Für die Position als Regional Research Economist nennt Anthropic einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften oder einem eng verwandten quantitativen Fach. Erwartet werden zudem eine starke empirische Forschungslaufbahn, Kenntnisse in Ökonometrie, Kausalanalyse und maschinellem Lernen sowie Programmiererfahrung, unter anderem mit Python.
Das ausgeschriebene Jahresgehalt liegt bei 307.200 bis 331.200 Singapur-Dollar. Das entspricht einem ausdrücklich genannten Gehaltsband für die Stelle in Singapur; daraus lässt sich nicht automatisch auf die Vergütung der drei anderen Positionen schließen.
Die Ausschreibungen nennen eine hybride Arbeitsregel: Mitarbeitende sollen mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit in einem der Anthropic-Büros verbringen. Das spricht für eine geplante lokale Arbeitsstätte, ersetzt aber keine offizielle Angabe zu Adresse, Größe oder Eröffnungsdatum.
Zusätzlich wurde in Singapur die Gesellschaft Anthropic PBC Asia Pacific eingetragen. Die Registrierung schafft eine lokale juristische Einheit, belegt für sich genommen aber weder ein vollständig ausgebautes Büro noch dessen genaue operative Größe. Angaben von Anthropic zu den konkreten Büroplänen lagen in der zeitgenössischen Berichterstattung nicht vor.
Anthropic hat seinen Hauptsitz in San Francisco und ist bereits international vertreten, unter anderem mit Standorten in Dublin, London, Zürich und Tokio. Eine Präsenz in Singapur würde dieses Netz nach Südostasien erweitern.
Hinzu kommt die enge Verbindung zum singapurischen Staatsfonds GIC, einem wichtigen Geldgeber des KI-Unternehmens. GIC führte gemeinsam mit Coatue die Series-G-Finanzierung über 30 Milliarden US-Dollar an. Dabei wurde Anthropic mit 380 Milliarden US-Dollar nach der Finanzierungsrunde bewertet; GIC hatte sich zuvor bereits an der 13-Milliarden-Dollar-Series-F beteiligt.
Später nahm Anthropic in einer Series H weitere 65 Milliarden US-Dollar auf. Die Bewertung nach der Runde lag bei 965 Milliarden US-Dollar; GIC gehörte zu den Mitführern der Finanzierung.
Die Expansion fällt in eine Phase, in der Anthropic zugleich über die Grenzen leistungsfähiger KI-Systeme diskutiert. Das Unternehmen veröffentlichte Claude Mythos Preview nicht allgemein, weil das Modell nach eigenen Angaben Menschen bei bestimmten Aufgaben der Cybersicherheit und des Hackings übertreffen kann – insbesondere beim Aufspüren von Software-Schwachstellen.
Das zentrale Problem ist der Doppelverwendungszweck: Dieselbe Fähigkeit kann Verteidigern helfen, Sicherheitslücken schneller zu finden und zu schließen, aber auch Angreifern ermöglichen, Schwachstellen in größerem Umfang und höherem Tempo auszunutzen.
Mit Project Glasswing wählte Anthropic deshalb einen kontrollierten Ansatz. Ausgewählte Technologieunternehmen und Betreiber kritischer Software-Infrastrukturen erhielten Zugang zu Mythos, um wichtige Programme auf Schwachstellen zu prüfen. Die Idee besteht darin, die Fähigkeiten des Modells in die Verbesserung der Sicherheit zu lenken, statt ein frei verfügbares Angriffswerkzeug bereitzustellen. Ein begrenzter Zugang beseitigt jedoch nicht sämtliche Risiken – etwa Missbrauch, Datenabfluss oder eine Konzentration besonders leistungsfähiger Cyberfähigkeiten.
Die möglichen Folgen waren auch für die US-Regierung relevant: Berichten zufolge sollte eine Version von Mythos wichtigen Bundesbehörden zugänglich gemacht werden, weil die Behörden wachsende Risiken für die Cybersicherheit sahen.
Der Konflikt mit dem Pentagon drehte sich nicht schlicht darum, dass Anthropic Verteidigungsaufträge ablehnte. Nach der Berichterstattung ging es vielmehr um die Forderung des US-Verteidigungsministeriums nach einer uneingeschränkten Nutzung der Anthropic-Technologie. Anthropic wollte dagegen Beschränkungen beibehalten, insbesondere für autonome Waffen und Überwachung im großen Maßstab.
Die US-Regierung und das Pentagon bewerteten diese Vorgaben als unvereinbar mit bestimmten Anforderungen der nationalen Sicherheit. Am 27. Februar 2026 wies Präsident Donald Trump Bundesbehörden an, Anthropic-Technologie nicht mehr zu verwenden. Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte außerdem an, Anthropic als ein Risiko für die sicherheitsrelevante Lieferkette einzustufen.
Damit prallen zwei Grundpositionen aufeinander: Anthropic will Sicherheitsgrenzen auch bei militärischen Hochrisiko-Anwendungen bewahren. Kritiker in der Regierung argumentieren hingegen, ein Technologieanbieter dürfe den Einsatz nicht begrenzen, wenn nationale Sicherheitsbehörden ihn für erforderlich halten. Die verfügbaren Informationen sprechen daher für einen echten politischen und sicherheitspolitischen Grundsatzkonflikt – nicht nur für einen Streit über technische Beschaffungsbedingungen.