Damit gibt es bislang eher eine begrenzte Versorgungslösung als eine Behebung des Mangels. Die Ukraine erhält weiterhin einzelne Abfangraketen, doch nach ihren öffentlichen Angaben übersteigen Verbrauch und russische Angriffe derzeit das Tempo der Nachlieferungen.
Die öffentliche Haltung von US-Präsident Donald Trump entwickelte sich im Juli in drei Etappen.
Beim NATO-Gipfel in Ankara sagte Trump Selenskyj zu, die USA würden der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geben. Reuters berichtete, Trump habe dies als Möglichkeit dargestellt, Kiew solle die dringend benötigten Abwehrwaffen künftig selbst in größeren Mengen produzieren können.
Selenskyj bezeichnete die Lizenzfrage anschließend als politische Vereinbarung. Zugleich erklärte er, dass auch Lieferungen von PAC-3-Abfangraketen erwartet würden.
Bei einem Treffen im Oval Office am 28. Juli soll Trump Selenskyjs Bitte um mehrere hundert zusätzliche Patriot-Abfangraketen abgelehnt haben. In einem Bericht war von ungefähr 300 Raketen die Rede.
Den Berichten zufolge verwies Trump auf begrenzte US-Bestände und den Bedarf, amerikanische Einrichtungen sowie Partner im Nahen Osten zu schützen. Dort habe der Konflikt mit dem Iran den Bedarf an den Abfangraketen zusätzlich erhöht. Die Schilderungen beruhen auf Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind; ein öffentliches Gesprächsprotokoll wurde nicht vorgelegt.
Nur drei Wochen nach der Ankündigung in Ankara erklärte Trump, die USA hätten der Ukraine keine Erlaubnis zur Produktion der Raketen erteilt. Die Frage werde noch geprüft. Zugleich bezeichnete er die betreffende Technologie als besonders schwierig weiterzugeben.
Damit war die Produktionslizenz zwar politisch angekündigt, aber nicht abschließend vereinbart. Der Unterschied ist wesentlich: Eine öffentliche Zusage bedeutet noch keine fertige technische, rechtliche und industrielle Produktionsvereinbarung.
Trotz Trumps Vorbehalten gehen die Gespräche weiter. Reuters zufolge diskutieren die USA weiterhin verschiedene Wege, die ukrainische Patriot-Produktion und die Versorgung mit Abfangraketen zu unterstützen.
Ein Vorschlag sieht vor, dass die Ukraine bestimmte Patriot-Komponenten fertigt und die Endmontage in Deutschland stattfindet. Dadurch müsste nicht sofort eine vollständige Raketenproduktion in einem Land aufgebaut werden, das sich im Krieg befindet. Dennoch wären dafür die Zustimmung der USA, eine enge Abstimmung der beteiligten Industrien sowie umfassende Qualitätskontrollen erforderlich.
Außerdem wird eine kostengünstigere PAC-3-Variante als Alternative zur fortschrittlicheren PAC-3-MSE-Abfangrakete diskutiert. Eine günstigere Version könnte helfen, die verfügbaren Bestände länger zu strecken. Die vorliegenden Quellen belegen jedoch nicht, ob diese Variante bereits für die Ukraine freigegeben wurde oder wann sie geliefert werden könnte.
Die USA und die NATO bemühen sich zudem um zusätzliche Abfangraketen aus europäischen Ländern, darunter Griechenland, Spanien und Polen. Auch Matthew Whitaker, der NATO-Sondergesandte, ist an den Beschaffungsbemühungen beteiligt.
Diese Schritte könnten den akuten Engpass unmittelbarer lindern als der Aufbau einer heimischen Produktion. Sie hängen allerdings davon ab, ob die betreffenden Staaten bereit und in der Lage sind, Raketen aus ihren ebenfalls begrenzten Beständen abzugeben.
Selbst bei einer Genehmigung aus Washington würden neu produzierte Patriot-Abfangraketen nicht kurzfristig eintreffen. Reuters berichtete, dass die Ukraine nach den damals diskutierten Modellen frühestens nach einem Jahr oder später neu gefertigte Raketen erhalten würde.
Die ukrainische Gesandte in Washington erklärte, der Aufbau einer Produktion in der Ukraine könne zwischen zwölf Monaten und fünf Jahren dauern.
Der Zeitbedarf ergibt sich nicht allein aus dem Bau einer Fabrik. Nötig wären zugelassene Zulieferer, speziell geschultes Personal, geschützte Anlagen, Tests, Zertifizierungen und ein Verfahren zur Übertragung sensibler US-Technologie. Eine solche Produktion wäre daher eine langfristige Kapazitätslösung – kein Ersatz für Abfangraketen, die bereits in den Beständen der Verbündeten liegen.
Angesichts der knappen Patriot-Bestände suchte Selenskyj außerdem nach einer anderen Möglichkeit, den russischen Raketendruck zu verringern. Er bat Trump, Elon Musk davon zu überzeugen, der Ukraine die Nutzung von Starlink zur Führung von Angriffen gegen russische Raketenstellungen tief im Landesinneren zu erlauben.
Musk hat den Antrag bislang abgelehnt. Berichten zufolge begründet er seine Haltung mit der Sorge, eine solche Nutzung könne den Krieg weiter eskalieren. Andere Darstellungen führen zudem seine Ansicht an, die Ukraine solle ein Friedensabkommen anstreben.
Als Selenskyj Trump bat, auf Musk einzuwirken, soll der US-Präsident keine klare Zusage gemacht haben.
Der Vorschlag würde die Patriot-Luftverteidigung allerdings nicht ersetzen. Statt Raketen nach dem Start abzufangen, sollten dabei die Abschussanlagen angegriffen werden. Weil die Genehmigung ausblieb, steht Kiew somit weiterhin vor demselben Grundproblem: zu wenige defensive Abfangraketen und keine kurzfristig verfügbare Alternative mit derselben Aufgabe.
Im Kern geht es um den Gegensatz zwischen kurzfristigem Schutz und langfristiger Eigenständigkeit. Die Ukraine benötigt Abfangraketen sofort. Die derzeit diskutierten Produktionsmodelle könnten jedoch frühestens nach einem Jahr Raketen liefern und würden möglicherweise deutlich länger brauchen, um eine relevante Größenordnung zu erreichen.
Für Washington wird die Debatte durch konkurrierende Nachfrage und die Sorge um die eigenen Bestände geprägt. Für Kiew deuten die öffentlich genannten Zahlen auf eine wachsende Lücke zwischen dem Bedarf an Abfangraketen und den erwarteten Lieferungen hin.
Die treffendste Beschreibung der Lage lautet deshalb: begrenzte Unterstützung in laufenden Verhandlungen – nicht ein abgeschlossener Patriot-Deal. Monatliche US-Lieferungen und mögliche Transfers europäischer Verbündeter könnten kurzfristig etwas Entlastung bringen. Eine Lizenzproduktion bleibt dagegen eine langfristige Möglichkeit, deren politische und technischen Details noch offen sind.