Investitionen in KI-Rechenzentren haben die Nachfrage nach Speicherprodukten deutlich erhöht. Für Hardwarehersteller wird die Kostenkalkulation dadurch schwieriger. In seinen eigenen Strategieunterlagen nennt Sony den durch KI-Infrastruktur verstärkten Speichermangel ausdrücklich als eine der Störungen in den internationalen Lieferketten, mit denen der Konzern umgehen muss.
Für Sony entsteht damit ein unangenehmes Dreieck: Der Konzern könnte die höheren Produktionskosten selbst tragen, den Verkaufspreis anheben oder den Start der neuen Hardware verschieben. Eine längere PS5-Generation ist deshalb eine naheliegende strategische Schlussfolgerung – auch wenn Sony nicht ausdrücklich gesagt hat, dass der Speichermangel die Lebensdauer der PS5 verlängern wird.
Für die PS5 spricht zudem, dass sie weiterhin kommerzielles Potenzial hat. Reuters beschreibt die Konsole als Gerät im siebten Jahr und erwartet vom kommenden Grand Theft Auto VI einen möglichen Nachfrageimpuls. Gleichzeitig belasten die hohen Speicherpreise das Geschäft.
Die Prognose für Ende 2028 beruht nicht auf einer bestätigten Sony-Roadmap, sondern auf mehreren Indizien:
Der Januar 2028 könnte damit zu einem möglichen Übergangspunkt werden. Analysten halten einen Start der nächsten PlayStation gegen Ende 2028 für vereinbar mit dieser Umstellung; einige erwarten die PS6 frühestens zu diesem Zeitpunkt.
Der Disc-Stopp ist allerdings kein Beweis für einen PS6-Termin. Er beschreibt zunächst eine Vertriebsentscheidung für Spiele. Sony könnte die PS5 auch nach dem Start einer neuen Konsole noch längere Zeit parallel anbieten.
Eine rein digitale PS6 ist plausibel, aber nicht bestätigt. Wenn neue PlayStation-Spiele nach Januar 2028 nur noch digital vertrieben werden, könnte Sony ein Basismodell ohne integriertes Laufwerk entwickeln. Analysten vergleichen dieses mögliche Konzept mit der bereits erhältlichen PS5 ohne Disc-Laufwerk.
Ein solcher Schritt würde außerdem die Abhängigkeit von optischer Hardware reduzieren und Sony mehr Kontrolle über digitale Verkäufe geben. Die bisherige Faktenlage belegt jedoch nur eine Änderung beim Vertrieb neuer Spiele – keine konkrete PS6-Spezifikation.
Die häufig genannte Summe von 1.000 US-Dollar stammt aus einer nicht verifizierten Schätzung der Herstellungskosten und nicht aus einer offiziellen Preisangabe von Sony. Ein Bericht bezifferte die sogenannte Bill of Materials, also die geschätzten Kosten der verbauten Komponenten, auf rund 960 US-Dollar. Als Hauptgrund wurden die gestiegenen Speicherpreise genannt.
Diese Unterscheidung ist wichtig: Die Komponentenrechnung entspricht nicht automatisch dem Verkaufspreis. Außerdem beweist eine geleakte oder spekulative Kostenschätzung nicht, dass Sony die gesamten Mehrkosten an die Kundschaft weitergeben wird.
Eine Konsole für knapp 1.000 US-Dollar wäre ein erhebliches Marktrisiko. Von GamesRadar und TS2.tech zitierte Analysten warnten, ein solcher Preis könnte die Zielgruppe deutlich verkleinern. Mehrere Modelle, ein späterer Start oder eine längerfristige Unterstützung der PS5 wären daher mögliche Szenarien.
Die PS6-Unsicherheit passt zu einem breiteren Wandel in Sonys Selbstdarstellung. Die Konzernstrategie betont Unterhaltung, geistiges Eigentum, Content-Produktion und KI-gestützte Wertschöpfung – und nicht mehr ausschließlich die Consumer-Hardware als Wachstumsmotor.
Dadurch gewinnen Marken an Bedeutung, die über mehrere Medien hinweg funktionieren. Sony bezeichnet Franchises wie God of War und The Last of Us als „Flywheel“-Marken, deren Potenzial sich auf Spiele, Fernsehen, Filme und Anime erstrecken kann.
In diesem Modell bleibt die Konsole wichtig: Sie verbindet Spieler mit PlayStation-Spielen und -Diensten. Der Wert der großen Marken ist jedoch nicht mehr an eine einzige Hardware-Generation gebunden. Das verschafft Sony mehr Spielraum, auf sinkende Komponentenpreise und bessere Marktbedingungen zu warten.
Sonys bestätigte Position ist derzeit eindeutig: Für die PS6 gibt es weder einen festgelegten öffentlichen noch einen internen Release-Termin, und auch der Preis steht noch nicht fest. Die durch KI-Nachfrage verschärfte Speicherknappheit macht die nächste Konsole teurer und schwieriger planbar. Der geplante Disc-Stopp im Januar 2028 liefert Analysten zugleich einen Grund, mit einem Übergang frühestens Ende 2028 zu rechnen.
Eine digitale PS6 und ein Preis nahe oder über 1.000 US-Dollar sind mögliche Deutungen der aktuellen Hinweise. Bestätigt ist beides nicht. Am belastbarsten ist derzeit die Erwartung, dass Sony die PS5 relevant hält, bis sich der Komponentenmarkt besser kalkulieren lässt – und parallel seine Entertainment-Marken ausbaut, die nicht an eine einzige Konsolengeneration gebunden sind.