Auch der Vergleich mit Micron ist aufschlussreich, wenngleich die verfügbaren Daten nicht exakt denselben Zeitpunkt abbilden. Ein Bericht bezifferte das 24-Stunden-Volumen von SNDK auf fast das Achtfache des Micron-Volumens, das bei rund 320 Millionen US-Dollar lag. Frühere Meldungen von einzelnen Handelsplätzen wiesen im Juni bei Micron ein Open Interest von mehr als 254 Millionen US-Dollar auf Hyperliquid und rund 175 Millionen US-Dollar auf Binance aus. Diese Zahlen sind jedoch kein marktweiter August-17-Vergleich.
Beim Open Interest ist außerdem Vorsicht geboten. Es bezeichnet den Nominalwert aller Positionen, die noch offen sind. Daraus lässt sich nicht ablesen, ob die Händler insgesamt auf steigende oder fallende Kurse setzen. Long- und Short-Positionen können gleichzeitig wachsen. Ein hohes Open Interest bedeutet daher auch nicht, dass dieselbe Summe zum Kauf echter Aktien eingesetzt wurde.
Sandisks Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal lieferten eine besonders überzeugende fundamentale Geschichte. Das Unternehmen meldete 8,97 Milliarden US-Dollar Umsatz, 51 Prozent mehr als im Vorquartal, sowie 6,90 Milliarden US-Dollar GAAP-Nettogewinn. Nach Unternehmensangaben entfiel etwa ein Drittel des sequenziellen Umsatzwachstums auf höhere Stückzahlen und zwei Drittel auf höhere Preise.
Auch das Rechenzentrumsgeschäft entwickelte sich dynamisch. Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 zeigten einen deutlichen Anstieg des Umsatzes im Rechenzentrumsbereich – ein Hinweis auf die Nachfrage nach Unternehmensspeicher und KI-Infrastruktur.
Für gehebelte Märkte ist diese Kombination besonders attraktiv: ein Unternehmen mit klar erkennbarem KI- und Speichernarrativ, starkem Gewinnmomentum und großen Erwartungen an die weitere Entwicklung. Händler müssen nicht jedes Detail des Geschäftsmodells bewerten, um eine Positionierung auf der zentralen These aufzubauen: KI-Nachfrage treibt Speicherpreise, Absatzmengen und Prognosen.
Sandisk erklärte, acht Vereinbarungen mit sechs Kunden geschlossen zu haben. Berichten zufolge sollen diese Verträge ungefähr die Hälfte der Produktion des Geschäftsjahres 2027 und rund zwei Drittel der Produktion des Geschäftsjahres 2028 abdecken.
Solche Zusagen beseitigen weder Rohstoff-, Ausführungs- noch Bewertungsrisiken. Sie geben Händlern jedoch einen konkreteren Grund, Sandisk als Wachstums- und Angebots-Nachfrage-Geschichte zu betrachten – und nicht nur als Momentum-Aktie. Ein zusätzlich berichtetes Modell für die Geschäftsjahre 2028 bis 2030 ging von einem Umsatzwachstum im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich sowie erheblichen vertraglich abgesicherten Umsätzen aus.
Ein Aktien-Perpetual soll einen Referenzpreis abbilden, ohne ein herkömmliches Ablaufdatum zu besitzen. Auf Kryptoplattformen können solche Kontrakte in der Regel mit Margin und nahezu rund um die Uhr gehandelt werden – abhängig von den Regeln des jeweiligen Handelsplatzes, der Finanzierungsmechanik und den Liquidationsprozessen.
Das unterscheidet sie deutlich vom Besitz einer Aktie während der regulären Börsenzeiten. Händler können über ein Kryptokonto auf steigende oder fallende Kurse setzen, Hebel einsetzen und außerhalb der klassischen US-Handelssitzung auf Nachrichten reagieren. Dieselben Eigenschaften können den Aufbau, aber auch den Abbau des Open Interest beschleunigen.
