Lepore warnt, dass Technologieunternehmen zunehmend Aufgaben übernehmen, die einst demokratischen Regierungen vorbehalten waren: Sie entscheiden über Meinungsfreiheit, steuern den Zugang zu Informationen und formen den öffentlichen Diskurs . Diese Entwicklung beschreibt sie als „eine Rückkehr zur Tyrannei und Mystifizierung in Form von Herrschaft durch Algorithmen, Konzerne und Maschinen“ . Der „Künstliche Staat“ sei dabei weniger ein tatsächlicher Staat als vielmehr der „Traum, ohne einen solchen auszukommen“ – ein radikaler Bruch mit demokratischen Traditionen .
Besonders scharf fällt Lepores Kritik an den Führungsfiguren des Silicon Valley aus. Sie bezeichnet Elon Musk (Tesla, SpaceX, X) und Sam Altman (OpenAI) als „schlechte Leser“ . Ihr Vorwurf: Diese Tech-Titanen interpretieren dystopische Science-Fiction-Geschichten – Werke wie Terminator oder Blade Runner, die als Warnungen vor technologischer Hybris geschrieben wurden – fälschlicherweise als Blaupausen oder Bedienungsanleitungen . Statt die moralischen Warnungen zu beherzigen, sehen sie darin erstrebenswerte Zukunftsvisionen . „Sie lesen die falschen Bücher auf die falsche Art und Weise“, so Lepore .
Lepore zeichnet die Entstehung des „Künstlichen Staates“ anhand von zwei historischen Wendepunkten nach:
Apples legendäre „1984“-Super-Bowl-Werbung für den Macintosh: Die Anzeige inszenierte Apple als Befreier, der das Monopol von „Big Brother“ (eine Anspielung auf IBM) bricht . Dieser Marketing-Coup, so Lepore, veränderte die öffentliche Wahrnehmung von Tech-Firmen nachhaltig. Sie wurden nicht mehr als bloße Handelsunternehmen gesehen, sondern als emanzipatorische Kräfte .
Der Telecommunications Act von 1996: Dieses US-Gesetz deregulierte die Telekommunikations- und Medienbranche in einem Ausmaß, das die Konsolidierung von Unternehmensmacht und den Aufstieg von Plattform-Monopolen ermöglichte . Was viele für einen gut gemeinten Fehler hielten, sei in Wahrheit das Produkt eines spezifischen politischen Moments gewesen, der von den libertären Ideen von Newt Gingrich beeinflusst war [Trusted Source 39].
Die Historikerin zerlegt auch einen der liebsten Mythen des Silicon Valley: die Vorstellung von sozialen Medien – insbesondere Twitter (inzwischen X) – als moderne Form eines demokratischen Marktplatzes oder einer Bürgerversammlung. Twitter bewarb sich einst selbst als „Das Rathaus in Ihrer Tasche“ . Lepore hält dagegen: Solche Plattformen zeichnen ein zutiefst verzerrtes Bild der Wählerschaft . Sie sind privat besessene Räume, die von Konzerninteressen und nicht von demokratischer Deliberation gesteuert werden . Wer die lautstarke Minderheit auf Twitter mit der öffentlichen Meinung gleichsetze, verkenne die reale Machtverteilung .
Lepore argumentiert, dass dieses System fundamental nicht nachhaltig ist. Der Grund: Es basiert auf der Trennung des Menschen von der natürlichen Welt . Tech-Führungskräfte, so Lepore, ließen sich von „Longtermism“-Philosophien leiten, die eine moralische Verpflichtung zur positiven Beeinflussung der fernen Zukunft betonen. In der Praxis führe dies dazu, dass sie die Bekämpfung des Klimawandels auf der Erde aufgeben. Stattdessen träumen sie von einer Zukunft, in der die Menschheit vor einem sterbenden Planeten auf den Mars oder in andere außerirdische Kolonien flieht . Diese Fantasie, der technologischen Erleuchtung durch die Flucht vor der ökologischen Katastrophe, sei moralisch bankrott und physikalisch unmöglich im großen Maßstab . Der „Künstliche Staat“ sei daher ein zum Scheitern verurteiltes Projekt, das genau die Zerstörung noch beschleunige, die es angeblich hinter sich lassen wolle .
Durch das gesamte Buch zieht sich Lepores Forderung nach einem stärkeren Engagement von Historikern und Geisteswissenschaftlern mit Technologen und Politikern . Ihrer Ansicht nach herrscht in der Tech-Industrie eine tiefe Ignoranz gegenüber Geschichte, politischer Theorie und den Grundlagen des Verfassungsstaates – und diese Ignoranz habe gefährliche Konsequenzen . Eine engere Zusammenarbeit, so Lepore, würde dringend benötigte historische Perspektiven in die Entscheidungen über Automatisierung, KI-Governance und den Entwurf von Systemen einbringen, die das Leben der Menschen immer umfassender bestimmen . Ihr Buch ist denn auch weniger eine technikfeindliche Abrechnung, sondern vielmehr eine eindringliche Einladung, innezuhalten und darüber nachzudenken, „was wir da eigentlich tun“ .
