Nimmt man lediglich die einfachere Vergleichsreihe von ¥163 auf ¥157, fällt der Rückschlag kleiner aus. Daher unterscheiden sich die Schätzungen. Die gängige Einschätzung am Markt lautet jedoch: Der Yen hat nach dem Anstieg über ¥159 fast die Hälfte seiner interventionsbedingten Gewinne wieder abgegeben.
Bei einer Yen-Kaufintervention verkauft Japan Dollar aus seinen Devisenreserven und verwendet den Erlös, um Yen zu kaufen. Dadurch entsteht unmittelbar zusätzliche Nachfrage nach der japanischen Währung, während der Kurs USD/JPY fallen kann.
Die Beteiligung des US-Finanzministeriums verlieh der Aktion zusätzlich politisches Gewicht und erhöhte ihre Signalwirkung. Die koordinierte Operation wurde als erste gemeinsame Aktion Japans und der USA zum Kauf von Yen und zur Stärkung der Währung seit 1998 beschrieben. Beide Länder erklärten zudem, weitere koordinierte Maßnahmen nicht auszuschließen. Das erhöht für Händler das Risiko, die Marke von ¥160 erneut aggressiv zu testen.
Wie groß der Einsatz genau war, ist weiterhin nicht eindeutig. Reuters berichtete, Japan könne bei der jüngsten Devisenmarktintervention bis zu 36,58 Milliarden US-Dollar ausgegeben haben. Andere Schätzungen lagen höher – darunter möglicherweise fast 59 Milliarden US-Dollar für eine vorausgegangene Transaktion vor der bestätigten gemeinsamen Aktion. Die Quellen legen jedoch keine definitive Gesamtsumme für alle verbundenen Geschäfte fest.
Eine Intervention kann deshalb kurzfristig drei Dinge erreichen:
Was sie allein nicht kann: die relativen Renditen an den Yen- und Dollarmärkten dauerhaft verändern.
Der Yen steht seit Langem unter Druck, weil der japanische Leitzins deutlich unter den US-Zinsen liegt. Anleger können sich in der vergleichsweise niedrig verzinsten japanischen Währung finanzieren und das Geld in höher verzinste Dollar-Anlagen investieren. Bleibt der Wechselkurs stabil oder steigt der Dollar, kann diese Strategie trotz des Währungsrisikos attraktiv sein.
Genau dieser Anreiz erklärt, warum Interventionsgewinne häufig wieder abschmelzen. Der offizielle Yen-Kauf erzeugt einen starken, aber zeitlich begrenzten Kapitalfluss; der Carry-Trade beruht dagegen auf einem fortbestehenden Renditevorteil. Reuters zitierte Analysten mit der Einschätzung, die Intervention verschaffe der Bank of Japan (BOJ) vor allem Zeit, errichte aber keinen dauerhaften Boden für den Yen.
Für eine nachhaltige Erholung der japanischen Währung wäre daher wahrscheinlich eine Kombination aus mehreren Faktoren nötig:
In einer Reuters-Umfrage waren fast 95 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Interventionen allein die Yen-Schwäche nicht dauerhaft stoppen können. Fast alle dieser Befragten erklärten zugleich, die BOJ müsse zusätzlich die Zinsen anheben.
Die Märkte haben die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der BOJ im September deutlich nach oben revidiert. Reuters zufolge lag sie am 13. August bei rund 76 Prozent – nach 24 Prozent am 30. Juli. Weitere Marktdaten bezifferten die Wahrscheinlichkeit anschließend auf etwa 80 Prozent für die Sitzung am 17. und 18. September.
Die BOJ hält ihren Leitzins derzeit bei 1 Prozent. Zugleich haben ihre Vertreter auf wachsende Aufwärtsrisiken für die zugrunde liegende Inflation hingewiesen. Mindestens drei der neun Ratsmitglieder vertraten die Ansicht, dass die Notenbank schneller als bisher – mit ungefähr zwei Erhöhungen pro Jahr – vorgehen müsse.
Die Marktpreise deuteten außerdem auf rund drei weitere Erhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis Juli 2027 hin. Das sind allerdings Erwartungen der Marktteilnehmer und keine Zusage der Zentralbank. Für den Yen ist daher nicht nur entscheidend, ob die BOJ einmal die Zinsen anhebt. Wichtig ist vor allem, ob sie einen glaubwürdigen Weg zu deutlich höheren Leitzinsen signalisiert.