Der Aufstieg von Sandisk war kein isoliertes Ereignis. Kryptobörsen bieten zunehmend Perpetuals auf traditionelle Anlagewerte an – darunter Aktien, Metalle und Öl. Das Open Interest in diesem Segment hat sich Berichten zufolge von Ende Mai bis Ende Juli mehr als verdoppelt und lag zuletzt bei über 2 Milliarden US-Dollar.
Der Handel mit aktienbezogenen Perpetuals an zentralisierten Börsen wuchs nach einer weiteren Messung noch schneller: Das monatliche Volumen stieg von rund 15 Milliarden US-Dollar im April auf nahezu 250 Milliarden US-Dollar im Juli – ungefähr das 17-Fache. Die genauen Summen hängen davon ab, welche Handelsplätze und Kontrakte einbezogen werden. Die Richtung ist jedoch eindeutig: Die Nachfrage nach gehebeltem und verlängertem Zugang zu traditionellen Anlagewerten nimmt zu.
SPCX und SKHX passten in dieses Umfeld. SpaceX bot einen prominenten Technologie- und Private-Company-Proxy, während SK Hynix und Micron für dasselbe übergeordnete Halbleiter- und Speicherthema standen. SNDK scheint besonders viel Aufmerksamkeit erhalten zu haben, weil sich fundamentale Story, jüngste Kursbewegung und verfügbare Liquidität im Perpetual-Markt gegenseitig verstärkten.
Im Umfeld der aktienbezogenen Derivatemärkte tauchen bekannte institutionelle Namen auf. Jane Street soll eine Beteiligung von 5 Prozent an Sandisk offengelegt haben. Zudem wurden Susquehanna und Citadel Securities in Rollen im Zusammenhang mit Sandisk-Optionen oder verwandten gehebelten Produkten genannt.
Das spricht für ein wachsendes professionelles Interesse an Liquidität, Absicherung und Arbitrage rund um stark gehandelte Aktienexposures. Es beweist jedoch nicht, dass jedes genannte Unternehmen auf Kryptobörsen SNDK-Perpetuals gehandelt oder dort als Market Maker agiert hat. Die Beteiligung an traditionellen Märkten und die Teilnahme am Krypto-Perpetual-Handel sind miteinander verbunden, aber nicht gleichzusetzen.
Auch der Ausbau konventioneller Produkte weist auf dieselbe Nachfrage hin. Im Juli startete die CME bar abgerechnete Single-Stock-Futures auf Dutzende US-Aktien. Die Produkte waren auf einen nahezu 24-stündigen Handel über die Globex-Plattform ausgelegt. Kryptobörsen und regulierte Terminbörsen konkurrieren damit – jeweils auf eigene Weise – um den Zugang zu Aktienrisiken außerhalb der klassischen Börsenzeiten.
Wer ein SNDK-Perpetual kauft, besitzt keinen Anteil an Sandisk. Der Halter erhält weder Stimmrechte noch Dividenden. Stattdessen bietet der Kontrakt ein synthetisches Engagement in der Entwicklung eines Referenzpreises.
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Interpretation der 1,73 Milliarden US-Dollar. Die Zahl misst die Nachfrage nach einem Derivateinstrument auf den beobachteten Handelsplätzen – nicht institutionelles Eigentum, Aktionärskapital oder die Marktkapitalisierung des Unternehmens.
Zugleich entstehen Fragen zur Regulierung und Marktstruktur:
Der SNDK-Markt zeigt damit, wie schnell ein verständliches Narrativ aus dem traditionellen Finanzmarkt in Krypto-Derivate wandern kann. Das Rekord-Open-Interest ist einerseits ein Zeichen für die Nachfrage nach gehebeltem Aktienexposure rund um die Uhr. Andererseits erinnert es daran, dass Handelsaktivität in einem synthetischen Kontrakt nicht mit dem Besitz des zugrunde liegenden Unternehmens verwechselt werden darf.