Die Behauptung, die Märkte würden überhaupt keine Risikoprämie verlangen, ist inzwischen überholt. Das Bild ist differenzierter.
Wo die Spreads eng bleiben:
Der Hauptgrund, warum die Risikoaufschläge nicht explodiert sind, liegt in der Bonität der Schuldner: Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta sind fast ausnahmslos mit AA oder A bewertet und verfügen über traditionell sehr solide Bilanzen. Anleger betrachten diese Papiere als „Witwen-und-Waisen-Anleihen“, bei denen das Ausfallrisiko selbst bei einer Enttäuschung der KI-Erwartungen auf 5–10 Jahre als verschwindend gering gilt . Die Nachfrage, vor allem nach Dollar-Anleihen, war lange Zeit sehr stark, auch wenn Banken eine Sättigung in manchen Währungsräumen signalisieren
.
Wo Risikoprämien sichtbar werden:
Die vielleicht besorgniserregendste strukturelle Entwicklung ist die Explosion der nicht in den Bilanzen ausgewiesenen Verbindlichkeiten:
Der Schuldenboom von 570 Milliarden Dollar ist eine rationale Reaktion auf den enormen Kapitalbedarf der KI-Industrie, getragen von den kreditwürdigsten Schuldnern der Welt. Die Vorstellung, dass die Märkte dafür keine Risikoprämie verlangen, ist jedoch falsch. Bis Mitte 2026 sind die CDS-Spreads gestiegen, die Nachfrage lässt nach, und Aufseher wie die BIZ, die US-Notenbank (Fed) und Fitch haben systemische Bedenken geäußert. Das wahre, weiterhin unterbewertete Risiko sind die 1,65 Billionen Dollar an außerbilanziellen Verbindlichkeiten und das undurchsichtige Geflecht aus privaten Krediten, Leasingverträgen und Joint Ventures. Eine KI-Korrektur könnte so zu einem Kreditereignis werden, das Versicherer, Private-Equity-Fonds und Anleiheinvestoren trifft – auf eine Weise, die keine traditionelle Bilanzanalyse abbilden kann.