Damit wechselt vor allem die Verantwortung für das operative Geschäft und die Führung des Verwaltungsrats. Li Shufus Einfluss bleibt über seine Eigentümerrolle und seine Position bei Zhejiang Geely Holding erhalten.
In der Mitteilung des Unternehmens wird Li Shufus Rücktritt mit der langfristigen Nachfolgeplanung begründet. Die neue Struktur solle außerdem die Übertragung von Verantwortung an ein professionelleres Management stärken und die Unternehmensführung weiterentwickeln.
Lis Verweis auf jüngere Fachkräfte deutet auf einen Übergang von einer stärker gründergeprägten Aufsicht zu einem Managementteam hin, das unmittelbar für die nächste Entwicklungsphase des börsennotierten Autobauers verantwortlich ist. Die Ankündigung wirkt dabei wie eine geordnete Erneuerung – nicht wie ein abrupter Abschied: Li behält einen Ehrenposten und die Führung der Holding, während langjährige Geely-Manager bei Geely Auto an die Spitze rücken.
Die Personalentscheidung fiel kurz nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen für 2026. Geely Auto erzielte im ersten Halbjahr einen Rekordumsatz von 173,6 Milliarden RMB – 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der den Eigentümern des Mutterunternehmens zurechenbare Gewinn ging dagegen um 1,8 Prozent auf 9,091 Milliarden RMB zurück.
Beim Blick auf die operative Entwicklung ergibt sich ein differenzierteres Bild. Der um unter anderem Wechselkurseffekte und Wertminderungen bereinigte Kerngewinn, der den Eigentümern des Mutterunternehmens zugerechnet wird, stieg um 46 Prozent auf 9,684 Milliarden RMB.
Rekordumsatz und deutlich höherer Kerngewinn stehen somit einem leicht niedrigeren ausgewiesenen Gewinn gegenüber. Das zeigt, wie anspruchsvoll der Zeitpunkt der Übergabe ist: Geely wächst, steht aber zugleich in einem besonders intensiven Wettbewerb auf dem chinesischen Automarkt. Preis- und andere nicht operative Effekte können das berichtete Ergebnis beeinflussen. Die Zahlen sprechen daher nicht für eine einfache Gewinnwachstumsgeschichte, sondern für ein gemischtes Bild.
Der wichtigste Wachstumstreiber im ersten Halbjahr war das Auslandsgeschäft. Die Exporte stiegen im Jahresvergleich um 158 Prozent auf 474.228 Fahrzeuge. Gleichzeitig sanken die Verkäufe im chinesischen Heimatmarkt um 22,6 Prozent.
Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der neuen Führung. Geely muss den Druck im heimischen Markt bewältigen und gleichzeitig die Abläufe beim internationalen Ausbau steuern. Mit An Conghui als Vorsitzendem und Gan Jiayue als CEO stehen zwei erfahrene Geely-Manager im Zentrum dieser nächsten Phase. Li Shufu bleibt derweil in der Holding an strategisch wichtiger Stelle.
Das ändert sich: Li Shufu ist nicht mehr Vorsitzender des Verwaltungsrats von Geely Auto und gehört dem Gremium nicht länger als geschäftsführendes Vorstandsmitglied an. An Conghui übernimmt den Vorsitz, Gan Jiayue wird CEO.
Das bleibt: Li ist weiterhin Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit, kontrollierender Aktionär von Geely Auto und Vorsitzender der Zhejiang Geely Holding Group. Gui Shengyue und Li Donghui bleiben als geschäftsführende Vorstandsmitglieder im Verwaltungsrat, übernehmen jedoch andere Führungsaufgaben.
Das Ergebnis ist eine sorgfältig vorbereitete Nachfolge: Die operative Macht geht an ein jüngeres professionelles Führungsteam über, während der Einfluss des Gründers über Eigentum und Konzernstruktur bestehen bleibt.