Die sechsmonatige Blockade der Straße von Hormus durch Iran hat die ölreichen Golfstaaten in einen beispiellosen Wettlauf um alternative Exportrouten gestürzt. Mit Milliardeninvestitionen in Pipelines, asiatische Lagermöglichkeiten und sogar Lkw-Transporte versuchen sie, ihre wirtschaftliche Lebensader zu sichern. Doch so ehrgeizig die Pläne sind – eine vollständige Unabhängigkeit von der strategischen Meerenge halten Experten für unrealistisch ![]()
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Die wichtigsten Pipeline-Projekte im Überblick
VAE – Die zweite West-Ost-Pipeline nach Fujairah
- Im Mai 2026 wies der Kronprinz von Abu Dhabi, Scheich Khaled bin Mohamed bin Zayed, die staatliche Ölgesellschaft ADNOC an, den Bau einer zweiten, parallel zur bestehenden Habshan-Fujairah-Leitung verlaufenden Pipeline zu beschleunigen
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- Die neue, rund 405 Kilometer lange Pipeline (252 Meilen) war Mitte 2026 bereits zu etwa 50 Prozent fertiggestellt und soll bis 2027 in Betrieb gehen. Dann wird die gesamte Umgehungskapazität am Hafen von Fujairah am Golf von Oman auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag (bpd) steigen
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- Der bestehende Terminal in Fujairah wurde während des Konflikts von iranischem Beschuss getroffen, dennoch gelang es den VAE, etwa 1,8 Millionen bpd zu exportieren – etwa die Hälfte der Vorkriegsproduktion
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Saudi-Arabien – Die Ost-West-Pipeline (Petroline) als Rückgrat der Umgehungsstrategie
- Die 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline von Abqaiq zum Rotmeerhafen Yanbu erreichte im März 2026 ihre maximale Kapazität von 7 Millionen bpd – ein Meilenstein für den seit Jahrzehnten bestehenden Notfallplan des Königreichs
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- Nach Angriffsschäden während des Iran-Konflikts konnte die volle Kapazität bis zum 12. April 2026 wiederhergestellt werden
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- Bereits im Juli 2026 berichtete Reuters unter Berufung auf mehrere Quellen, dass Saudi-Arabien eine Ausweitung der Kapazität um bis zu 2 Millionen bpd auf knapp 9 Millionen bpd erwägt. Erste Gespräche mit Nachbarländern über eine gemeinsame Nutzung laufen
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- Allerdings liegt die tatsächliche Exportkapazität nach Abzug von etwa 2 Millionen bpd für die inländischen Raffinerien nur bei 4,5 bis 5 Millionen bpd
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Kuwait – Auf der Suche nach einem Anschluss
- Kuwaits Ölexporte sind durch die Blockade der Straße von Hormus „vollständig zum Erliegen gekommen"
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- Die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) führt daher aktive Gespräche mit Saudi-Arabien und den VAE über den Bau einer Exportpipeline zum Roten Meer oder die Nutzung der emiratischen Infrastruktur. Ölminister Tariq Al-Roumi bestätigte die Verhandlungen
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- Zwei Routen stehen zur Debatte: durch Saudi-Arabien zum Roten Meer oder direkt zu den VAE-Häfen
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Irak und Jordanien – Die Wiederbelebung der alten Pipeline nach Akaba
- Konkrete, bestätigte Neuigkeiten über die Wiederbelebung der Irak-Jordanien-Pipeline zum Rotmeerhafen Akaba liegen nicht vor. Die Nachrichtenagenturen AP und CBS berichten jedoch übereinstimmend von „mindestens sieben großen Pipeline-Projekten", die in Bau oder Planung seien, wozu auch diese Route gezählt wird
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Katar – Das akute Problem des LNG-Exporteurs
- Katar, der weltweit größte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG), steht vor der schwierigsten Lage: Es verfügt über keine eigenen alternativen Exportrouten und müsste eine Pipeline durch ein Nachbarland bauen, um Hormus zu umgehen
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Ergänzende Strategien: Asien-Lager und maximierte Auslastung
- Ausbau der Öllager in Asien: Die Golfproduzenten bauen ihre Lagerkapazitäten in Japan, Südkorea, China und Indien massiv aus. So können sie Rohöl näher an den Kunden lagern und die Notwendigkeit ständiger Durchfahrten durch die Straße von Hormus verringern
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- Maximierung der bestehenden Pipeline-Kapazitäten: Saudi-Arabien hat seine Ost-West-Leitung bis zur technischen Grenze von 7 Millionen bpd ausgelastet und erwägt einen Zubau von bis zu 2 Millionen bpd
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- Umleitung der Transportströme: Laut Gulf News könnten von den 13,26 Millionen bpd Golf-Öl, die alternative Routen benötigen, letztlich bis zu 11,5 Millionen bpd durch die maximierte Nutzung bestehender und geplanter Pipelines umgeleitet werden
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- Lkw- und Bahntransporte: Einige Golfstaaten haben als Notlösung LKW-Konvois und Bahnkorridore getestet, deren Kapazität jedoch bei weitem nicht ausreicht
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Hindernisse und Warnungen der Analysten
Huthi-Gefahr für die Rotmeer-Routen
- Die neuen Exportwege sind keineswegs sicher. Die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer und Fujairah am Golf von Oman sind nicht immun gegen Angriffe. Die Huthi-Rebellen im Jemen haben bereits mehrfach ihre Fähigkeit bewiesen, Schiffe und Infrastruktur im Roten Meer anzugreifen. Der iranische Beschuss von Fujairah während des Konflikts zeigt, dass auch die Umgehungsrouten im Visier sind
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. Analysten warnen, dass die Konzentration der Exporte auf das Rote Meer neue strategische Schwachstellen schafft
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Vollständige Unabhängigkeit von Hormus ist unrealistisch
- Selbst mit allen geplanten Erweiterungen würde die maximale kombinierte Umgehungskapazität bei etwa 11,5 Millionen bpd liegen – bei einem Gesamtvolumen von über 13 Millionen bpd, das normalerweise durch die Straße von Hormus transportiert wird
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- Eine Analyse von Goldman Sachs, zitiert von der Times of Israel, zeigt, dass selbst nach den Pipeline-Erweiterungen mehr als 45 Prozent der Golföl-Exporte weiterhin auf die Straße von Hormus oder andere Engpässe angewiesen wären
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- Die bestehende Infrastruktur ist schlicht unzureichend: Saudi-Arabiens Ost-West-Leitung kann 5–7 Millionen bpd bewegen, die VAE-Pipeline Habshan–Fujairah etwa 1,5 Millionen bpd – zusammen weit weniger als die Vorkriegsdurchsatzmenge von 17–20 Millionen bpd durch Hormus
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Neue Korridore schaffen neue Ziele
- CNBC berichtet, die neuen Pipeline-Korridore und Rotmeerhäfen „werden die Bedrohung, die Iran für das Öl des Nahen Ostens darstellt, nicht beenden", da sie die Verwundbarkeit lediglich von einem Engpass auf einen anderen verlagern
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- Die Ost-West-Pipeline selbst wurde während des Konflikts angegriffen und beschädigt, bevor sie repariert werden konnte
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- Der Terminal in Fujairah wurde durch iranischen Beschuss gestört – ein Beleg dafür, dass auch Umgehungsrouten nicht vor militärischen Aktionen gefeit sind
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