Die Absagen stehen im Zusammenhang mit demselben anhaltenden Handgelenkproblem und nicht mit einer Reihe voneinander unabhängiger Verletzungen. Alcaraz verpasste zunächst die Italian Open und konnte anschließend weder seinen French-Open-Titel verteidigen noch in Wimbledon antreten.
Auch beim Canadian Open fehlte der Spanier, während er seine Rehabilitation fortsetzte. Zwar hatte er wieder mit dem Schläger trainiert, für einen Turniereinsatz war er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bereit.
Cincinnati sollte der wichtigste letzte Test vor den US Open werden. Am 4. August bestätigten die Veranstalter jedoch, dass Alcaraz wegen der weiterhin bestehenden Handgelenkverletzung zurückzieht. Damit verlängerte sich seine Wettkampfpause seit dem Barcelona-Match am 14. April – und er hat vor dem letzten Grand Slam des Jahres kein bestätigtes Vorbereitungsturnier mehr.
Die jüngsten Trainingsvideos sind ein ermutigendes Zeichen. Sie zeigen Alcaraz bei intensiven Grundschlägen und Aufschlagübungen und deuten darauf hin, dass seine Rehabilitation Fortschritte macht.
Auch seine Aufnahme in die Meldeliste der US Open hält die Möglichkeit einer Titelverteidigung offen. Das Hauptfeld in New York soll am 30. August beginnen.
Beides ist jedoch weder eine abschließende medizinische Freigabe noch eine definitive Startzusage. Alcaraz hatte bereits vor seinem Rückzug aus Kanada und Cincinnati wieder trainiert. Genau das macht den Unterschied deutlich: Trainieren zu können bedeutet nicht automatisch, für ein komplettes Turnier bereit zu sein.
José Luis „Batata“ Clerc, früher die Nummer vier der Welt, hat Alcaraz geraten, die US Open auszulassen und erst während der Asien-Tour zurückzukehren. Seine Begründung: Ohne Vorbereitungsturniere würde Alcaraz direkt in Best-of-five-Partien einsteigen, obwohl ihm Wettkampfrhythmus und Ausdauer fehlen könnten.
Auch der ehemalige US-Profi Steve Johnson argumentierte aus Sicht des Verletzungsrisikos ähnlich. Sollte eine ernsthafte Gefahr bestehen, das Handgelenk erneut zu belasten, müsse der Schutz des Gelenks Vorrang vor einem einzigen Turnier haben – selbst wenn es sich um einen Grand Slam handelt.
Diese Einschätzungen sind Meinungen und keine medizinischen Diagnosen. Sie benennen aber die praktische Hürde, die Alcaraz noch nehmen muss: Ein Training kann Kraft und Bewegungsumfang zeigen, bildet die körperlichen und mentalen Anforderungen mehrerer aufeinanderfolgender Fünfsatzmatches aber nicht vollständig ab.
Alcaraz müsste den Titel verteidigen, den er 2025 gegen Jannik Sinner gewann. Im Finale setzte er sich mit 6:2, 3:6, 6:1, 6:4 durch – sein zweiter US-Open-Triumph und zu diesem Zeitpunkt sein sechster Grand-Slam-Titel. Nach seinem Sieg bei den Australian Open wurde er in Berichten aus dem Jahr 2026 als siebenmaliger Grand-Slam-Champion geführt.
Eine Teilnahme würde daher nicht nur seine körperliche Verfassung auf die Probe stellen. Sie könnte auch die Rivalität mit Sinner wiederbeleben, die das Spitzentennis der Männer maßgeblich geprägt hat. Die beiden trafen wiederholt in späten Runden großer Turniere aufeinander. Dass beide Teile des Spielplans 2026 verpasst haben, hat bei den wichtigsten Veranstaltungen der Tour eine spürbare Lücke hinterlassen.
Sinner fehlte ebenfalls beim Canadian Open und in Cincinnati – allerdings wegen eines separaten Problems am rechten Knie. In den jüngsten Berichten waren beide Spieler weiterhin für die US Open gelistet. Das sorgt zusätzlich für Unsicherheit über das mögliche Teilnehmerfeld in New York.
Carlos Alcaraz ist für die US Open gemeldet, aber nicht endgültig als fit bestätigt. Die Trainingsaufnahmen sprechen für Fortschritte. Der Rückzug aus Cincinnati zeigt zugleich, dass diese Fortschritte noch nicht in eine gesicherte Wettkampfrückkehr übergegangen sind.
Der entscheidende Test ist, ob das Handgelenk wiederholte Matches über fünf Sätze verkraftet – nicht, ob Alcaraz im Training einzelne Schläge mit voller Intensität spielen kann. Nach der derzeit verfügbaren Faktenlage lässt sich weder eine endgültige Freigabe noch eine sichere Titelverteidigung bestätigen. Klarheit dürfte erst entstehen, wenn Alcaraz seine Teilnahme offiziell bestätigt oder vor der Auslosung zurückzieht.