Libyen und die chinesische Zentralbank haben im Juli 2026 formal vereinbart, die Beteiligung libyscher Banken an CIPS zu ermöglichen. Dadurch könnten Geschäftsbanken künftig direkte Yuan-Zahlungen für den Handel abwickeln. Beide Seiten stellen den Schritt auch als Möglichkeit dar, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.
Wichtig ist die Einordnung: Die Vereinbarung beschreibt einen geplanten beziehungsweise vorzubereitenden Anschluss, keinen bereits vollständig operativen Start des Systems in Libyen.
Parallel dazu vereinbarten beide Seiten, libysche Investitionen am chinesischen Anleihemarkt zu prüfen beziehungsweise zu erleichtern. In diesem Zusammenhang ist von Panda-Bonds die Rede – Anleihen, die von ausländischen Emittenten auf dem chinesischen Inlandsmarkt in Yuan ausgegeben werden. Für Libyen könnten solche Instrumente einen neuen Anlage- und Finanzierungskanal schaffen und die Diversifizierung von Währungsreserven unterstützen. Die vorliegenden Belege bestätigen jedoch weder konkrete Emissionsbedingungen noch Volumen oder eine bereits abgeschlossene Transaktion. Es handelt sich daher um ein Vorhaben, nicht um ein vollzogenes Geschäft.
Die Zahlungssysteme brauchen reale Handelsströme. China schaffte zum 1. Mai 2026 Zölle auf Importe aus 53 afrikanischen Ländern ab. Ein Bericht des Congressional Research Service beschreibt den Zugang als zollfrei für alle afrikanischen Länder mit Ausnahme Eswatinis, wobei politische und bilaterale Voraussetzungen eine Rolle spielen.
Mehr Handel bedeutet mehr Rechnungen, Lieferantenkredite und grenzüberschreitende Zahlungen, die in Yuan vereinbart und abgewickelt werden können. Chinas Handel mit Afrika wuchs 2025 laut chinesischen Zolldaten um fast 18 Prozent. Nach Angaben des Congressional Research Service war der China-Afrika-Handel im selben Jahr zudem viermal so groß wie der Handel zwischen den USA und Afrika.
Die Zollpolitik ist deshalb nicht nur ein handelspolitisches Signal. Sie kann zugleich die Nachfrage nach chinesischen Banken, Yuan-Finanzierung und CIPS-Abwicklung erhöhen.
Die Währung dringt auch in staatliche Zahlungsströme vor. Sambia akzeptiert von chinesischen Bergbauunternehmen Yuan-Zahlungen für Steuern und Förderabgaben. Damit wird der Yuan nicht nur für den Import chinesischer Waren genutzt, sondern auch für einen staatlichen Einnahmekanal.
Kenia wandelte 2025 bestimmte chinesische Kreditverpflichtungen von US-Dollar in Yuan um. Dadurch sollen laut den vorliegenden Berichten rund 215 Millionen US-Dollar pro Jahr eingespart werden.
Äthiopien und Mosambik prüfen demnach ähnliche Umstellungen. Für beide Länder handelt es sich in der vorliegenden Beleglage jedoch um Überlegungen und nicht um bestätigte, abgeschlossene Umschuldungen.
Eine solche Umstellung kann die Schuldendienstkosten senken, wenn die Yuan-Finanzierung günstiger ist. Sie beseitigt aber nicht das Wechselkursrisiko, sondern verlagert es vom Dollar auf den Yuan. Zudem steigt die Abhängigkeit von chinesischen Finanzierungsbedingungen.
Für afrikanische Unternehmen und Regierungen können direkte Yuan-Zahlungen Transaktionen vereinfachen, Umwege über den Dollar vermeiden und die Finanzierung besser an den Handel mit China anpassen. Für Peking geht es dagegen um mehr als technische Effizienz: Der Yuan soll international stärker genutzt werden, während chinesische Banken, Zahlungssysteme und der heimische Anleihemarkt enger mit afrikanischen Volkswirtschaften verbunden werden.
Die Strategie wird Afrikas strukturelles Handelsdefizit mit China allerdings nicht automatisch lösen. Viele afrikanische Länder exportieren weiterhin vor allem Rohstoffe und importieren höherwertige chinesische Fertigwaren. Zollfreiheit kann den Marktzugang verbessern, ersetzt aber keine Produktionskapazitäten, lokale Weiterverarbeitung, verlässliche Logistik, internationale Standards, Finanzierung und diversifizierte Exportangebote. Die vorliegenden Quellen belegen die Ausweitung des zollfreien Zugangs und das Wachstum des Handels, beziffern das strukturelle Defizit jedoch nicht selbst.
Der Yuan gewinnt in Afrika somit an praktischer Bedeutung – zunächst vor allem dort, wo Handel, Kredite und Investitionen ohnehin eng mit China verbunden sind. Von einer Ablösung des Dollars ist der Kontinent dennoch weit entfernt.