Beim Zeitpunkt besteht weiterhin Unsicherheit. Einige Analysten rechnen mit einem früheren Schritt, während andere Prognosen die nächste Anhebung erst später im Jahr 2026 erwarten. Diese Unklarheit begrenzt das Aufwertungspotenzial des Yen, solange die BOJ keine eindeutigere Orientierung liefert.
Japans Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal mit einer annualisierten Rate von 1,1 Prozent und damit schwächer als erwartet. Ein verhaltener privater Konsum und eine schwache Unternehmensinvestition belasteten das Ergebnis. Das schwache Wachstum kann die BOJ vorsichtiger machen, weil höhere Zinsen die ohnehin gedämpfte Binnennachfrage zusätzlich bremsen könnten.
Die Inflation spricht hingegen für eine straffere Geldpolitik. Der schwache Yen und gestiegene Importkosten treiben die Preise, während die BOJ davor gewarnt hat, dass die zugrunde liegende Inflation ihr Ziel überschreiten könnte. Die Notenbank muss nun unterscheiden, ob der Preisdruck dauerhaft und durch Lohnzuwächse getragen ist – oder hauptsächlich aus importierter Energie und der Währungsschwäche entsteht.
Daraus ergibt sich ein schwieriger Zielkonflikt: Ein schnellerer Zinserhöhungszyklus könnte den Yen stützen, eine aggressive Inflationsbekämpfung aber zugleich eine ohnehin schwache Wirtschaft weiter belasten.
Die moderate Erholung des Yen um ¥159 hängt auch mit einem schwächeren Dollar zusammen. Am 17. August signalisierten Terminkontrakte eine Wahrscheinlichkeit von 66,9 Prozent dafür, dass die US-Notenbank bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen unverändert lässt. Händler rückten die Erwartung einer weiteren US-Zinserhöhung nach hinten.
Das ist für den Yen wichtig: Er muss nicht allein durch eine große Kursänderung der BOJ stärker werden. Wenn gleichzeitig die US-Zinserwartungen sinken, verringert sich der Renditevorteil von Dollar-Anlagen – und damit die Unterstützung für den USD/JPY-Kurs.
Umgekehrt könnte ein stärker als erwartetes US-Wachstum, eine wieder zunehmende Aussicht auf Fed-Zinserhöhungen oder ein Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen den Dollar erneut stärken. Das wäre auch dann möglich, wenn die Märkte weiterhin mit einer Zinserhöhung der BOJ rechnen.
Das Symposium in Jackson Hole vom 27. bis 29. August ist deshalb ein wichtiger möglicher Auslöser für neue Bewegungen. Jede Änderung im Ausblick auf die US-Zinsen könnte den Yen bewegen, weil sie den Zinsabstand beeinflusst, den die Intervention selbst nicht beseitigt hat.
Ein Anstieg in Richtung ¥170 ist ein Risikoszenario, keine bestätigte Prognose. Wahrscheinlicher würde es, wenn die US-Notenbank an einer restriktiven Geldpolitik festhält, die BOJ Zinserhöhungen verschiebt oder hinter den Markterwartungen zurückbleibt und Interventionen nur sporadisch oder wirkungslos erfolgen.
Eine nachhaltige Yen-Stärke wäre dagegen eher zu erwarten, wenn die BOJ im September die Zinsen anhebt und weitere Schritte signalisiert, die US-Zinserwartungen sinken und die Behörden bei einer ungeordneten Bewegung erneut eingreifen. Mitsuhiro Furusawa, früher Japans ranghöchster Währungsbeamter, erklärte, eine gemeinsame Intervention könne „jederzeit“ erfolgen. Zugleich betonte er, dass schnellere Zinserhöhungen der BOJ entscheidend seien.
Die Lehre aus der jüngsten Aktion ist damit klar umrissen: Eine Intervention kann einen ungeordneten Absturz stoppen und den politischen Entscheidungsträgern Zeit verschaffen. Den langfristigen Wert des Yen bestimmt sie jedoch nicht allein. Damit die Währung dauerhaft stärker bleibt, muss der Markt eine nachhaltige Veränderung des geldpolitischen und zinsbezogenen Verhältnisses zwischen Tokio und Washington erkennen.