Israel hat bislang keine offizielle Stellungnahme abgegeben, doch hinter verschlossenen Türen ist die Beunruhigung groß. Ein hochrangiger israelischer Beamter sagte gegenüber Ynet, „dies ist eine Allianz, die sich gegen Israel richtet“, und warnte, dass Ägypten dem Pakt beitreten könnte, was feindliche Kräfte direkt an Israels Grenzen bringen würde .
Aus israelischer Sicht ist besonders die Rolle der Türkei alarmierend. Al Jazeera bezeichnet sie als „Israels nächsten Erzfeind in Wartestellung“ . Zudem erschwert der Pakt die seit langem angestrebte Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien im Rahmen der Abraham-Abkommen. Indem sich Riad nun militärisch an die Türkei und Pakistan bindet – beide Staaten unterhalten angespannte oder gar feindselige Beziehungen zu Israel – wird eine Annäherung politisch deutlich schwieriger
.
Trotz der an Artikel 5 des NATO-Vertrags erinnernden Formulierung sind sich Analysten einig, dass der Mekka-Pakt aus mehreren strukturellen Gründen weit von einer echten „Islamischen NATO“ entfernt ist:
Analysten von Ynet und FirstPost bezeichnen den Pakt daher als „defensive Absicherung aus gemeinsamer Besorgnis“ und als „Papierallianz“, weit entfernt von einer aggressiven Super-Achse, die zur Eroberung bereit ist .
Die vielleicht bedeutendste Konsequenz des Mekka-Pakts ist die Botschaft, die er nach Washington sendet. Alle drei Unterzeichner sind traditionelle Partner der USA – Saudi-Arabien als langjähriger Sicherheitsklient, die Türkei als NATO-Mitglied und Pakistan als wichtiger Nicht-NATO-Verbündeter. Dennoch haben sie sich dafür entschieden, ein trilaterales Verteidigungsbündnis außerhalb des US-Rahmens zu formalisieren . Der Zeitpunkt ist entscheidend: Das Abkommen wurde vor dem Hintergrund der eskalierenden US-israelischen Militärkampagne gegen den Iran unterzeichnet, die iranischen Raketenbeschuss auf Golf-Ölanlagen gebracht und die Region destabilisiert hat
.
Der Mekka-Gemeinsame-Verteidigungspakt ist eine bedeutende diplomatische Entwicklung, die die sich verändernde Sicherheitslandschaft des Nahen Ostens widerspiegelt. Ihn jedoch als „Islamische NATO“ zu bezeichnen, überschätzt seine tatsächlichen Fähigkeiten. Dem Pakt fehlt das institutionelle Rückgrat, die gemeinsame Bedrohungswahrnehmung und die operative Planung, die die NATO funktionsfähig machen. Derzeit ist er am besten als politisches Signal zu verstehen – an Israel, an Iran und vor allem an die Vereinigten Staaten – dass drei wichtige sunnitische Verbündete bereit sind, ihre Sicherheitsgarantien zu diversifizieren. Ob sich der Pakt zu etwas Substanziellerem entwickelt, hängt davon ab, ob die Mitglieder ihre unterschiedlichen Interessen überwinden und die Infrastruktur aufbauen können, die aus einer Deklaration eine echte Verteidigungsallianz macht.