Mindestens eine Benzinladung aus Indien gelangte im August auf den russischen Inlandsmarkt, wie Branchenquellen und Schiffsdaten zeigen. Das wirkt auf den ersten Blick wie eine bemerkenswerte Kehrtwende: Russland, ein großer Ölproduzent, bezieht Benzin aus dem Ausland.
Der Vorgang ist allerdings weniger eine formelle politische Wende Indiens als ein über Händler abgewickeltes Geschäft. Das Benzin stammte Berichten zufolge aus der indischen Raffinerie Vadinar von Nayara Energy. Der russische Ölkonzern Rosneft hält 49 Prozent an Nayara.
Gemeldete Umladungen von Schiff zu Schiff sowie der Einsatz Russland nahestehender Schiffe erschwerten die Nachverfolgung der direkten Handelsroute. Indien bestreitet einen direkten Verkauf an Russland. Das muss einem Weiterverkauf durch Zwischenhändler jedoch nicht widersprechen: Händler können die Ware kaufen und anschließend an einen anderen Abnehmer veräußern.
Besonders folgenreich sind Schäden an spezialisierten Raffinerieeinheiten. Nach einem ukrainischen Drohnenangriff am 11. August stellte die Raffinerie Orsknefteorgsintez ihre Verarbeitung vollständig ein. Der Gouverneur der Region erklärte, die Reparaturen könnten bis zu sechs Monate dauern.
Dabei geht es nicht nur um die unmittelbaren Schäden durch Feuer oder Trümmer. Viele Anlagen und Komponenten stammen aus dem Ausland. Sanktionen und Exportkontrollen erschweren den Ersatz und können die Stillstände deshalb deutlich verlängern.
Die Produktionsausfälle haben in mehreren russischen Regionen zu Benzinmangel, langen Schlangen, höheren Preisen und einer Begrenzung der Abgabemengen geführt. Mitte August verschärften Behörden in mindestens zehn Regionen erneut die Regeln für den Verkauf von Kraftstoff. Auch im Moskauer Umland war Benzin an einzelnen Tankstellen zeitweise nicht verfügbar, während Diesel vielerorts weiterhin angeboten wurde.
Die Regierung versucht, die Lücke mit Notmaßnahmen zu schließen. Dazu gehören Exportbeschränkungen für Mineralölprodukte, zusätzliche Lieferungen per Bahn aus Belarus und Kasachstan sowie die Zulassung von Kraftstoff mit teilweise niedrigeren Umweltstandards für den heimischen Markt.
Diese Schritte können regionale Engpässe vorübergehend abmildern. Sie ersetzen jedoch keine ausgefallene Raffineriekapazität. Solange beschädigte Anlagen nicht repariert sind, bleibt die Versorgung anfällig.
Der Engpass betrifft vor allem raffinierte Produkte – also Benzin, Diesel und Kerosin – und nicht einfach nur Rohöl. Die russischen Ausfälle fallen mit den Folgen des Iran-Konflikts zusammen: Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist eingeschränkt, Angriffe haben Raffinerien im Nahen Osten getroffen, und mehrere Länder reduzieren ihre Verarbeitung oder ihre Kraftstoffexporte.
Nach Reuters haben Angriffe im Zusammenhang mit den Kriegen in Iran und der Ukraine in den vergangenen Monaten fast neun Prozent der weltweiten Raffineriekapazität außer Betrieb gesetzt. Gleichzeitig sind die Lagerbestände niedrig und die Nachfrage nach Agrardiesel saisonal besonders hoch.
Ein deutliches Signal des angespannten Marktes war der US-Diesel-Crack-Spread. Dieser misst den Abstand zwischen dem Diesel- und dem Rohölpreis und damit vereinfacht gesagt den Wert, der bei der Verarbeitung von Rohöl zu Diesel entsteht. Am 17. August erreichte er mit 102,20 US-Dollar je Barrel einen Rekordstand.
Das bedeutet nicht, dass Diesel an der Tankstelle plötzlich 100 US-Dollar pro Barrel teurer wurde. Es zeigt vielmehr, dass Diesel im Verhältnis zu Rohöl außergewöhnlich knapp und die Verarbeitung entsprechend wertvoll geworden ist.
Die verfügbaren Belege stützen mehrere Entwicklungen: Russland verfügt über weniger raffinierte Produkte, seine Exportmöglichkeiten sind gesunken, und das Land greift auf Lieferungen aus Indien und Belarus sowie auf Verkaufsbeschränkungen zurück.
Nicht ausreichend belegt sind dagegen weitergehende Behauptungen über einen historischen Tiefstand der russischen Raffinerieproduktion, einen konkret bezifferten Einbruch der Benzinverkäufe in Sankt Petersburg oder einen nachweisbaren kausalen Rückgang der Zustimmung zu Präsident Wladimir Putin. Kraftstoffmangel kann politischen Druck erzeugen. Um eine Veränderung von Zustimmungswerten jedoch eindeutig darauf zurückzuführen, wären unabhängige, methodisch belastbare Umfragen und eine entsprechende Kausalanalyse nötig.
