Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert die Analyse rund 14 Millionen verkaufte iPhone-Ultra-Geräte. Davon sollen lediglich etwa 4 Millionen Verkäufe bestehender iPhone-Modelle ersetzen. Der überwiegende Teil wäre demnach zusätzliche Nachfrage.
Das ist der Kern der Wachstumsstory. Wechseln Käufer lediglich von einem herkömmlichen iPhone auf das Faltmodell, würde Apple zwar einen besseren Produktmix erzielen, aber kaum zusätzliche Nutzer gewinnen. Redburn geht stattdessen davon aus, dass Apples Einstieg neue Kunden anziehen oder bestehende Nutzer zum Kauf eines deutlich teureren Geräts bewegen könnte, ohne die übrige iPhone-Palette stark zu belasten.
Als Vergleich nennt die Analyse AirPods und die Apple Watch. Redburn zufolge entfielen nach dem Markteintritt Apples rund 65 bis 75 Prozent des zusätzlichen Stückzahlenwachstums in diesen Kategorien auf das Unternehmen. Das soll zeigen, dass Apple mit neuen Produkten nicht nur bestehende Nachfrage umverteilen, sondern auch neue Märkte und Kaufanlässe schaffen kann.
Redburn erwartet, dass die iPhone-Umsätze in den Geschäftsjahren 2026 bis 2030 zwischen 3 und 14 Prozent über den Konsensschätzungen liegen. Für den Gewinn liegen die Schätzungen demnach bis zum Geschäftsjahr 2030 insgesamt 8 bis 18 Prozent über dem Konsens.
In das Modell fließen mehrere Faktoren ein:
Eine Zusammenfassung der Analyse geht von einem jährlichen iPhone-Wachstum von 12 Prozent bis zum Geschäftsjahr 2030 aus. Die iPhone-Verkäufe könnten damit bis zu 14 Prozent über den Konsensprognosen liegen. Dabei handelt es sich um Analystenschätzungen, nicht um eine Prognose von Apple.
Redburn soll Apple Intelligence und Apples Arbeit an eigenen Basismodellen als enttäuschend und gegenüber den führenden Wettbewerbern zurückliegend bewertet haben. Zudem verwies die Analyse auf Apples Abhängigkeit von Googles Gemini bei bestimmten generativen KI-Funktionen. Auch die strategische Bedeutung der Zahlungen, die Google für eine prominente Platzierung in der Suche an Apple leistet, wurde hervorgehoben.
Für Redburn ist diese Schwäche nicht nur ein Risiko, sondern auch eine mögliche Chance. Apple verfügt über strukturelle Vorteile, die sich für KI nutzen lassen: die enge Verbindung von Hardware und Software, eigene Chips, eine große Vertriebsplattform, Datenschutzfunktionen und ein umfangreiches Dienstleistungsgeschäft.
Redburn schlägt deshalb einen Ansatz vor, den die Analysten als „Fast Follower 2.0“ bezeichnen. Apple könnte leistungsfähige Open-Source-Modelle übernehmen, anstatt selbst zu versuchen, bei der Entwicklung von Basismodellen an die Weltspitze zu gelangen. Als mögliche Option wurde Nvidias Nemotron-Modellfamilie genannt – möglicherweise verbunden mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Apple und Nvidia.
Das ist allerdings ein strategisches Szenario, keine bestätigte Vereinbarung. Die vorliegenden Berichte sprechen von einer möglichen Partnerschaft, nicht von einem abgeschlossenen Deal. Zudem gelten die Beziehungen zwischen Apple und Nvidia historisch als angespannt. Die optimistische Prognose setzt daher voraus, dass Apple wettbewerbsfähige Modelle einsetzen kann und sie über sein Ökosystem für viele Nutzer praktisch nutzbar macht.
Die Falt-iPhone-These birgt mehrere offensichtliche Ausführungsrisiken. Eine Verzögerung in der Produktion würde den erwarteten Impuls verschieben. Probleme mit der sichtbaren Displayfalte, der Haltbarkeit des Scharniers oder der allgemeinen Verarbeitungsqualität könnten die Nachfrage nach einem Gerät beschädigen, das am oberen Ende des Marktes positioniert wäre.
Hinzu kommt das Preisrisiko. Verbraucher könnten nicht bereit sein, 2.199 Dollar zu zahlen – insbesondere dann nicht, wenn das Faltmodell eher eine Weiterentwicklung als ein grundlegend neues Nutzungserlebnis bietet. Sollte ein Großteil der Käufer lediglich von anderen iPhones wechseln, wäre der zusätzliche Absatz geringer als von Redburn angenommen.
Auch die KI-Seite bleibt unsicher. Apple könnte weiterhin auf Drittanbieter angewiesen sein, eine Vereinbarung mit Nvidia könnte ausbleiben, und die Nutzung von Open-Source-Modellen würde allein noch kein besseres Verbraucherprodukt garantieren. Die Hochstufung ist daher vor allem eine Wette auf Apples Umsetzung und strategische Flexibilität – nicht die Aussage, dass das Unternehmen seine KI-Herausforderungen bereits bewältigt hat.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war die Stimmung an der Wall Street überwiegend positiv, aber nicht einhellig. 29 von 47 von LSEG erfassten Analysten bewerteten die Apple-Aktie mit „Kaufen“ oder „Stark kaufen“.
Rothschild Redburn wird bei Apple optimistischer, weil die Investmentbank eine möglicherweise unterschätzte Kombination aus Premium-Hardwarewachstum und KI-Optionen sieht. Das Modell unterstellt, dass ein rund 2.199 Dollar teures Falt-iPhone im Geschäftsjahr 2027 etwa 14 Millionen Mal verkauft werden könnte, dabei nur einen kleineren Teil der klassischen iPhone-Verkäufe ersetzt und den durchschnittlichen Verkaufspreis deutlich erhöht.
Der zweite Teil der These ist ein möglicher Kurswechsel bei der KI: Statt führende Basismodelle vollständig selbst zu entwickeln, könnte Apple starke offene Modelle in sein Hardware- und Dienstleistungsökosystem integrieren. Wenn beide Annahmen aufgehen, lässt sich das Kursziel von 400 Dollar nachvollziehen. Kommt das Falt-iPhone jedoch verspätet, bleibt die Nachfrage schwach oder gelingt der KI-Neustart nicht, verliert die Aufwärtsstory einen großen Teil ihrer Grundlage.