Vor dem erwarteten Versuch wurde die Grenze auf beiden Seiten deutlich stärker gesichert. Marokko stationierte Hunderte Sicherheitskräfte, unterstützt von Militärangehörigen, rund um Fnideq und an den Zufahrten nach Ceuta. Spanien verstärkte seinerseits die Patrouillen in der Exklave und entsandte zusätzliche Polizisten sowie Beamte der Guardia Civil vom spanischen Festland.
Berichten zufolge sammelten sich Gruppen in den Hügeln nahe der Grenze und bewegten sich in Richtung Ceuta. Die Polizei setzte nach Angaben internationaler Medien Tränengas ein, um einige Gruppen auseinanderzutreiben.
Die Behörden beobachteten zudem die Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Marokko erklärte, mehrere Menschen festgenommen zu haben, die im Verdacht stünden, zu massenhaften irregulären Grenzübertritten nach Ceuta und Melilla aufgerufen zu haben. Diese Festnahmen sind von den 111 Menschen zu unterscheiden, die beim Versuch festgesetzt wurden, die Grenze zu erreichen oder zu überqueren. Die verfügbaren Berichte belegen nicht, wie viele der 111 – falls überhaupt – mit der Organisation der Online-Kampagne in Verbindung gebracht wurden.
Bestätigt ist eine umfangreiche Präsenz marokkanischer und spanischer Sicherheitskräfte, darunter auch Militärpersonal. Eine genaue operative Rolle von Drohnen oder Hubschraubern lässt sich anhand der verfügbaren Quellen dagegen nicht unabhängig belegen. Diese Angaben sind daher mit Vorsicht zu behandeln.
Der Einsatz vom 15. August erfolgte rund zwei Wochen nach einem außergewöhnlich großen und tödlichen Ansturm auf Ceuta. Spaniens Innenminister erklärte, zwischen dem 30. und 31. Juli seien etwa 72.000 Menschen in die Exklave gelangt. Andere Berichte nannten Schätzungen zwischen rund 60.000 und 80.000 Menschen. Die Unterschiede hängen mit abweichenden Erhebungen und Berichtszeitpunkten zusammen.
Auch die Zahl der Todesopfer ist nicht abschließend geklärt. Nach frühen spanischen Behördenangaben starben 75 Menschen auf der spanischen Seite und 11 in Marokko. Hilfsorganisationen bezifferten die Gesamtzahl später auf mehr als 140 Tote. Die höhere Schätzung wurde bislang nicht mit den früheren offiziellen Zahlen in Einklang gebracht.
Viele Menschen überquerten die Grenze zu Fuß oder auf dem Seeweg. Der Zustrom überforderte die Aufnahmekapazitäten der kleinen Exklave. Nach dem Ansturm hielten sich dort weiterhin mehr als 1.000 unbegleitete Minderjährige auf, was die Unterbringung und die lokalen Dienste zusätzlich belastete.
Die Antwort hängt davon ab, wann gezählt wurde und welche Behörde die Schätzung abgab:
Diese Angaben sind keine einheitliche, endgültig bestätigte Zahl. Sie stammen aus unterschiedlichen Zeitpunkten und beruhen auf verschiedenen Zählmethoden. Spätere Berichte nannten zudem höhere lokale Schätzungen. Das verdeutlicht, wie schwierig die Erfassung nach einem überlastenden Massenansturm und angesichts von Rückkehrbewegungen war.
Der Ansturm Ende Juli entwickelte sich rasch zu einer diplomatischen Krise. Spanische und Behördenvertreter aus Ceuta warfen Marokko vor, die Massenbewegung zumindest zugelassen oder in manchen Darstellungen sogar gefördert zu haben. Sie werteten die Ereignisse als Druckmittel gegen Spanien und als Herausforderung seiner territorialen Integrität.
Die marokkanische Zusammenarbeit bei der Verhinderung des Versuchs vom 15. August verringerte zwar unmittelbar das Risiko eines erneuten Massenübertritts. Das Misstrauen, das durch die Juli-Ereignisse entstanden war, beseitigte sie jedoch nicht. Die Krise machte zugleich deutlich, wie stark die Kontrolle der Außengrenze von Ceuta von der Kooperation marokkanischer Behörden auf der anderen Seite abhängt.
Die Auswirkungen beschränkten sich nicht auf die Grenze bei Ceuta. Italien führte vorübergehend Kontrollen für bestimmte Reisende ein, die aus Spanien ankamen. Rom begründete dies mit der Sorge, dass Menschen, die nach Ceuta gelangt waren, anschließend über den Schengen-Raum weiterreisen könnten. Da Italien und Spanien keine gemeinsame Landgrenze haben, betraf die Maßnahme praktisch vor allem den Luft- und Seeverkehr.
Spanien führte später seinerseits für einen Monat Kontrollen bei Flug- und Schiffsankünften aus Italien ein. Der Streit offenbarte eine grundsätzliche Spannung im Schengen-System: Eine Krise an einer EU-Außengrenze kann dazu führen, dass andere Mitgliedstaaten Kontrollen an eigentlich offenen Binnengrenzen wieder einführen.
22 EU-Mitgliedstaaten forderten eine koordinierte europäische Antwort und einen besseren Schutz der Außengrenzen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief ebenfalls zu einem gemeinsamen Vorgehen bei der Grenzsicherung auf.
Die Europäische Kommission entsandte Migrationsexperten nach Ceuta. Sie sollten die Lage vor Ort bewerten und prüfen, wie die EU die spanischen Behörden unterstützen könnte. Die Mission war als Bestandsaufnahme des unmittelbaren Hilfsbedarfs und möglicher Unterstützung angelegt – nicht als abschließende Lösung des politischen Konflikts zwischen Spanien und Marokko.
Die Operation vom 15. August verhinderte den befürchteten zweiten Massenübertritt. Das am klarsten bestätigte Ergebnis war die Festnahme von mindestens 111 Menschen nahe Fnideq – vor dem Hintergrund eines deutlich verstärkten Sicherheitsaufgebots und einer Online-Kampagne, die zu einem weiteren Versuch aufgerufen hatte.
Die grundlegende Krise ist damit jedoch nicht gelöst. Die Zahl der Menschen, die noch in Ceuta verblieben, blieb umstritten; auch die Opferzahl des Juli-Ansturms ist nicht abschließend geklärt. Zugleich wirken die Ereignisse weiter auf das Verhältnis zwischen Spanien und Marokko, die europäische Migrationspolitik und die praktische Funktionsweise der Freizügigkeit im Schengen-Raum ein.