Mindestens eine Benzinladung aus Indien gelangte im August auf den russischen Inlandsmarkt, wie Branchenquellen und Schiffsdaten zeigen. Das wirkt auf den ersten Blick wie eine bemerkenswerte Kehrtwende: Russland, ein großer Ölproduzent, bezieht Benzin aus dem Ausland.
Der Vorgang ist allerdings weniger eine formelle politische Wende Indiens als ein über Händler abgewickeltes Geschäft. Das Benzin stammte Berichten zufolge aus der indischen Raffinerie Vadinar von Nayara Energy. Der russische Ölkonzern Rosneft hält 49 Prozent an Nayara.
Gemeldete Umladungen von Schiff zu Schiff sowie der Einsatz Russland nahestehender Schiffe erschwerten die Nachverfolgung der direkten Handelsroute. Indien bestreitet einen direkten Verkauf an Russland. Das muss einem Weiterverkauf durch Zwischenhändler jedoch nicht widersprechen: Händler können die Ware kaufen und anschließend an einen anderen Abnehmer veräußern.
Besonders folgenreich sind Schäden an spezialisierten Raffinerieeinheiten. Nach einem ukrainischen Drohnenangriff am 11. August stellte die Raffinerie Orsknefteorgsintez ihre Verarbeitung vollständig ein. Der Gouverneur der Region erklärte, die Reparaturen könnten bis zu sechs Monate dauern.
Dabei geht es nicht nur um die unmittelbaren Schäden durch Feuer oder Trümmer. Viele Anlagen und Komponenten stammen aus dem Ausland. Sanktionen und Exportkontrollen erschweren den Ersatz und können die Stillstände deshalb deutlich verlängern.
Die Produktionsausfälle haben in mehreren russischen Regionen zu Benzinmangel, langen Schlangen, höheren Preisen und einer Begrenzung der Abgabemengen geführt. Mitte August verschärften Behörden in mindestens zehn Regionen erneut die Regeln für den Verkauf von Kraftstoff. Auch im Moskauer Umland war Benzin an einzelnen Tankstellen zeitweise nicht verfügbar, während Diesel vielerorts weiterhin angeboten wurde.
Die Regierung versucht, die Lücke mit Notmaßnahmen zu schließen. Dazu gehören Exportbeschränkungen für Mineralölprodukte, zusätzliche Lieferungen per Bahn aus Belarus und Kasachstan sowie die Zulassung von Kraftstoff mit teilweise niedrigeren Umweltstandards für den heimischen Markt.
Diese Schritte können regionale Engpässe vorübergehend abmildern. Sie ersetzen jedoch keine ausgefallene Raffineriekapazität. Solange beschädigte Anlagen nicht repariert sind, bleibt die Versorgung anfällig.
Der Engpass betrifft vor allem raffinierte Produkte – also Benzin, Diesel und Kerosin – und nicht einfach nur Rohöl. Die russischen Ausfälle fallen mit den Folgen des Iran-Konflikts zusammen: Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist eingeschränkt, Angriffe haben Raffinerien im Nahen Osten getroffen, und mehrere Länder reduzieren ihre Verarbeitung oder ihre Kraftstoffexporte.
Nach Reuters haben Angriffe im Zusammenhang mit den Kriegen in Iran und der Ukraine in den vergangenen Monaten fast neun Prozent der weltweiten Raffineriekapazität außer Betrieb gesetzt. Gleichzeitig sind die Lagerbestände niedrig und die Nachfrage nach Agrardiesel saisonal besonders hoch.
Ein deutliches Signal des angespannten Marktes war der US-Diesel-Crack-Spread. Dieser misst den Abstand zwischen dem Diesel- und dem Rohölpreis und damit vereinfacht gesagt den Wert, der bei der Verarbeitung von Rohöl zu Diesel entsteht. Am 17. August erreichte er mit 102,20 US-Dollar je Barrel einen Rekordstand.
Das bedeutet nicht, dass Diesel an der Tankstelle plötzlich 100 US-Dollar pro Barrel teurer wurde. Es zeigt vielmehr, dass Diesel im Verhältnis zu Rohöl außergewöhnlich knapp und die Verarbeitung entsprechend wertvoll geworden ist.
Die verfügbaren Belege stützen mehrere Entwicklungen: Russland verfügt über weniger raffinierte Produkte, seine Exportmöglichkeiten sind gesunken, und das Land greift auf Lieferungen aus Indien und Belarus sowie auf Verkaufsbeschränkungen zurück.
Nicht ausreichend belegt sind dagegen weitergehende Behauptungen über einen historischen Tiefstand der russischen Raffinerieproduktion, einen konkret bezifferten Einbruch der Benzinverkäufe in Sankt Petersburg oder einen nachweisbaren kausalen Rückgang der Zustimmung zu Präsident Wladimir Putin. Kraftstoffmangel kann politischen Druck erzeugen. Um eine Veränderung von Zustimmungswerten jedoch eindeutig darauf zurückzuführen, wären unabhängige, methodisch belastbare Umfragen und eine entsprechende Kausalanalyse nötig.