Der Verfassungsrat entschied, dass das Verbot für Minderjährige unter 15 Jahren „nicht pauschal […] erlassen werden könne, ohne die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit zu verletzten“ . Das Verbot schränke das verfassungsrechtlich geschützte Recht Minderjähriger ein, sich frei zu äußern
.
Das Gesetz hätte jede Person, auch Erwachsene, dazu gezwungen, vor der Nutzung sozialer Medien ihr Alter nachzuweisen . Der Verfassungsrat befand dies als einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Privatsphäre und die Meinungsfreiheit aller Nutzer – nicht nur der Minderjährigen
. In seiner Entscheidung heißt es: „Indem das Gesetz Minderjährigen unter 15 Jahren den Zugang zu bestimmten Online-Diensten verbietet, verlangt es zwangsläufig von jeder Person, auch von Erwachsenen, vor der Nutzung einen Altersnachweis zu erbringen“
. Das Gericht kritisierte zudem, dass der Gesetzgeber „es versäumt habe, die Bedingungen und Grenzen festzulegen, unter denen ein solcher Nachweis zu erbringen ist“. Damit fehlten die notwendigen rechtlichen Sicherungen für die Einhaltung der Datenschutzanforderungen
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Der Verfassungsrat stellte fest, dass die geplante Regelung zu starr sei, um die individuelle Situation jedes Minderjährigen oder die spezifischen Risiken einzelner Plattformen zu berücksichtigen . Wie CNN die Entscheidung zusammenfasste: Das Verbot sei „zu weit gefasst und könne nicht durchgesetzt werden, ohne die Privatsphäre der Menschen zu verletzen“
.
Präsident Macron wies seine Regierung sofort an, das Gesetz neu zu fassen. Laut Berichten aus italienischen Medien, die sich auf Macrons Büro beriefen, forderte er eine verfassungskonforme Lösung bis zum Frühjahr 2027 . Macron beauftragte Premierminister Sébastien Lecornu mit der Überarbeitung, mit dem Ziel, das Gesetz noch vor den Präsidentschaftswahlen 2027 in Kraft zu setzen
. Macron hatte das ursprüngliche Gesetz als „wichtigen Schritt nach vorn“ und als „Wegbereiter in Europa für den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen“ bezeichnet
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Die französische Niederlage kommt inmitten einer weltweiten Bewegung für strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige:
Australien – War das erste Land der Welt, das ein pauschales Verbot erließ. Der Online Safety Amendment (Social Media Minimum Age) Act 2024 ist seit dem 10. Dezember 2025 in Kraft und blockiert unter 16-Jährigen den Zugang zu Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook, YouTube, Snapchat, Reddit und X .
Großbritannien – Im Juni 2026 kündigte die britische Regierung an, soziale Medien für unter 16-Jährige zu verbieten – angelehnt an das australische Modell .
Europäische Perspektive – Frankreichs Gesetz war das erste pauschale Verbot, das von einem EU-Mitgliedstaat verabschiedet wurde. Sein Scheitern vor dem Verfassungsrat macht es nun zum Präzedenzfall, wie solche Gesetze in Europa gestaltet sein müssen, um einer verfassungsrechtlichen Prüfung standzuhalten – denn die Meinungsfreiheit genießt hier einen sehr hohen Stellenwert .
Der Kernkonflikt – Die zentrale juristische Herausforderung, die sich durch alle diese Initiativen zieht, ist die Abwägung zwischen dem Schutz von Kindern und den Grundrechten. Auch Australiens Verbot steht in der Kritik, wurde aber von keinem vergleichbaren Verfassungsorgan bisher gestoppt. Das französische Urteil signalisiert, dass pauschale Verbote mit einer universellen Altersverifikation im europäischen Menschenrechtsrahmen voraussichtlich nur sehr schwer durchsetzbar sein werden .