Lepore warnt, dass Technologieunternehmen zunehmend Aufgaben übernehmen, die einst demokratischen Regierungen vorbehalten waren: Sie entscheiden über Meinungsfreiheit, steuern den Zugang zu Informationen und formen den öffentlichen Diskurs . Diese Entwicklung beschreibt sie als „eine Rückkehr zur Tyrannei und Mystifizierung in Form von Herrschaft durch Algorithmen, Konzerne und Maschinen“ . Der „Künstliche Staat“ sei dabei weniger ein tatsächlicher Staat als vielmehr der „Traum, ohne einen solchen auszukommen“ – ein radikaler Bruch mit demokratischen Traditionen .
Besonders scharf fällt Lepores Kritik an den Führungsfiguren des Silicon Valley aus. Sie bezeichnet Elon Musk (Tesla, SpaceX, X) und Sam Altman (OpenAI) als „schlechte Leser“ . Ihr Vorwurf: Diese Tech-Titanen interpretieren dystopische Science-Fiction-Geschichten – Werke wie Terminator oder Blade Runner, die als Warnungen vor technologischer Hybris geschrieben wurden – fälschlicherweise als Blaupausen oder Bedienungsanleitungen . Statt die moralischen Warnungen zu beherzigen, sehen sie darin erstrebenswerte Zukunftsvisionen . „Sie lesen die falschen Bücher auf die falsche Art und Weise“, so Lepore .
Lepore zeichnet die Entstehung des „Künstlichen Staates“ anhand von zwei historischen Wendepunkten nach:
Apples legendäre „1984“-Super-Bowl-Werbung für den Macintosh: Die Anzeige inszenierte Apple als Befreier, der das Monopol von „Big Brother“ (eine Anspielung auf IBM) bricht . Dieser Marketing-Coup, so Lepore, veränderte die öffentliche Wahrnehmung von Tech-Firmen nachhaltig. Sie wurden nicht mehr als bloße Handelsunternehmen gesehen, sondern als emanzipatorische Kräfte .
Der Telecommunications Act von 1996: Dieses US-Gesetz deregulierte die Telekommunikations- und Medienbranche in einem Ausmaß, das die Konsolidierung von Unternehmensmacht und den Aufstieg von Plattform-Monopolen ermöglichte . Was viele für einen gut gemeinten Fehler hielten, sei in Wahrheit das Produkt eines spezifischen politischen Moments gewesen, der von den libertären Ideen von Newt Gingrich beeinflusst war [Trusted Source 39].
Die Historikerin zerlegt auch einen der liebsten Mythen des Silicon Valley: die Vorstellung von sozialen Medien – insbesondere Twitter (inzwischen X) – als moderne Form eines demokratischen Marktplatzes oder einer Bürgerversammlung. Twitter bewarb sich einst selbst als „Das Rathaus in Ihrer Tasche“ . Lepore hält dagegen: Solche Plattformen zeichnen ein zutiefst verzerrtes Bild der Wählerschaft . Sie sind privat besessene Räume, die von Konzerninteressen und nicht von demokratischer Deliberation gesteuert werden . Wer die lautstarke Minderheit auf Twitter mit der öffentlichen Meinung gleichsetze, verkenne die reale Machtverteilung .
Lepore argumentiert, dass dieses System fundamental nicht nachhaltig ist. Der Grund: Es basiert auf der Trennung des Menschen von der natürlichen Welt . Tech-Führungskräfte, so Lepore, ließen sich von „Longtermism“-Philosophien leiten, die eine moralische Verpflichtung zur positiven Beeinflussung der fernen Zukunft betonen. In der Praxis führe dies dazu, dass sie die Bekämpfung des Klimawandels auf der Erde aufgeben. Stattdessen träumen sie von einer Zukunft, in der die Menschheit vor einem sterbenden Planeten auf den Mars oder in andere außerirdische Kolonien flieht . Diese Fantasie, der technologischen Erleuchtung durch die Flucht vor der ökologischen Katastrophe, sei moralisch bankrott und physikalisch unmöglich im großen Maßstab . Der „Künstliche Staat“ sei daher ein zum Scheitern verurteiltes Projekt, das genau die Zerstörung noch beschleunige, die es angeblich hinter sich lassen wolle .
Durch das gesamte Buch zieht sich Lepores Forderung nach einem stärkeren Engagement von Historikern und Geisteswissenschaftlern mit Technologen und Politikern . Ihrer Ansicht nach herrscht in der Tech-Industrie eine tiefe Ignoranz gegenüber Geschichte, politischer Theorie und den Grundlagen des Verfassungsstaates – und diese Ignoranz habe gefährliche Konsequenzen . Eine engere Zusammenarbeit, so Lepore, würde dringend benötigte historische Perspektiven in die Entscheidungen über Automatisierung, KI-Governance und den Entwurf von Systemen einbringen, die das Leben der Menschen immer umfassender bestimmen . Ihr Buch ist denn auch weniger eine technikfeindliche Abrechnung, sondern vielmehr eine eindringliche Einladung, innezuhalten und darüber nachzudenken, „was wir da eigentlich tun“ .