Erstarkender El Niño und extreme Hitze. Ein Super-El Niño bedroht die weltweite Ernte, und extreme Hitzewellen in mehreren Erzeugerländern haben die Getreide- und Ölsaatenproduktion geschädigt . Die FAO führte die Hitzewellen als einen Faktor an, der die Weizenerträge in mehreren wichtigen Anbauländern beeinträchtigt hat. Auch die Zuckerpreise zogen aufgrund der trocken-heißen Bedingungen in der EU und den El-Niño-bedingten Wetterlagen in Asien an .
Steigende Energie- und Düngemittelkosten. Die Preise für Harnstoffdünger sind zwischen Februar und März 2026 um fast 46 % im Monatsvergleich gesprungen, angetrieben durch den Nahost-Konflikt . Die Weltbank prognostiziert, dass die Düngemittelpreise im Jahr 2026 um durchschnittlich 31 % steigen und damit das niedrigste Erschwinglichkeitsniveau seit 2022 erreichen werden . Die höheren Rohölpreise schlagen direkt auf die Produktions- und Transportkosten in der Landwirtschaft durch .
Die Nahrungsmittelinflation in Indien ist im Laufe des Jahres 2026 stark gestiegen und folgt damit den globalen Trends:
| Monat | VPI-Gesamt (YoY) | Nahrungsmittelinflation (CFPI, YoY) |
|---|---|---|
| Jan. 2026 | 2,75 % | 2,13 % |
| Mai 2026 | 3,93 % | 4,78 % |
| Juni 2026 | 4,38 % | 5,32 % |
| Juli 2026 | 4,45 % | 5,52 % |
Die indische Einzelhandelsinflation liegt nun seit zwei Monaten über dem von der indischen Zentralbank (RBI) angestrebten Mittelwert von 4 %. Die Nahrungsmittelinflation erreichte mit 5,52 % den höchsten Stand im Jahr 2026, angetrieben durch höhere Lebensmittel- und Treibstoffpreise . Besonders stark betroffen ist der ländliche Raum (Gesamtinflation 4,84 %) im Vergleich zu den Städten
.
Fast ein Rekordniveau. Die weltweiten Lagerbestände für Reis, Sojabohnen, Mais und Weizen liegen nahe an Rekordhochs, was den Angebotsschock des El Niño abfedern könnte . Die FAO schätzt die weltweite Getreideproduktion für 2025 auf 3.043 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 6,1 % im Jahresvergleich . Die globale Getreideproduktion erreichte im Jahr 2025/26 mit schätzungsweise fast 2,5 Milliarden Tonnen einen neuen Höchststand, angetrieben durch Rekordernten bei Weizen und Mais .
Aber Vorsicht ist geboten. Trotz der hohen Gesamtvorräte warnt die FAO, dass die Lagerbestands-Verhältnisse von ihrem jüngsten Höchststand sinken. Zudem bedeuten regionale Ungleichgewichte – wie knappe Vorräte in einigen Importländern –, dass das globale Polster weniger gleichmäßig schützt, als es die aggregierten Zahlen vermuten lassen . Der Internationale Getreiderat (IGC) prognostiziert, dass sich die weltweiten Vorräte im Jahr 2026/27 auf 609 Millionen Tonnen verknappen werden – ein Rückgang um 23 Millionen Tonnen, der hauptsächlich auf die großen Exportländer entfällt .
Exportbeschränkungen. Mehrere große Erzeugerländer haben ihre Exportbeschränkungen für Reis, Zucker und Weizen beibehalten oder sogar verschärft. Indien zum Beispiel hält trotz rekordverdächtiger heimischer Vorräte an seinen Reisexportbeschränkungen fest . Eine neue Welle protektionistischer Maßnahmen würde die Preise für importabhängige Schwellenländer in die Höhe treiben, wie bereits 2008 und 2022 geschehen .
Anhaltender Nahost-Konflikt. Sollte der Iran-Konflikt andauern, werden die Energiepreisschocks und die Störungen der Handelsrouten durch die Straße von Hormus die Produktions- und Transportkosten weltweit weiter in die Höhe treiben. Die FAO warnt, dass die Landwirte bei einer Konfliktdauer von über 40 Tagen und anhaltend hohen Betriebsmittelkosten ihre Produktion drosseln, die Anbauflächen verkleinern oder auf andere Kulturen umsteigen könnten .
Zweite Welle. Die höheren Nahrungsmittel- und Energiekosten befeuern die Gesamtinflation in den Schwellenländern (wie in Indien zu beobachten), was die Zentralbanken zwingen könnte, ihre Geldpolitik länger restriktiv zu halten .
Haushaltsbelastung für anfällige Importländer. Nettoimportierende Entwicklungsländer sehen sich mit zunehmendem Zahlungsbilanzdruck konfrontiert, falls die Preise hoch bleiben, was zu einer Nahrungsmittelkrise führen könnte . Die weltweite Nahrungsmittelimportrechnung stieg 2025 um 7,9 % auf einen Rekordwert von 2,22 Billionen US-Dollar .
Das Fazit: Die reichhaltigen globalen Getreidevorräte bieten ein wichtiges kurzfristiges Polster. Aber die Kombination aus kriegsbedingten Energie- und Düngemittelschocks, einem erstarkenden El Niño und dem stets präsenten Risiko von Exportbeschränkungen macht den Spielraum für Fehler sehr gering – besonders für importabhängige Schwellenländer.