ohne diese vollständig selbst entwickeln zu müssen.
Die beiden Expansionen deuten auf einen Strategiewechsel hin. Es geht zunehmend nicht mehr nur darum, autonome Fahrzeuge in China vorzuführen oder einzelne Pilotprojekte zu starten. Chinesische Anbieter versuchen, eine exportierbare Industrie aufzubauen:
Momenta steht dabei für die eher industrielle Seite des Geschäfts: Softwareintegration, Autohersteller und regulatorische Validierung. Pony.ai demonstriert den Plattform- und Flottenansatz: Technologie, lokaler Betrieb und ein globaler Vermittlungsdienst werden miteinander kombiniert.
Der Weg zum Massenmarkt ist trotzdem noch nicht frei. Jede Stadt und jedes Land kann zusätzliche Anforderungen an Genehmigungen, Sicherheit, Versicherung, Flottenbetrieb und den Umgang mit Fahrgästen stellen. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung bleibt entscheidend. Die angekündigten mehr als 2.000 Fahrzeuge markieren daher ein Expansionsziel – nicht die Zahl der Robotaxis, die bereits in Europa unterwegs sind.