Die Nachfrage führender US-Kunden nach KI-Chips blieb im ersten Halbjahr besonders robust. TSMC bezeichnete den Bedarf als stark und mehrjährig anhaltend. Gleichzeitig bewegten sich die Arizona-Fabs vom kostspieligen Anlauf in Richtung einer relevanten kommerziellen Auslastung. Genau dieser Übergang verbessert die Ertragslage: Die vorhandenen Anlagen erzeugen mehr Umsatz, während sich die anfänglichen Fixkosten auf ein größeres Produktionsvolumen verteilen.
Der Erfolg war ein wesentlicher Grund dafür, dass TSMC seine Investitionspläne in Arizona erneut ausweitete. Nach einer zusätzlichen Zusage von 100 Milliarden US-Dollar beläuft sich die geplante Gesamtinvestition in den USA nun auf 265 Milliarden US-Dollar.
Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung im Quartalsvergleich widersprüchlich: Im zweiten Quartal erzielte Arizona 17,259 Milliarden Taiwan-Dollar und damit 8,2 Prozent weniger als im ersten Quartal. Dort hatte der Gewinn bei etwa 18,807 Milliarden Taiwan-Dollar gelegen.
Der Rückgang wird vor allem mit höheren Abschreibungen erklärt. Produktionsanlagen und zusätzliche Kapazitäten wurden in Betrieb genommen, wodurch die entsprechenden Kosten stärker in der Gewinn- und Verlustrechnung sichtbar wurden. Das spricht eher für einen typischen Kosteneffekt während des Hochlaufs als für einen Einbruch der KI-Nachfrage.
Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt bei der Interpretation der Halbjahreszahlen: Im ausgewiesenen Ergebnis des ersten Quartals steckten rund 16,9 Milliarden Taiwan-Dollar an Beteiligungserträgen. Der Gewinn der Tochtergesellschaft ist daher kein sauberer Maßstab für den laufenden operativen Gewinn der eigentlichen Fabriken und sollte nicht einfach als dauerhaftes Quartalsniveau fortgeschrieben werden.
Kurzfristig sprechen mehrere Faktoren für weiterhin positive Ergebnisse: eine höhere Auslastung, ein günstiger Mix aus fortschrittlichen Fertigungstechnologien und die anhaltende KI-Nachfrage. Gleichzeitig verursachen neue US-Fabs hohe Bau-, Betriebs- und Fixkosten, bevor sie stabile Ausbeuten und eine reife Auslastung erreichen.
TSMC hat darauf hingewiesen, dass die Ausweitung der Auslandsfertigung die Bruttomarge des Konzerns zunächst um etwa 2 bis 3 Prozentpunkte verwässern könnte. Der Hochlauf der 2-nm-Produktion dürfte die Margen zusätzlich belasten.
Der nächste technologische Schritt in Arizona soll die Bedeutung des Standorts weiter erhöhen. Nach der aktuellen 4-nm-Produktion ist die Fertigung mit 3 nm für 2027 vorgesehen; die Produktion im Bereich von 2 nm soll etwa 2028 folgen. Fortschrittlichere Chips können den Umsatz je Wafer steigern und Arizona für führende Kunden strategisch attraktiv halten.
Doch jeder Technologiewechsel bringt eine neue Lernkurve bei den Fertigungsausbeuten, zusätzliche Abschreibungen auf Anlagen und weitere Anlaufkosten mit sich. Die Gewinne müssen deshalb nicht linear weitersteigen. Auch die auf 265 Milliarden US-Dollar erhöhte Investitionssumme schafft langfristig mehr Kapazität, vergrößert aber zugleich die Kapitalbasis, die künftig eine angemessene Rendite erwirtschaften muss.
Arizona ist zum profitabelsten Auslandsstandort von TSMC geworden, weil der Hochlauf der 4-nm-Fertigung auf eine enorme KI-getriebene Nachfrage traf. Das größere Produktionsvolumen konnte den anfänglichen Kostennachteil teilweise überwinden.
Die Profitabilität dürfte strategisch und wirtschaftlich Bestand haben. Der Gewinn von 36,066 Milliarden Taiwan-Dollar und die Wachstumsrate von 662,8 Prozent im ersten Halbjahr 2026 sind jedoch kein verlässlicher Dauermaßstab. Steigende Abschreibungen sowie die bevorstehenden 3-nm- und 2-nm-Hochläufe dürften die Ergebnisse in den kommenden Jahren weiterhin schwanken lassen.